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Im Jahre 1980 kam der Film „Cruising“ in die Kinos, in welchem ein Undercover-Cop (verkörpert von Al Pacino) wegen einer Mordserie in der New Yorker Leather-Bar-Szene ermittelt. Während der Produktion kam es zu Protesten der Gay Community, da das Werk als homophob empfunden wurde. Zudem sah sich der Regisseur William Friedkin mit der Motion Picture Association of America (MPAA) konfrontiert, die ihn dazu brachte, 40 Filmminuten herauszuschneiden. Nun – im Jahr 2012 – machen es sich James Franco und Travis Matthews zur Aufgabe, jenes verloren gegangene Material zu „imaginieren“, indem sie mit einer Gruppe weitgehend unbekannter Schauspieler einige Szenen entwickeln.

Kritik

Über ein paar Punkte muss man in Zusammenhang mit "Interior. Leather Bar." etwas anmerken. Punkt 1: James Franco. Seit einigen Jahren kennt man ihn als Schauspieler; er war beispielsweise in der überaus großartigen (allerdings sehr kurzlebigen) TV-Serie „Freaks and Geeks“, in Sam RaimisSpider-Man“-Trilogie sowie in filmischen Meisterwerken wie „Milk“ und „127 Hours“ zu sehen. Die Schauspielerei scheint Franco (trotz seiner erstaunlich umfangreichen Filmografie und trotz seines Erfolges) jedoch nicht so recht auszulasten, weshalb er auch als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Schriftsteller sowie als bildender Künstler arbeitet – und auf all diesen Gebieten mehr Aufmerksamkeit erregt, als es den meisten Leuten auf einem einzigen zu glücken vermag. Man kann so eine Überperson ein bisschen unheimlich finden – uninteressant ist James Franco aber gewiss nicht (und Selbstironie hat er glücklicherweise auch, wie seine Darbietung in „Das ist das Ende“ beweist). Das, was Franco macht, mutet oft ziemlich außergewöhnlich an; so gastierte er etwa – zu einem Zeitpunkt, zu dem er bereits ein etablierter Kino-Star war – in der Seifenoper „General Hospital“ und nutzte diesen Gastauftritt als soziopathischer Künstler für ein Performance-Art-Experiment (das außer ihm womöglich niemand verstanden hat).

Auch Francos Projekt „Interior. Leather Bar.“ kann – jedenfalls aus filmhistorischer und soziologischer Sicht – als spannungsreich bezeichnet werden. Zunächst gilt es jedoch zu einem zweiten Punkt etwas anzumerken – nämlich zu „Cruising“ von William Friedkin („Der Exorzist“). Jener Film aus dem Jahre 1980 ist einerseits ein äußerst packend (wenn auch verwirrend) inszenierter, von Al Pacino hervorragend gespielter Thriller – und andererseits ein kontroverses Werk, dem (durchaus nicht zu Unrecht!) vorgeworfen wird, Exploitation-Züge zu tragen und sexuelles Anderssein unmittelbar mit Gewalt zu verknüpfen. In „Interior. Leather Bar.“ geht es nun um die filmische „Rekreation“ des 40-minütigen Materials, das aus „Cruising“ herausgeschnitten wurde; es handelt sich um eine Art „Making-of“ dieser Szenenentwicklung, wobei oft unklar bleibt, welche Teile dieser „Hinter den Kulissen“-Dokumentation „echt“ und welche inszeniert / gescriptet sind. Gelegentlich wird die vermeintliche Authentizität der Gespräche zwischen den Beteiligten bewusst untergraben, indem eine Person etwa gebeten wird, ihrem Gegenüber eine gewisse Frage zu stellen oder die Unterhaltung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Doch ob fake oder nicht – einige der Gespräche (insbesondere jene, an denen Franco beteiligt ist) sind tatsächlich hochinteressant, da sie sich um wichtige gender- und queertheoretische Aspekte sowie um Heteronormativität im Hollywoodkino und um Ängste und Hemmungen im Umgang mit dem (sexuell) „Anderen“ drehen. Die (Pseudo?)Doku fokussiert dabei den Konflikt des heterosexuellen Schauspielers und James-Franco-Kumpels Val Lauren, der seine Teilnahme an dem Projekt (als Al-Pacino-Ersatz) immer wieder infrage stellt. Der Mut und die Aufgeschlossenheit seines berühmten Freundes und Kollegen überfordern Lauren, bringen ihn allerdings auch dazu, über seine Grenzen und Denkschemata zu reflektieren. Schade ist, dass der ca. einstündige Film ein wenig unausgereift wirkt. Das umstrittene Werk „Cruising“ dient hier zwar als Ausgangspunkt; auf dessen (damalige und heutige) Wirkung wird jedoch kaum eingegangen. „Interior. Leather Bar.“ gibt in erster Linie Denkanstöße – ohne das Potenzial seiner Thematik wirklich auszuschöpfen.

Als Extra enthält die DVD von Pro-Fun Media den Kurzfilm „In Their Room - LONDON“ von Travis Matthews („I Want Your Love“), der einen Einblick in die Gedankenwelt höchst unterschiedlicher Charaktere bietet.

Fazit

Ein spannendes Projekt, das essenzielle Fragen der Gender- und Queer-Theorie aufwirft. Dem Tausendsassa James Franco zuzuhören ist reizvoll. In einigen Punkten hätte der Film jedoch noch weiter in die Tiefe gehen können. Insgesamt: lohnend!

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