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Der Bücherjäger Dean Corso wird von dem Sammler Boris Balkan angeheuert, ein Buch mit dem mysteriösen Titel "Die Neun Pforten ins Reich der Schatten" ausfindig zu machen. Es heißt, bei einem der drei existierenden Exemplare dieses Buches hat der Teufel selbst seine Finger im Spiel gehabt. Während seiner Reisen nach New York, Toledo, Paris und Cintra dringt Corso immer tiefer in ein Labyrinth aus Fallen, Versuchungen, mysteriösen Begegnungen, Gewalt und Tod. Verfolgt von einer mörderischen Furie, beschützt von einem mysteriösen Wesen und geleitet von einer ihm unerklärlichen Kraft gelingt es Corso nicht nur die Rätsel des Buches zu lösen. Bald erkennt er auch den wahren Grund für seine gefährliche Mission

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Kritik

In Stille zu reisen
auf einem langen gewundenen Pfad,
den Pfeilen des Unheils zu trotzen
und weder den Galgen noch das Feuer zu fürchten,
das größte aller Spiele zu spielen
und zu gewinnen, keine Kosten zu scheuen - 
das bedeutet, dem Schicksal zu trotzen
und am Ende den Schlüssel in Händen zu halten,
welcher die neunte Pforte öffnet ...

Ein Selbstmord leitet das elegante Schauermär ein, in das Meisterregisseur Roman Polanski (Der Tod und das Mädchen) den offenherzigen Zuschauer über fast 130 Minuten entführt. Es ist Andrew Telfer (Willy Holt, Auf Wiedersehen, Kinder), der sich dazu entscheidet, seinem Leben ein Ende zu setzen, in dem er sich am Kronleuchter seines Arbeitszimmer mit einem Kabel erhängt. Wichtig aber ist nicht der Freitod an und für sich, sondern die inszenatorischen Mittel, die Roman Polanski verwendet, um diese Szene als adäquat-suggestive Eröffnung festzulegen: Die Kamera von Darius Khondji schwebt vom letzten Zucken der in der Luft baumelnden Beine entlang an imposanten Bücherregalen, tastet die Erfurcht erregenden Exemplare behutsam ab, Rücken für Rücken, bis sich schließlich eine Leerstelle auftut, deren Schwarz auf einen schier endlosen Pfad führt, der von neun massiven Toren eingeteilt wurde.

Es scheint so, als wollte Roman Polanski an dieser Stelle mit aller Überzeugung deutlich machen: Das, was wir Realität nennen, ist nur die Maske einer notdürftigen Normalität. Und wer sich traut, hinter die Fassade zu blicken, wird vom Sog des Abseitigen regelrecht in Beschlag genommen. Dean Corso (Johnny Depp, Edward mit den Scherenhänden) wird indes als abgebrühter und jeder weltlichen Abweichung skeptisch begegnender Antiquar charakterisiert. Wenn er sich ein seltenes Stück (früh-)historischer Literatur unter den Nagel reißen muss, dann scheut er auch vor einigen skrupellosen Finten nicht zurück. Auf der anderen Seite aber scheint der Respekt den antiquarischen Raritäten gegenüber nicht allzu hoch auszufallen, wird das sensible Papier jener Schwarten doch weder mit Handschuhen bearbeitet, noch vermieden, dass diese vom permanenten Zigarettenrauch verschont werden.

Im Auftrag des exzentrischen Millionärs Boris Balkan (Frank Langella, Frost/Nixon), dessen Bibliothek ausschließlich aus Büchern besteht, die sich ausführlich mit dem Gebiet des Satanismus beschäftigten, wird Dean Corso auf eine Europareise entsandt, um die Authentizität von Balkans Die neun Pforten ins Reich der Schatten-Exemplar zu belegen. Das in Leder gebundene Werk soll, der Legende nach, unter Mithilfe des leibhaftigen Gehörten entstanden sein und trug zur Folge, dass der offizielle Autor, Aristide Torchia, im Zuge der spanischen Inquisition auf dem Scheiterhaufen elendig hingerichtet wurde. Roman Polanski jedenfalls benötigt anhand dieser Eckdaten nicht viel Zeit, um den mystischen Gehalt des Films zu verdeutlichen, während Johnny Depp, vor seinen karnevalesken Jack-Sparrow-Darbietungen, als kettenrauchender Bücherdetektiv in der Hauptrolle zur Idealbesetzung eines Menschen reift, der zusehends in seinem abgestumpften Selbstverständnis schockiert wird.

Sicherlich ist auch genau dieser charakterbezogene Umstand der interessanteste Ansatz, um Die neun Pforten zu lesen und (bis zu einem gewissen Grad) zu entblättern: Dean Corso muss sich weiterhin in unserer Welt zurechtfinden, aber erkennen, dass diese vielmehr als äußere Hülle fungiert und dem Unbegreiflichen vor seinen misstrauischen Augen mehr und mehr Einlass gewährt. Wie den Protagonisten, ergreift den Zuschauer ein mysteriös-verführerischer Sog, den der hier nicht selten augenzwinkernde Roman Polanski nicht nur durch das satanische Rätsel im Zentrum der detektivischen Spurensuche evoziert, sondern auch durch das formidable Handwerk: Gediegene Bildkompositionen wähnen sich im subkutanen Gruselflair, während melancholische Streicher auf der Tonspur zu verstehen geben, dass man das Unfassbare nicht hinterfragen kann, sondern letztlich nur in der Verfassung scheint, dieses zu akzeptieren. Roman Polanski spricht hier aus tragischer Erfahrung.

Fazit

Roman Polanski beweist sich wieder als subtiler Stimmungsmacher und erzählt ein detektivisch-anmutendes Schauermär, in dem ein wunderbarer Johnny Depp in den Dunstkreis satanischer Auswüchse gerät und nach und nach mit seiner abgebrühten Souveränität bricht. "Die neun Pforten" ist klassisches, wunderbar inszeniertes Kino, nicht für den schnelllebigen Mainstream geeignet, aber wer sich offenherzig zeigt, der wird hier eine sehr einnehmend erzählte Europareise ins Reich des Unbegreifbaren erleben.

Autor: Pascal Reis

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