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Inhalt

Eine idyllische Kleinstadt im amerikanischen Mittelwesten kurz nach dem 2. Weltkrieg. Der nette Charles Rankin, den Orson Welles selbst spielt, schickt sich an, die hübsche Lehrertochter Mary zu ehelichen. Doch am Vorabend ihrer Hochzeit kommt ein furchtbarer Verdacht auf: Ist Rankin in Wirklichkeit der ehemalige KZ-Kommandant Franz Kindler, der sich hinter der Maske des Biedermanns verbirgt?

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Kritik

Der US-amerikanische Film-, Theater- und Radio-Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler und Jahrhundertkünstler Orson Welles, dem mit seinem Debüt Citizen Kane das - vielleicht - wichtigste Filmwerk der uns bekannten Geschichte gelungen ist, hatte es schwer. Denn auch wenn er immer wieder Filme drehte, die heutzutage zum Kanon und Aufregendsten gehören, was man so vor die Augen bekommt, wollte kein Studio mit ihm arbeiten. Zu viele Freiheiten wollte Herr Welles sich nehmen, zu penetrant seine Ideen durchboxen, zu anders sollten seine Geschichten über die Leinwand flimmern. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass Welles, als er Die Spur des Fremden drehte, einen „Knebelvertrag“ vorgesetzt bekam. Ein Cutter sollte sicherstellen, dass jedes Bild den Plot vorantreibt. Der Rest wurde eiskalt vernichtet.

Welles sollte beweisen, dass er einen Film pünktlich und im Rahmen des Budgets fertigstellen konnte. Er hat beides geschafft - und ist äußerst unzufrieden mit dem Film. Natürlich sind Filmschaffende oft ihre eigenen stärksten Kritiker. Deshalb ist es vielleicht gar ein Luxus, das man als Zuschauer ein paar Schritte rückwärts gehen kann und den Film mit etwas mehr Abstand betrachtet. Denn auch wenn Welles insofern Recht hat, als dass in diesem Film für ihn ungewöhnliche Abkürzungen genommen werden, bleiben dennoch große Qualitäten vorhanden. Ein Genie kann man eben nicht vollends kleinhalten.

Die Zeit wird bereits im Vorspann als wichtigstes Motiv eingeführt. Die endlosen, ultimativ freien und erdrückenden Sekunden und Minuten, Tage und Jahre. Und vor allem; die Uhr, die verrückt spielt und aus ihrem gewohnten Trott herausbricht. Zeiger, die nicht zu bändigen sind und wilde Kreise drehen, ungeachtet der Richtung, in der sie eigentlich laufen sollten. Die Zeit, 1946, ein Jahr nach Kriegsende, wenige Monate, nach dem reihenweisen Suizid der Naziführung. Und die Zeit, ein zentrales Motiv des Film Noir, da die Zukunft der Figuren stets dem Untergang geweiht ist. Eine Hoffnung auf ihre eigene Zukunft haben die Figuren bereits verwirkt, als sie in ihrer Vergangenheit Schuldige wurden. Die Zukunft wird von der Flucht vor der Vergangenheit gezeichnet sein. Eine endlose Flucht, da der Schuld nie der Atem ausgehen wird.

Und zuletzt, die Zeit, das einzige Indiz für die Jagd nach dem Nazi-Kriegsverbrecher Frank Kindler, gespielt von Orson Welles selbst. Seine Faszination für Uhren ist der einzige Zusammenhang zwischen Kindler und seiner neuen Identität. Auch wenn dies auf symbolischer Ebene etwas platt sein mag (die Zeit wird ihn also einholen), funktioniert sie dennoch in einem anderen Aspekt wunderbar: Kindler soll nämlich die Uhr am Kirchturm des Ortes reparieren, in dem er als Grundschullehrer untergetaucht ist. Damit nimmt Welles auch Bezug auf die unzähligen Wissenschaftler, der Nazis, die in den USA Karriere gemacht haben. Ob das zu der Zeit bereits intendiert war oder nicht ist dabei von sekundärem Belang.

Wie zuvor erwähnt, arbeitete Welles mit einem äußerst radikalen Cutter zusammen. Dies brachte den Studioschreck dazu, immer wieder längere Einstellungen zu drehen - um seinen Kollegen in den Möglichkeiten einzuschränken. Die enge Zusammenarbeit mit seinem Kameramann hat sich dabei durchaus gelohnt. So zeugt Die Spur des Fremden von faszinierenden und expressiven Licht- und Schattenspielen. Die Schatten kriechen tief in die Gesichter der Figuren, tief in die Seelen und halten diese fest umklammert. Und was kann die Seele der Figuren und Zuschauer fester und finsterer umklammern, als dokumentarischer Aufnahmen aus den Konzentrationslagern der Nazis - die ersten, die in einem kommerziellen Spielfilm verwendet wurden. Einem Orson Welles kann man eben nicht verbieten, unerschrockene Filme zu machen.

Fazit

Mit „Die Spur des Fremden“ hat Orson Welles einen Film abgeliefert, den er selbst für sein schlechtestes Werk hält. Sicherlich ist dies dem Umstand geschuldet, dass er zum ersten (und letzten Mal) auf Ratschläge und Forderungen des Produktionsstudios einging. Und tatsächlich sind hier einige Momente zu finden, die keine Fehler per sé sind, aber dennoch grober daherkommen, als man es von Welles gewohnt ist. Dennoch zeichnet sich auch der unerschrockene Regisseur Welles ab; mit den authentischen Aufnahmen aus KZs setzt Welles sich weitaus direkter mit dem großen Noir-Thema des Krieges auseinander als all seine Kollegen. Visuell deckt der Regisseur alles von elegant bis extravagant, von großspurig bis penibel ab; sein bildliches Geschick hat er auch unter der Studiohand nie verloren.

Autor: Levin Günther

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