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Inhalt

Für die 15jährige Mia krempelt sich das Leben gerade radikal um: Umzug in eine andere Stadt, eine neue Schule, dazu kommt die Pubertät und die damit einhergehenden Veränderungen. Doch bei ihr scheinen die sehr speziell auszufallen, was die ohnehin schwierige Situation nur noch mehr verkompliziert…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wer hat’s erfunden…

…also den international konkurrenzfähigen Kino- eventuell sogar Genrefilm sicher nicht, unser wohlsituiertes Nachbarland, die Schweiz. Berühmt, beliebt, beneidet und manchmal auch belächelt für so viele Dinge, aber im Filmgeschäft bis heute eine eher klitzekleine Nummer. Daran wird auch Blue my Mind, das Langfilmregiedebüt der sonst als Darstellerin tätigen Lisa Ivana Brühlmann (Der Mann mit dem Fagott) langfristig wohl kaum etwas verändern, aber der Gewinner des Schweizer Filmpreises 2018 in den Kategorien Bester Spielfilm, Bestes Drehbuch und Beste Hauptdarstellerin hinterlässt definitiv für den Moment einen bleibenden, sehr positiven Eindruck und zeigt mindestens auf, wieviel Potential im europäischen Independent-Autoren-Film steckt, was das böse Unwort „Genre“ nicht zwangsläufig ausschließen muss, sondern im Gegenteil sogar herzlich dazu einlädt, beides in liebevoller Umarmung zu verknüpfen.

Alles neu für die fast 16jährige Mia (ganz hervorragend, hoch talentiert: Luna Wedler, Das schönste Mädchen der Welt). Frisch umgezogen, die Neue an der Schule und gerade mittendrin im pubertär-bedingten Abnabelungs- und Entwicklungsprozess. Abweisend gegen das eigentlich behütende, aber nun als unangenehm wahrgenommene Elternhaus, aber da ist noch mehr. Irgendwas stimmt nicht. Stimmte noch nie. Nun bemerkt Mia, dass sie anders ist. Kann es nur nicht genau definieren. Bis dahin sucht sie ihren Platz in der coolen Clique vom Schulhof. Einem Haufen selbstgerechter, aus dem Ruder gelaufener Snapchat-YOLO-Kiddies, dem Produkt von gleichgültiger Anti-Autorität, was ja inzwischen längst keiner Karikatur mehr gleichkommt; einen erschreckenden Alltag selbstverständlich nachstellt. Jede Generation rebelliert auf ihre Weise gegen die vorangegangene, kein Thema, nur dieses Gehabe hat immer noch etwas sehr Befremdliches. Über-frühreife Teenies laufen rum und wollen sein wie 25jährige ohne Verantwortung und echtem Plan vom Leben. Mit allen Möglichkeiten ausgestattet, aber dadurch auch fatal verzogen. Ohne ein realistisches Problem- und Sorgenbewusstsein unkontrollierte Social-Media-Zombies, von ihren Erziehungsberechtigten ignoriert und völlig sich selbst überlassen. Das Resultat ist ein kläglicher Versuch der eigenen, autarken  Erziehung durch die angebliche Aufgeklärtheit aus dem Netz, zum Scheitern verurteilt. Mitten drin Mia, die neben diesen ganz natürlichen Problemen noch mit etwas zu kämpfen hat, das viel höhere Wellen schlägt…

An natürlichen und klaren Fixpunkten der Adoleszenz – Rebellion gegen das Elternhaus; das Betteln nach sozialer Anerkennung wider besserer Erziehung; der ersten Periode gefolgt von den ersten, nun rasant voranschreitenden, sexuellen Schritten – orientiert sich der Film, während sich im Subtext bereits früh eine sonderbare Metamorphose andeutet. Kein normaler Prozess vom Mädchen zur Frau findet hier statt, obwohl Blue my Mind sehr gut daran tut, das nicht als reines Genre-Futter an die große, attefktierte Glocke zu hängen. Wer mehr erwartet als einen subversiven Coming-of-Age-Hybrid, der kann und sollte sich womöglich lieber anderweitig umsehen. Fast zaghaft, aber dennoch konstant schlüpft ein sanftes Cronenberg-Body-Horror-Baby aus dem Ei, das sich lange als reine Metapher und am Ende immer noch als ein erschütternder Kommentar über eine führungslose Generation deuten lässt, für die der Sprung ins kalte, trübe Wasser mehr Erlösung denn Strafe ist. In dem Vergnügen am Gleichnis und der Abstrafung eines verlotterten Zustandes – aber Gott sei Dank mit einem ehrlichen Gefühl und Sympathie für seine Figuren und deren Prozesse – erzählt Lisa Ivana Brühlmann eigentlich ein „klassisches“ Märchen, angepasst an die moderne Zeit und arrangiert mit ihrem (narrativen) Vokabular. Einzig echter Kritikpunkt: Das insgesamt gekonnte Spiel von Realismus und phantastischem Element bedient (vergleichbare) Klischees irgendwann mehr, als das es sie dekonstruiert. Versehentlich, aber kaum abzustreiten. Es sei im Gesamtkontext aber gerne verziehen.

Fazit

Mit enormen Engagement und viel Talent vorgetragenes, höchst interessantes und sensibles Arthouse-Genre-Kino aus der europäischen Nachbarschaft. Ästhetisch beeindruckend, aber besonders inhaltlich mit wahnsinnig viel Potential ausgestattet, bedient „Blue my Mind“ sicher ein paar gängige Gepflogenheiten zu viel, aber das ist „Jammern“ auf dem höchsten Niveau. Genau genommen ist das diese Art von Film, für die wir alle hausieren gehen würden. Kreativ, experimentell, technisch hochwertig und empathisch. Toll, auch wenn er ein wenig recycelt wirkt, betrachtet man den internationalen Geheimtippmarkt der letzten Jahre.

Autor: Jacko Kunze

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