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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Bauer Allgeier greift zur Mistgabel. Er wehrt sich gegen den Zwangsanschluss an das neue Wassernetz. Landrat Dr. Strobel lässt ihm einfach seine Quelle zuschütten. Der widerspenstige Landwirt wendet sich daraufhin an Gesundbeter Guggemoos, der dank weißer Magieüber besondere Kräfte verfügt. Der Auftakt einer Ereigniskette, die das kleine Dorf im Allgäu in Aufruhr versetzt…

Kritik

Mit „Daheim sterben die Leut‘“ – die Spielfilmadaption ihres gleichnamigen Kurzfilms – gelang den Allgäuer Regieduo Klaus Gietinger und Leo Hiemer („Schön war die Zeit“) ein ungeahnter Achtungserfolg. Das Publikum bei seiner Uraufführung auf der Berlinale zeigte sich begeistert, auch das Urteil der nationalen Presse war überwiegend sehr positiv. Besonders in seiner bayrischen Heimat avancierte der Film schnell zum Kultstreifen, sogar eine Nominierung beim Deutschen Filmpreis sprang heraus. Nun, 30 Jahre später, die Neuveröffentlichung auf Blu-ray und somit Gelegenheit, sich diesem schon damals und heute ganz besonders ungewöhnlichem Film zu widmen.

Filme aus dem Freistaat, die sich speziell mit den ganz eigenen Gegebenheiten und Lokalkolorit auseinandersetzen haben für den Rest der Republik oft einen leicht exotischen Beigeschmack, was einem bundesweiten Erfolg nicht zwingend im Weg stehen muss. Marcus H. Rosemüller lieferte dafür mit seinem „Wer früher stirbt ist länger tot“ vor einigen Jahren das beste Beispiel ab. „Daheim sterben die Leut‘“ ist allerdings nochmal eine ganz eigene Nummer, die es in der Form selten ins Kino schafft(e). Eine kauzige Provinz-Posse mitten im tiefsten Allgäu, zwischen Heimatfilm, Politsatire, religiöser Groteske, Bauerntheater und mystisch angehauchtem Mini-Krimi. Mit wenigen Mitteln und einem Film-unerfahrenen Cast aus einigen Theaterakteuren und Amateuren inszeniert, entsteht ein oft merkwürdiger, manchmal sehr bissiger und für etablierte Sehgewohnheiten eher gewöhnungsbedürftiger Schwank, der genau dadurch seinen Charme und unbestreitbaren Reiz bezieht. Nicht so Dialekt-erfahrenen Zuschauern werden dankenswerterweise Hochdeutsche Untertitel zur Verfügung gestellt, besonders beim schrulligen Opa Martin sind die zwingend notwendig. Hat man sich jedoch etwas reingefuchst, werden die nach einiger Zeit jedoch erstaunlich schnell überflüssig, nur gelegentlich fällt der Blick kurz auf den eingeblendeten Text.

Im Allgäu, so wollen es uns die Regisseure verkaufen, ticken die Uhren noch etwas anders, traditionsbewusster, für Neuerungen ist da wenig Platz. Sei es der junge Dorfpfarrer, der so neumodisches Zeug predigt, und erst recht nicht die hochmoderne Wasserleitung, die der Landrat mit Blick auf die kommerzielle Zukunft der Gemeinde als Feriendomizil den Einwohnern zwangsverordnet. Dagegen wehrt sich der alteingesessene Landwirt Allgeier, schließlich spendet die eigene Quelle seit Generationen klares Wasser und tausend Mark als unfreiwillige Anschlussgebühr, das kommt gar nicht in die Tüte. Sein Aufbegehren gegen die Anordnung von „denen da oben“ setzt eine skurrile Kettenreaktion in Gang. Der „weiße Magier“ des Ortes mit einem heißen Draht zur Jungfrau Maria ist gegen eine kleine Gebühr gerne bereit, seine Fähigkeiten gegen die Prostata des verhassten Landrats einzusetzen, scheint jedoch machtlos gegen das mysteriöse Kälbersterben zu sein, das den Hof vom Allgäuer pünktlich zur Geisterstunde jede Nacht heimsucht. Eine angebliche Wunderquelle sprudelt bald im Dorf, was eine Pilgerbewegung zahlungswilliger Gläubiger wie nach Lourdes auslöst, die Explosion eines Bauwagens sorgt für einen Polizeieinsatz und schließlich erscheint dem des Treiben der Alten oft kopfschüttelnd gegenüberstehenden Allgeier-Sohn Werner sogar der Leibhaftige persönlich, nachdem er endlich seine Unschuld an die schöne Silke aus Göttingen verloren hat. Aber keine Sorge, der neue Pfarrer sieht das mit dem vorehelichen Beischlaf nicht so eng, was selbst den Teufel leicht verwundert.

Ein kurioser Film, der zwischen Laien-Schauspiel und Satire einen liebevollen, aber durchaus schelmischen Blick auf die eigene Heimat und deren Einwohner wirft. Traditionen im Kampf gegen den Fortschritt; Glaube und Aberglaube die gerne genutzt werden um sich die Taschen vollzustecken;  eine aufgeschlossene, moderne Dorfjugend und die alteingesessenen Konservativen; Politiker als geldgeile, machthungrige Schmierlappen; der Beelzebub, der die Welt nicht mehr versteht. Das „Daheim sterben die Leut‘“ im Allgäu und drumherum einen ganz besonderen Kultstatus besitzt, lässt sich problemlos nachvollziehen, wirkt er doch einerseits heimatverbunden und fast traditionell, gleichzeitig aber auch sehr verrückt und sogar leicht provokant gegenüber dem eigenen Sitten- und Weltbild. Für nicht dort beheimatete Zuschauer wird es mitunter schwierig, sich da richtig reinzufuchsen, was auch an dem nicht immer zündenden Humorverständnis und den teils arg dilettantischen Darstellern liegt, denen man ihre geringe bis gar nicht vorhandene Erfahrung deutlich anmerkt. Interessant ist der schrullige Film auf seine individuelle Art und Weise ohne Frage, genauso wie er nicht jedermanns Sache sein und wohl nicht mal den Abspann erleben wird. 

Fazit

Mal absurd, mal griffig, immer einzigartig, im positiven wie negativen Sinne. „Daheim sterben die Leut‘“ zeigt interessante Ideen und viel Liebe zum Projekt, ist aber nicht wirklich leicht konsumierbar und eher etwas für Fans…von was auch immer. Wer mutig ist, probiert sich aus und findet vielleicht einen Kultfilm, erweitert aber definitiv seinen filmischen Horizont. Das muss ja hin und wieder auch sein.

Kritik: Jacko Kunze

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