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Auf einer Landstraße in Sizilien wird ein Mann förmlich hingerichtet. Der neue Carabinieri-Hauptmann Bellodi stößt auf eine Mauer des Schweigens. Auch Rosa Nicolosi, die direkt neben dem Tatort wohnt und deren Ehemann seit diesem Morgen verschwunden ist, will nichts gesehen oder gehört haben. Gerüchte aus der Stadt besagen, ihr Gatte hätte den Mord aus Eifersucht begangen. Doch so einfach lässt sich Bellodi nicht zufriedenstellen. Für ihn ist es kein Mord aus Leidenschaft, sondern führt zu Don Mariano, der im Ort alle Fäden in der Hand hält.

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Kritik

„In Sizilien werden die Leute bei Sonnenaufgang getötet, damit der Tag gleich gut beginnt.“

Wer von nichts weiß, lebt länger. Das ist das Motto in Sizilien und selbst wer was weiß, hält damit lieber hinter dem Berg. Schweigen ist Gold und Reden nicht mal Silber, sondern kann ganz schnell den Kopf kosten. Das muss auch der frisch aus Parma gekommene Carabinieri-Kommissar Bellodi (Franco Nero; Django) feststellen. An einem Dienstagmorgen wird ein Bauunternehmer auf offener Straße mit vier Gewehrschüssen getötet, was von der Bevölkerung achselzuckend hingenommen wird. Es wird schon seine Gründe haben und aus denen hält man sich besser raus. Hörensagen lässt vermuten, das Opfer wäre vom angeblich gehörnten Ehemann der bildhübschen Rosa (Claudia Cardinale; Spiel mir das Lied vom Tod) aus dem Weg geräumt worden, der seitdem (scheinbar) untergetaucht ist. Obwohl Rosa alles vehement abstreitet und sich große Sorgen um ihren verschwundenen Gatten macht, will auch sie sich gegenüber dem hartnäckigen Ermittler - der nicht bereit ist sich den regionalen Blinde-Kuh-Spielregeln unterzuordnen - nicht öffnen. Sie kennt die Konsequenzen und auch Bellodi kann sich schnell denken, wer der wahre Strippenzieher ist. Don Mariano (Lee J. Cobb; Der Exorzist), der gönnerhaft auftretende Despot, über den alles im Ort läuft. Auch die Bauaufträge der Regierung…

Nach seinem bereits politisch beeinflussten Western Töte Amigo widmete sich Damiano Damiani in den Folgejahren verstärkt dem gesellschaftskritischen Kriminalfilm, der den Finger tief in die von mafiösen Strukturen verseuchte Wunde seines Heimatlandes legt. Der Tag der Eule (in Deutschland auch als Don Mariano weiß von nichts veröffentlicht) ist ein gnadenlos realistischer Justiz- und Mafiathriller, der dennoch dem klaren Konstrukt vom wackeren Filmhelden unterliegt, der sich ehrenhaft und (anfangs) unerschütterlich dem Kampf gegen Windmühlen stellt. Schildert den aktuellen Zustand einer ganzen Region, in der das Verbrechen nicht wie im ersten Moment zu vermuten unbedingt gleichgültig, mehr desillusioniert-hilflos als selbstverständlich und nicht zu ändern hingenommen wird. Man hat sich dem ergeben und kommentiert es höchsten mit ermüdetem Zynismus („Es gibt Leute, denen man schon zu Lebzeiten die Leiche ansieht“), anstatt sich dagegen zu erheben. Bis auf Kommissar Bellodi, dem Neuen aus dem modernen Norden, der früh erkennt, dass er seine Methoden den lokalen Bedingungen anpassen muss. Wie sein auf dem gegenüberliegenden Balkon residierender Widersacher greift er auf zweifelhafte, den ethischen und justiziell korrekten Rahmen mehr als nur ausdehnende Vorgehensweisen zurück.

Ein menschliches Schachspiel zweier Könige, die sich gegenseitig belauern und ihre Bauern taktisch hin und her schieben, auch bereit sie zu opfern wenn nötig. Don Mariano beherrscht dieses Spiel natürlich wesentlich skrupelloser und besser als sein bisher gesetzestreuer, ehrenhafter Kontrahent, der dafür schnell dazulernt. Fast befremdlich, aber logisch nähren sie sich einander an, denn anders lässt sich hier offensichtlich nichts bewegen. Dass der Film (besonders im Mittelpart) dabei kein Mordstempo vorlegt ist kein Störfaktor, trifft dadurch sogar eher den Nerv einen aufreibenden Belagerungszustandes. Wie bei einem Dünenlauf wird sich angestrengt um jeden Meter nach vorne gekämpft, um bei jedem Schritt wieder einen halben zurückzufallen. Es ist zermürbend, frustrierend, nur Hartnäckig- und Furchtlosigkeit kann zum Erfolg führen. Garantiert ist dabei natürlich nichts und Damiani ist Realist genug, seinen idealistischen Helden Stück für Stück aufzuscheuern; genau das richtige Ende parat zuhalten, um seinen Film nachhaltig und pessimistisch sacken zu lassen. Fast enttäuscht wirkt der siegreiche der beiden Könige, während sein Gefolge um ihn herum den Triumpf feiert.

„…war ein Gegner. Er hier ist nur ein Bla-Bla!“

Fazit

Intelligentes, realistisches und in keiner Weise glorifizierendes Genrekino, das sich offensiv mit Missständen auseinandersetzt, die keinesfalls reine Fiktion darstellen. Damiani steigerte sich später mit seinem brillanten, bitteren „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ noch deutlich, unabhängig davon ist „Der Tag der Eule“ ein mehr als empfehlenswertes Krimidrama, das nichts von seiner Intensität und Relevanz eingebüßt hat.

Autor: Jacko Kunze

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