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Als seine geliebte Tochter durch einen Autounfall völlig entstellt wird, fühlt sich ihr Vater, ein plastischer Chirurg, schuldig. Aus seiner Verzweiflung heraus will er der Tochter helfen und die einstige Schönheit wieder herstellen. So macht er sich auf die Suche nach perfekten Transplantaten. Doch die ausgewählten Opfer müssen natürlich sterben und der Doktor wird zum Serienmörder ...
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Kritik

Ein Auto rast entlang der nächtlichen Seine. Lebendig ist nur eine der beiden Insassinnen. Die Tote auf dem Rücksitz wird von der Fahrerin (Alida Valli) im Fluss versenkt. Ihre Eleganz ist eine Maske, eine von vielen buchstäblichen und bildhaften Masken in dem grausigen Meisterstück Georges Franjus. Der französische Regisseur („Judex“) eröffnet seinen düsteren Maskenball mit gespenstischer Karnevalsmusik. Sadismus und Kurpfuscherei kostümieren sich hier als Güte und Heilkunst. Verkörperung der medizinischen Perversion ist Dr. Genessier (Pierre Brasseur). Nach einem seiner Vorträge erfährt der berühmte Chirurg vom Fund der Leiche aus der Anfangsszene und identifiziert sie als seine Tochter Christine. Sie ist eines von vielen jungen Mädchen, die verschwunden sind. Doch im Gegensatz zu den übrigen Vermissten lebt die brillant von Edith Scob („Holy Motors“) gespielte Christine als Gefangene auf dem Anwesen ihres Vaters.

Er ist besessen davon, ihr nach einem Autounfall entstelltes Gesicht wieder herzustellen. Mit der Hilfe seiner Assistentin Louise entführt er junge Frauen, um Christine deren Gesichter zu transplantieren. Was nach einem grellen Schocker klingt, ist tatsächlich ein psychologischer Schauerfilm mit einer der traurigsten Schreckgestalten der Kinogeschichte. Der Originaltitel „Les yeux sans visage“ verweist auf die durch eine weiße Porzellanmaske schauenden Augen Christines, die wiederum die Anstandsmasken ihrer Mitmenschen durchschaut. Zerbrechlich wie eine Porzellanpuppe wirkend, wandelt Franjus unschuldiges Monster durch das cineastische Grand Guignol. Ihr verbranntes Gesicht bezeichnet für ihren Vater wie ein Schandmal seine Schuld an ihrem Unfall. Zugleich erinnert es ihn an sein medizinisches Versagen und die Grenzen seiner ärztlichen Macht. Er versteckt sie wie ein peinliches missglücktes Experiment und hält sie zugleich als sein Versuchskaninchen gefangen. 

Christine ist sich der Lieblosigkeit und Brutalität ihres Vaters schmerzlich bewusst, doch weder er noch Louise beachten ihre Bitten um Erlösung. Gemeinsam bilden die Drei eine Art pervertierte Kernfamilie. Beide Frauen sind dabei auf unterschiedliche Weise Geschöpfe des Doktors, Louise in größerem Maße. Unter einem Schmuckhalsband verbirgt sie die Operationsnarbe einer erfolgreichen Hauttransplantation. Ihre charakterliche Verworfenheit scheint das unmittelbare Resultat der Behandlung durch Genessier. An seinen Opfern wiederholt er systematisch, was er Christine unabsichtlich angetan hat: er macht sie gesichtslos. Die qualvollen Experimente an Hunden, den jungen Frauen und schließlich Christine sind für ihn zu einem abartigen Genuss geworden. Christines Unheilbarkeit macht sie zum perfekten Versuchsobjekt, an dem zu Operieren ihm mehr Befriedigung schafft, als zu heilen.

Fazit

Wenn Christine schließlich zu Maurice Jarrés traumwandlerischer Musik ihr Gefängniszuhause verlässt, begleiten sie Tauben als Symbol ihrer Reinheit. Wie Frankensteins Kreatur oder die Schöpfungen des Dr. Moreau kehrt sie sich symbolisch von der Menschheit ab, weil sie deren wahres Gesicht gesehen hat, ein Gesicht, dass einen ebenso wenig loslässt wie Franjus poetischer Horrorklassiker.

Autor: Lida Bach

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