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Lena Schneider (Josefine Preuß) hat gerade ihr Abitur bestanden, muss aber unter ihrer äußerst unkonventionellen Mutter leiden. Als Belohnung steht ein Thailand-Urlaub an, und schon bald gerät das Mutter-Tochter-Gespann an die türkisch-stämmige Familie Öztürk. Während sich Lena mit dem prolligen Sohn, Cem (Elyas M´Barek), anlegt, gerät das Flugzeug in eine Aschewolke und muss notwassern. Lena, Cem, dessen strenggläubige Schwester Yagmur und der stotternde Grieche Costa landen per Rettungsboot auf einer einsamen Insel, müssen sich auf eigene Faust durchschlagen und mit sich selbst klarkommen, bis Rettung nahen kann.
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Kritik

Zwischen 2006 und 2008 machte in der ARD die Comedyserie „Türkisch für Anfänger“ von sich Reden. Die Multi-Kulti-Reihe verballhornte alle bekannten Klischees, die die Nationalitäten voneinander hatten und haben, und heimste im Lande überwiegend gute Kritiken ein. 2012 kommt nun der gleichnamige Film in die Lichtspielhäuser, der in Kooperation zwischen Rat Pack, der ARD und Constantin Film entstand. Darin wird die Kennenlernphase der Hauptfiguren neu aufgelegt, auf eine tropische Insel verlegt und schließlich noch mehr Comedy hineingelegt. So sorgt ein Flugzeugabsturz und das Stranden auf einer einsamen Insel für dieselben Irrungen und Wirrungen, die schon in der Serie so zahlreich ausgeschlachtet wurden.

Serienunkundige dürften bei dem Film keine Angst haben, weil die Figuren und Begebenheiten sorgfältig eingeführt werden. Ein paar Einstellungen und knappe Dia-/Monologe später hat der Zuschauer dann auch schon alle Zutaten, die es braucht, um das Abenteuer auf der Insel zum Laufen zu bringen. Anfangs noch erzählerisch im Off begleitet Lena ihr eigenes Familienchaos und auch noch ihre anfänglichen Schwierigkeiten mit den Öztürks, bis auf dem Eiland die Bilder und Dialoge für sich selbst sprechen können. Dabei wurden die Hauptfiguren eins zu eins aus der Serie übernommen, für den Film jedoch wieder auf Anfang gespult. So müssen sich die beiden Familienclans erst wieder über den Weg laufen bzw. fahren, und auch die Phase des Kennenlernens zwischen Mama Schneider und Papa Öztürk dauert nun bis zum Finale (zum Vergleich: In der Serie finden sich beide schon sehr früh in Staffel 1). Gleich geblieben ist dagegen das Prinzip zwischen Lena und Cem, die kulturell kaum verschiedener hätten sein können, aber den Hauptteil des Plots ausmachen.

Natürlich ist der Humor die Hauptzutat des Filmes, und der schießt in der ersten Filmhälfte ein ordentliches Feuerwerk ab. Die Späße sind teils recht derb geraten und konnten den Zensoren aus Funk und Fernsehen endlich entkommen, werden aber erfreulicherweise nie richtig geschmacklos, auch wenn nicht jeder Gag richtig zündet. Das liegt auch daran, dass Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin das kulturell angefärbte Thema nie zu ernst nahm und entsprechend überzeichnete. Zwar ist Lena augenscheinlich die gefühlskalte und kontrollsüchtige Deutsche sowie Cem der türkische Vorzeigeproll, beide wurden aber – allen Unkenrufen zum Trotz – um erklärende Vorgeschichten erweitert. Man nimmt der Lena-Figur dadurch sogar ab, dass sie wegen ihrer unkonventionellen Mutter den gefühlskalten Gegenpart einnimmt, und Cem seine prollige Art wegen seiner Vergangenheit aufgesetzt hat. Andererseits zeigen auch die Nebencharaktere einige interessante Facetten, bleiben aber letztlich recht oberflächlich. So ist z.B. Cems Schwester eine strenggläubige Muslimin, hat es aber faustdick hinter den Ohren.

Die Geschichte dagegen bleibt in ihrem Niveau ziemlich bodenständig. Auch wenn das Setting nun nicht mehr in Berlin angelegt und auf eine tropische Insel gewandert ist, bietet der Stoff nur im Rahmen des Nachvollziehbaren genügend Ideen. Seeigel, Haie, Kokosnüsse und Eingeborene gibt es hier zu bestaunen, wurden aber in einem überdrehten Plot wie diesem einfach brach liegengelassen. Eigentlich schade, da hätte noch mehr draus werden können, und so bleibt das Zwischenmenschliche der Bezug zum Humor und der Storyentwicklung. Was bleibt, sind einige heftige Wortgefechte zwischen den Gestrandeten, skurriler Situationshumor und ein paar klamaukhafte Szenen, gewürzt mit solidem Hintergrund sowie vielen Missverständnissen, die man aus Beziehungskomödien zur Genüge kennt. Das serientypische Mitgift der Marke „Kriegen sie sich oder nicht?“ durfte da nicht fehlen, erklärt sich aber alleine durch die Filmumsetzung von selbst und bleibt dadurch ziemlich berechenbar.

Ein Film dieser Art braucht aber auch ein gutes Schauspielerensemble, damit der Witz und die Geschichte gut funktionieren. Klar als Hauptfigur angelegt, kann Josefine Preuß durch ihr Spiel einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Sie spielt die unnahbare Tochter genauso überzeugend wie die trottelige Zicke, die sich jeder Situation gewachsen fühlt und trotzdem immer wieder zum Affen macht. Auch Elyas M´Barek kann seine Stärken ausspielen, so dass man ihm den Proll mit problematischer Vergangenheit abnimmt. Etwas wankend dagegen wird es in den Nebenrollen, so dass neben soliden Auftritten (Anna Strieblich als Mama Schneider) auch ein paar schwache Rollen zu verzeichnen sind.

Das, was der Titel so verspricht, strafte schon in der Serie ein wenig Lügen – so auch in diesem Film. Die Vorurteile und Klischees, die unter den Völkern vorherrschen, werden zwar gerne aufgegriffen, aber andersrum wieder genüsslich mit Füßen getreten. So lässt sich nur erklären, dass schon der Trailer mit typischen Sprüchen aufwartete, die aber im Film kaum vorkommen. Dass dann schließlich das Beziehungschaos die Zügel an sich nimmt, macht so manchen bitterbösen Gag wieder Vergessen. Wenn man Vergleiche heranziehen möchte, dann höchstens mit der Inselkomödie „Sechs Tage, sieben Nächte“, in der sich Harrison Ford und Anne Heche schon ähnlich gekabbelt hatten, jedoch ohne die Action und mehr Verbalkampf.

Fazit

Zwar greift diese Kinoadaption jedes bekannte Klischee gerne auf und tritt es möglichst breit, macht aber nicht den Fehler, sich darauf zu versteifen und die Toleranzgrenze des Zuschauers zu überziehen. Nach einer guten Stunde Verbalkampf und Pubertärhumor weiß die Story, wann sie auch mal fünfe gerade sein lassen muss und beginnt, etwas mehr Sinn und Verstand einfließen zu lassen. Anders als in anderen vergleichbaren Produktionen schläft man hier nicht ein oder schaltet angewidert ab, auch wenn das Gebotene keinen wirklichen Höhepunkt aufbieten kann. Als solider Spaßfilm geht „Türkisch für Anfänger“ aber dicke durch und lebt vor allem von der lustigen Darstellung seiner Hauptakteure.

Autor: Sascha Wuttke

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