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Alle Schülerinnen wissen, dass die Periode ein natürlicher Vorgang ist, über den sie sich keine Sorgen machen müssen. Nur die Außenseiterin Carrie (Sissy Spacek) hat keine Ahnung, weil ihre religiös-fanatische Mutter Margaret (Piper Laurie) über solche Fragen nicht spricht. Entsprechend panisch reagiert Carrie, als sie ausgerechnet in der Dusche nach dem Sportunterricht die erste Regel bekommt. Ihre Mitschülerinnen, die ohnehin keinen Respekt vor ihr haben, quittieren das mit Hohn und Spott, während Carries Lehrerin Miss Collins (Betty Buckley) das Mädchen beruhigt. Für die Rädelsführerinnen, zu denen vor allem die angesagte Chris (Nancy Allen) gehört, hat die Demütigung der Mitschülerin ein Nachspiel. Sie müssen zur Strafe Sonderschichten schieben. Wer nicht mitmacht, wird vom Abschlussball ausgeschlossen. Das ist für Chris zu viel. Statt ihr eigenes Verhalten zu überdenken, betrachtet sie Carrie als Übeltäterin, an der ein Exempel statuiert werden muss. Während Carrie überraschend mit Tommy (William Katt), dem Freund von Sue (Amy Irving), auf den Ball geht, schmiedet Chris einen Komplott.

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Kritik

1974 wurde der Roman „Carrie“ herausgegeben. Das erste veröffentlichte Werk vom späteren Bestsellerautor Stephen King stand nur zwei Jahre in den Bücherregalen, als man auf die Idee kam, den Stoff für die Leinwand zu adaptieren. Angesichts des Ergebnisses eine wertvolle Entscheidung. Wobei man sagen muss, und das bewusst früh in der Rezension, dass der Film in erster Linie von der Leistung der Hauptdarstellerin Sissy Spacek lebt. Ihr Spiel zieht einen so effektiv ins Geschehen, dass ihre Gefühle unheimlich nah erscheinen. Im Grunde spürbar. Was für ein Plus für einen Film, welch ein Mehrwert! Selten hat man als Zuschauer so viel Mitgefühl für eine fiktive Figur aufgebracht. Allein die Szene kurz vorm Showdown, dieser in die Länge gezogene Moment, bevor der Eimer fällt. Das sind quälende Minuten, die ausblenden, dass es sich hier um einen Spielfilm handelt.

Als würde man durch ein magisches Fenster unmittelbar in das Leben einer jungen Frau blicken, die sich nur einen geringen Augenblick vor einem emotionalen Zusammenbruch befindet. Und man weiß es, fühlt es, möchte regelrecht eingreifen, um der armen Seele beizustehen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.Hier greift natürlich auch die ideale Inszenierung, der Perspektivwechsel zwischen Carrie und den drei Frauen, die primär involviert sind. In vielerlei Hinsicht eine perfekte Szene, auf die man sich freuen kann, wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Nach diesem Exkurs liegen die Stärken des Films bereits brach: die Darstellung einzelner Personen und die Inzenierung von Brian De Palma. Spacek zeigt sich als Carrie zurückgezogen, wenn es darauf ankommt, und prischt schauspielerisch beeindruckend nach vorne, wenn es der Moment verlangt – wie in der Duschszene zu Beginn.

Sagenhaft sind ihre Blicke beim Finale, wenn sie blutüberströmt und kerzengerade vor der Menge steht. Mit diesen Blicken verleiht sie dem Film auch eine Horrornote, denn ansonsten kann „Carrie“ getrost als Drama bezeichnet werden. Neben Spacek fällt Piper Laurie äußerst positiv auf. Sie spielt die Mutter der Protagonistin – eine fanatische Religiöse, die kaum noch wahrnimmt, dass sie das Leben ihrer Tochter zerstört und nicht bereichert. Ihr Wahn wurde von Piper gekonnt durch dezentes Overacting dargestellt. Das erreicht kein unpassendes Theaterniveau, geht aber leicht über das hinaus, was man gemeinhin als normales Spiel bezeichnen würde. Passt aber alles wunderbar zur Rolle und hat ihr somit nicht umsonst eine Oscar- und Golden-Globe-Nominierung beschert (auch Spacek wurde für den Academy Award nominiert – im Jahr 1977).

Brian De Palma verweist – nicht nur in „Carrie“ – immer wieder auf Alfred Hitchcock. Mal davon abgesehen, dass die Schule Bates High School heißt, honoriert er die Leistung von Hitchcock deutlich plakativ mit dem berühmten Geigensound aus „Psycho“, den er im Zusammenhang mit Carries Telepathie einbaut. Die Grundinszenierung von „Carrie“ ist absolut passgenau und durchbricht in den richtigen Momenten die Mauer der Bodenständigkeit, die eine gelungene Charakterzeichnung erfordert.  Genau dieser Bodenständigkeit ist es zu verdanken, dass sich das von Mobbing geplagte Opfer, wie man es in zig anderen Filmen auch hat, über jenen anderen erhebt und vom sozial ausgesonderten Film-Außenseiter zum emotionalen Mittelpunkt im Film und im Kopf des Rezipienten wird. Carries Schicksal wirkt auch nach der offiziellen Spieldauer nach und dieser Effekt ist immer ein Pluspunkt für einen Film.

Fazit

Nicht umsonst wird „Carrie“ zuweilen als ein Klassiker der Horrorfilmgeschichte erhoben, wobei dem Genre ein mindestens gleichwertiges Zweitgenre hinzugefügt werden muss. Im Grunde genommen hat der Film einen ausgewachsenen dramatischen Kern, um den sich horribel anmutende Elemente drehen. Wenn Carrie Dinge bewegt, ist das zwar ein surrealer Akt, doch der Zweck ist nicht im simplen Grusel zu finden. Vielmehr symbolisiert ihre Telepathie die in ihr reifende Psychose, die sich von der fehlenden Zuneigung mütterlicherseits und der heftigen Ablehnung seitens ihrer Mitschülerinnen nährt. Das ist kein Horror im genrespezifischen Sinne, sondern ganz lebensnaher Horror, ausgehend von der Gesellschaft im engeren und vom fanatischen Glauben im weiteren Sinne.

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