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In einem norddeutschen Städtchen gastiert Mitte des 19. Jahrhunderts der reisende Schausteller Dr. Caligari mit seinem weissagenden Medium Cesare. Die Studenten Allan und Francis möchten die Zukunft erfahren, und die Nachricht, daß Allan noch bei Morgengrauen das Zeitliche segnet, dämpft ihre Laune beträchtlich. Als Allan tatsächlich am nächsten Tag ermordet aufgefunden wird, verdächtigt Francis Caligari. Seine Nachforschungen scheinen den Verdacht zunächst zu bestätigen, doch dann macht Francis eine noch weitaus erschreckendere Entdeckung.

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Kritik

Der Moviebreak Horroctober: 21.10.2015 (Klassiker)

Und auch unsere Klassiker-Woche im Zuge des Horroctober findet heute, am 21. Oktober, sein Ende. Natürlich haben wir mal wieder keine Kosten und Mühen gescheucht und fahren zum Abschluss dieser Kategorie noch einmal die ganz großen cineastischen Geschütze auf. 

Der Film steckte noch in den Kinderschuhen als Regisseur Robert Wiene 1920 mit „Das Cabinet des Dr. Caligari“ die bisherigen Regularien des Mediums auf den Kopf stellte. Noch nie zuvor zauberte ein Filmemacher mit dem Werkzeug des Licht, der Schatten und der Formen solch eine abstrakte wie groteske Welt, die aber zeitgleich die real bestehende Welt imitieren sollte. so gesehen entschlüsselte Wiene damals den Genrecode des Horrors, in dem er das scheinbar Normale nahm und es so deformierte, dass es wie ein fiebriger Traum erschien: Eine entrückte, verzerrte Reflexion, eine hemmungslos monströse Abbildung des Alltäglichen, die auch knapp 100 Jahre nach ihrer Premiere nichts von ihrer suggestiven wie erschreckenden Kraft verloren hat.

Dabei wirkt „Das Cabinet des Dr. Caligari“ durch seine narrative Strukturierung und den diversen Verformungen, die auch nicht vor den Texttafeln halt machen, mehr noch als andere Werke der damaligen Zeit wie ein Theaterstück. Vielleicht liegt es gerade daran, warum Wienes Film immer etwas näher wirkt, als andere Filme, weil man als Zuschauer die Nähe der Bühne spürt, die das gezeigte Grauen noch etwas mehr verstärkt – neben all dem dargebotenen Grotesken, die sich in die Normalität der Figuren einschleichen und deren Welt aus den Fugen bringt. So kann sich Dr. Caligari auch in unsere Welt einschleichen – und sei es nur unsere cineastische Wahrnehmung – und sie ordentlich auf den Kopf stellen.

Schon damals, als der Film in die Lichtspielhäuser kam, rüttelte der Film an den Sehgewohnheiten und –Nerven des Publikums. Robert Wiene entwarf mit „Das Cabinet des Dr. Caligari“ nicht bloß eine Schreckensgeschichte, sondern transportierte gleichzeitig auch damalige (teils heute immer noch aktuelle) Gesellschafts- und Sozialstrukturen und obduzierte sie regelrecht. Im Grunde kümmert sich Wiene hier um die essentielle Frage wie die Gesellschaft funktioniert und was sie aus der Bahn wirft. Damals, 1920, war es noch ein Somnambuler, ein Schlafwandler, heutzutage, so könnte man anmerken, sind es Flüchtlinge. „Das Cabinet des Dr. Caligari“ besitzt also immer noch Aktualität und Brisanz.

Vielleicht ist der wahre Horror, der echte Grusel bei „Das Cabinet des Dr. Caligari“ nicht so sehr die dämonisch wirkende Titelfigur, sondern die Prämisse des Films, die mit expressionistischen Eifer und einem scharfen Blick die menschlichen Makel und Verfehlungen offen legt. Ähnlich wie etwa bei einigen Filmen von Tim Burton oder Guillermo Del Toro ist es die Normalität, das Spießbürgertum, die die eigentlichen Freaks und Monster sind. Robert Wiene hatte dies bereits 1920 erkannt und es mit „Das Cabinet des Dr. Caligari“ kinematographisch festgehalten, inklusive der schaurigen Gewissheit, dass vieles in dem Werk grotesk verzerrt ist, außer die Gesellschaft, die so scharfzüngig wie authentisch präsentiert wird. Ja, dieser Film ist ein Meisterwerk.

Fazit

Ein stilbildener Klassiker und zeitgleich auch ein grandioser Meilenstein, nicht nur des Genres, sondern der Filmhistorie. Robert Wienes "Das Cabinet des Dr. Caligari" gehört zum größten, influssreichsten und besten, was das deutsche Kino je hervorbrachte. Ein Schauerstück mit Aussage und enormer Kunstfertigkeit. Einer der Geburtshelfer des modernen Horrorfilms.

Autor: Sebastian Groß

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