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Inhalt

Zusammen. Ein Leben lang. Wer kann das schon? Wer will das noch? Was uns heutzutage wie ein Kuriosum erscheint, war für die Generation unserer Großeltern die Normalität. Ebenso die Jungfräulichkeit vor der Ehe. Diese Generation kennt sie noch, die traditionelle Hochzeitsnacht. Ein indisches Ehepaar, das gegen das Kastensystem geheiratet hat und deshalb mit seinen Familien brechen musste. Ein japanisches Ehepaar, das zwangsverheiratet wurde und sich sehr schwer tat mit dem Lieben. Ein knorriges Nachkriegspaar aus dem Ruhrgebiet. Und zwei homosexuelle Männer aus den USA, die erst heiraten durften, nachdem sie schon fünf Jahrzehnte beisammen waren und die damit verbundenen rechtlichen Probleme lösten, in dem der eine den anderen adoptierte. Vier Paare aus drei Kontinenten erzählen offen und ehrlich, was es heißen kann, 55 Jahre und länger zusammen zu sein. Was auch immer sie zusammenführte, ob Liebe oder arrangierte Ehe, sie alle haben gemeinsam, dass sie sich ein komplettes Leben dieser Beziehung gewidmet haben. Im Guten, wie im Schlechten. Vielleicht nicht immer glücklich, ganz sicher nicht ohne Kämpfe - aber trotzdem zusammen. Und was steht da am Ende, wenn man sich nach einem ganzen Leben in die Augen blickt?

Kritik

„Bis der Tod uns scheidet“ ist heutzutage sicherlich nicht mehr die Art von Versprechen, die eine bindende Wirkung zu haben scheint, sondern viel mehr ein Ideal, bei dem es nicht schlecht wäre, wenn man es befolgen könnte. Aus einem Dogma, aus einer Verpflichtung, ist ein nicht zwingendes, eher optionales, aber durchaus positiv zu erachtendes Ziel geworden. Das wird deutlich, wenn man sich einmal die Statistik ansieht: die Scheidungsquote liegt bei knapp 40%. Und generell erscheint die Ehe lange nicht mehr ein fester Bestandteil des Lebens , sondern viel mehr eine Option oder für manche sogar ein krudes, konservatives Versprechen zu sein, was in Zeiten von tinder, lovoo und der durch das Internet allgemeinen Beförderung eines polygamen Lebensstils, wohl kaum noch überrascht. Das ist sicherlich auch auf einen postmodernen Geist zurückzuführen: Man muss sich ja nicht mehr fest binden, man hat ja noch andere Optionen und andere Eltern haben schließlich auch schöne Kinder. 

Die Nacht der Nächte beleuchtet Paare unterschiedlicher kultureller Bedingungen, die nur eines gemeinsam haben: Sie haben sich das Ja-Wort gegeben und sind zusammen geblieben. Sie sind teils fünfzig Jahre verheiratet und kennen den Partner mit all seinen positiven Seiten. Sie erzählen innerhalb dieser Dokumentation über die Höhen und Tiefen dieser Zeit. Was auf dem ersten Blick recht einfach erscheint und alleine schon durch den Titel eine gehörige Portion Kitsch verspricht, entpuppt sich in der Endkonsequenz als das genaue Gegenteil. Nesrin Samdereli (Amanya-Willkommen in Deutschland) und Yasemin Samderili (Alles getürkt!) ist hier ein sehr nüchterner, ehrlicher Blick auf die Konstitution Ehe geglückt, was nicht zuletzt an den Geschichten der Paare liegt. Die Erzählungen sprechen nämlich nicht nur von zärtlichen Küssen im Mondlicht, sondern auch von Beziehungskrisen, von kulturellen Problemen und von Selbstzweifel. Das Erfolgsrezept, da sind sich die Paare eigentlich einig, scheint der pure Wille zu sein. Einfach gesagt: Sie sind zusammen geblieben, weil sie sich eben nicht getrennt haben.

Für dieses „Sich-nicht-trennen“ findet der Film die passenden Bilder. So gibt es drei Motive, die während der Lauflänge immer wieder zu beobachten sind. Als erstes Motiv wäre die Arbeit zu nennen. Vor allem im Haushalt beobachten wir die Paare immer wieder dabei, wie sie mit ihren Händen an etwas arbeiten so wie sie eben auch an ihrer Beziehung arbeiten, wie sie sich auf den Partner einlassen müssen, über seine Macken hinwegsehen müssen.Das zweite zu benennende Motiv ist die Natur. Immer wieder sehen wir Naturaufnahmen von den verschiedensten Orten der Welt. Dieses Motiv steht für die Fruchtbarkeit der Beziehung, steht für den Sexualtrieb, frei von sozialem Konstrukt. Der Mensch ist durch seine Triebhaftigkeit ein polygames Wesen, das eben seinem Sexualtrieb folgt. Erst soziale Konstrukte haben die monogame Beziehung erschaffen, deren Gipfelpunkt wohl die Ehe darstellt. In gewissermaßen ist es also die Ideologie hinter dem ersten Motiv, der Arbeit, und dem dritten Motiv, der Monotonie, die die Natürlichkeit sozial reglementieren. Die Monotonie wird in diesem Film durch langsam Kamerafahrten und ein generell langsames Erzähltempo verdeutlich. Ebenso hat der Film keinen wirklichen Höhepunkt, er verläuft konstant, monoton so wie eine Ehe mit den Jahren eben auch. Die Nacht der Nächte lässt also nicht nur seine gefilmten Paare über die Ehe reden, sondern findet auch die passenden Motive, die passenden Bilder, um sie zu charakterisieren.

Das macht er auf so herrlich subtile Art und Weise, dass es einem erst in der Wiederholung eben dieser Bilder auffällt. Er gibt ein gelungenes Porträt der Ehe ab, in der er sie nicht nur liebevoll betrachtet, sondern zu gleichermaßen desillusioniert. Deutlich wird das in animierten Zwischensequenzen, in denen die Paare in kitschigen Ausgangssituationen eine sympathisch unbeholfene Verhaltensweise an den Tag legen. Insgesamt bildet der Film also ein ruhiges Gegenstück zur „Generation Beziehungsunfähig“,  und bestärkt die Ehe auf realistische Art und Weise, ohne dabei einen Dialog zur aktuellen gesellschaftlichen Situation einzugehen. Und da wäre vielleicht noch Luft nach oben, es hätte dem Film eine deutlich höhere Brisanz gegeben, wäre er auf den aktuellen Zeitgeist eingegangen und hätte ihn verstärkt mit dem alten verglichen bzw. verstärkt in einen Kontext gesetzt.

Fazit

"Die Nacht der Nächte“ ist ein gelungenes Porträt darüber, was es bedeutet ein Leben zu teilen, was es bedeutet an einer monogamen Beziehung zu arbeiten und wie einem das Leben auf dem Weg zur großen Liebe Hürden in den Weg stellen kann. Der Film desillusioniert, ohne in einem Traditionsskeptizismus zu verfallen.

Autor: Maximilian Knade

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