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Quelle: themoviedb.org

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Netflix

Inhalt

Der ungeklärte Tod der sechsjährigen Schönheitskönigin JonBenet Ramsey bewegt seit 20 Jahren die amerikanische Öffentlichkeit. Unter dem Vorwand, geeignete Darsteller für einen geplanten Spielfilm über den rätselhaften Fall finden zu wollen, lädt die Regisseurin der Dokumentation alle ein, die in deren Heimatort in Colorado Kontakt zur Familie Ramsey hatten. In den Probeaufnahmen offenbaren die unterschiedlichen Beteiligten ihre Version der Wahrheit, die im Verlauf des Films zunehmend komplexer wird.

Kritik

Der Mord an JonBenét Ramsey ist ein Verbrechen, das die USA bis heute nicht mehr loszulassen scheint. Im Jahr 1996 wurde das sechsjährige Mädchen aus Colorado, das in ihrem Leben bereits einige Titel als Schönheitskönigin gewonnen hatte, im Keller ihres Elternhauses vom eigenen Vater in einer Decke eingewickelt aufgefunden. Zuvor fand die Mutter einen Erpresserbrief, in dem 118.000 Dollar gegen die Freilassung ihrer Tochter gefordert wurden. Für JonBenét kam jede Hilfe zu spät, denn das Mädchen war bereits seit Stunden tot. Über die genauen Umstände des Todes existieren auch gut 20 Jahre nach dem Mord noch verschiedenste Theorien, denn ein endgültiger Täter konnte nie gefasst werden und es ist unwahrscheinlich, dass der Fall jemals aufgeklärt wird. 

In ihrer Dokumentation Casting JonBenet verschafft sich Kitty Green erneut einen Zugang zu dem rätselhaften Verbrechen und nähert sich dem Mordfall auf eher unkonventionelle Weise an. Mithilfe von lokalen Einwohnern der Stadt Boulder, in der sich die Tat ereignete, flüchtigen Bekannten der Ramsey-Familie sowie Theaterschauspielern, die in einer Art Casting-Prozess für die Rollen von Familienmitgliedern oder Zeugen vorsprechen sollen, entwickelt die Regisseurin ihr Werk aus einem experimentellen Entwurf heraus. Erinnerungen, Spekulationen, Schauspiel und Rekonstruktion dienen dazu, den Vorfall aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, um vorhandene Fakten durch subjektive Blickwinkel zu filtern und zu einem Netz aus wilden Theorien weiterzuspinnen. 

Die unangenehmsten Aspekte des Verbrechens betreffen dabei explizit die Familie Ramsey selbst. Aufgrund von widersprüchlichen Details kamen Vater John Bennett, Mutter Patsy und Bruder Burke zeitweise selbst als Täter in Frage, wobei Ungereimtheiten über ein gewaltsames Eindringen von außerhalb sowie unterschiedliche Motive der Familienmitglieder eine Rolle spielten. Mit überwiegend statischen Einstellungen inszeniert gestaltet sich Casting JonBenet daher in erster Linie als munteres Rätselraten, bei dem von Anfang an feststeht, dass eine konkrete Auflösung weiterhin unmöglich bleiben wird. 

Dabei ist es durchaus von Relevanz, dass dieser berüchtigte Mordfall vor allem ein amerikanisches Phänomen ist, das sich als ungemütliches Mysterium über die Jahre hinweg einen festen Platz in der Popkultur der USA gesichert hat und dort immer wieder aufs Neue für faszinierten, hitzigen Gesprächsstoff sorgt. Für Zuschauer, die zu dem Mord an JonBenét bislang keinen persönlichen Bezug hatten oder durch Greens Dokumentation womöglich erstmals mit den Hintergründen in Kontakt kommen, bietet dieser Film kaum mehr als aufgewärmte Fakten, wilde Spekulationen, die mitunter an fantasievolle Verschwörungstheorien erinnern und Ansätze einer performativen Herangehensweise, die zu oft in flüchtigen Skizzen verweilt. 

Wenn Green neben ihrem grundsätzlich interessanten Konzept etwas gelingt, dann ist es vor allem die Wiederbeschwörung eines dunklen Schattens, der sich unentwegt auf das Bewusstsein einer ganzen Nation zu legen scheint und so lange dort verweilt, bis er nach einem sachten Entschwinden erneut auftaucht. In kurzen Momenten gelingt es der Regisseurin, diesen Schatten in den Gesichtern der Beteiligten sichtbar zu machen und zumindest für die Dauer weniger Sekunden durchblitzen zu lassen, wie die durchschlagenden Konsequenzen eines einzelnen Ereignisses auf vielfältige Weise aus dem Innersten der Menschen hervorbrechen.

Fazit

„Casting JonBenet“ folgt einem interessanten, experimentellen Konzept, das sich im fertigen Film vor allem für deutsche Zuschauer, die mit dem vorliegenden Fall kaum vertraut sein dürften, eher unbefriedigend gestaltet. Regisseurin Kitty Green widmet sich einem der rätselhaftesten Mordfälle der jüngeren Geschichte Amerikas auf eine Weise, die zwischen interessanten Denkanstößen, intensiven Momentaufnahmen, ungenügend ausgearbeiteten Annäherungsversuchen und amüsanten Verschwörungstheorien eher ratlos als begeistert zurücklässt.

Kritik: Patrick Reinbott

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