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Inhalt

In "Der Junge muss an die frische Luft" schildert Hape Kerkeling seine Kindheit; entwaffnend ehrlich, mit großem Humor und Ernsthaftigkeit. Über die frühen Jahre im Ruhrgebiet, Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und den ersten Farbfernseher; das Auf und Ab einer dreißigjährigen, turbulenten Karriere - und darüber, warum es manchmal ein Glück ist, sich hinter Schnauzbart und Herrenhandtasche verstecken zu können. Über berührende Begegnungen und Verluste, Lebensmut und die Energie, immer wieder aufzustehen. Eindringlich erzählt er von den Erfahrungen, die ihn prägen, und warum es in fünfzig Lebensjahren mehr als einmal eine schützende Hand brauchte.

Kritik

Nach seinem Sachbuch Ich bin dann mal weg legte Hape Kerkeling mit seiner Autobiografie Der Junge muss an die frische Luft nach. In dem Buch erzählt er von seiner Kindheit, seinem Verhältnis zu seinen Eltern und Großeltern und wie ihn seine Jugend formte. Genau wie Ich bin dann mal weg bringt Warner jetzt auch sein zweites Buch in die Kinos, diesmal unter der Regie von Oscar-Preisträgerin (Nirgendwo in Afrika), der es scheinbar problemlos gelingt, die damalige Zeit im Ruhrpott aufleben zu lassen, ohne blind und treudoof in die Retro-Falle zu laufen. Ein spielfreudiges Ensembles, darunter (Berlin '36), (Hindenburg), (Bornholmer Strasse), (Antonio, ihm schmeckt's nicht) und (You'll Never Walk Alone - Die Geschichte eines Songs), gibt es dazu auch noch.

Nach dem Ich bin dann mal weg nicht wirklich überzeugen konnte, erweist sich Der Junge muss an die frische Luft als wesentlich gelungenerer Film, weil er seine Weisheiten wesentlich charmanter und naseweise vermittelt, ordentlich Kurzweil bietet und gut die Balance aus Komik und Tragik hält. Es kommt der Verfilmung dabei sehr zu gute, dass das gesamte Geschehen aus der Sicht des jungen Hans-Peter erzählt wird, der äußerst überzeugend verkörpert wird vom Newcomer Julius Weckauf, der Kerkeling nicht nur ähnlich sieht, sondern auch alle Attribute einer charismatischen Rampensau mit sich bringt.

Das wahre Highlight von Der Junge muss an die frische Luft ist aber nicht Julius Weckauf, sondern tatsächlich die Szenen, die offene Wunden zeigen, ohne zu zwanghaft zu versuchen, diese zu psychologisieren. Immer wieder werden fast beiläufig Kriegstraumata behandelt, ohne dem Irrglauben zu erliegen, dass man diese mit guter Laune und einer positiven Einstellung bei Seite legen kann. Gleiches gilt für die psychische Erkrankung von Hans-Peters Mutter (, Dark), die für einige konsequente Momente sorgt. Konsequent deshalb, weil durch die Sicht des jungen Kerkeling die Erkrankung seiner Mutter auch für das Publikum zu einer undefinierbaren, dahinschleichenden Zerstörungskraft wird, die das Recklinghausener Idyll nach und nach bedroht und teilweise auch zerlegt.

Das Ganze hätte gewiss noch mehr Kraft, wenn der Film auf den einen oder anderen esoterischen Off-Kommentar vom echten Hape Kerkeling verzichtet hätte. Diese kleiden einige Szenen in eine Patina aus Glückskeks-Mentalitäten und – Weisheiten, die leider dafür sorgen, dass Der Junge muss an die frische Luft an dramaturgischer Stärke einbüßt und sich das ein oder andere Mal zu oft in Rührseligkeiten ergibt. Ein wenig ausgeglichen wird dies dadurch, dass der Film insgesamt auf kleine Gesten vertraut, die große, unausgesprochene Geschichten und Bedeutungen in ihrem Windschatten mitbringen.

Fazit

Ein kurzweiliger Balanceakt aus Komik und Tragik, der nicht immer den richtigen Ton trifft, insgesamt aber überzeugt, vor allem weil der Film recht konsequent aus der Sicht eines kleinen Jungen erzählt wird. Dass es sich dabei um Hape Kerkeling handelt, ist dabei fast egal und das ist auch gut so.

Autor: Sebastian Groß

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