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Inhalt

Im Jahre 1950 findet der Unteroffizier Süleyman inmitten eines Kriegsfeldes ein kleines Mädchen. Das 5-jährige koreanische Mädchen ist Waise und weiß nicht wohin es gehen soll. Der Unteroffizier Süleyman nimmt das Mädchen zu sich und nennt es Ayla. Sie wird zum Sonnenschein der ganzen Einheit. Innerhalb kürzester Zeit entwickeln Ayla und Süleyman eine Vater-Tochter-Beziehung. Doch nach 15 Monaten kommt der Befehl für den Rückzug der Einheit in die Türkei. Der Unteroffizier Süleyman möchte Ayla aber auf keinen Fall zurücklassen. Er versucht sämtliche Wege, kann sich den koreanischen Gesetzen aber nicht widersetzen. Der Unteroffizier Süleyman ist gezwungen das Mädchen zurückzulassen und wie es das System verlangt, muss er Ayla in ein Waisenhaus geben. Bei ihrem Abschied versprechen sie sich, eines Tages wieder zusammenzukommen. Werden die beiden sich jemals wiedersehen?

Kritik

Kriegsfilme sind gerade in unserer heutigen Zeit ein ziemlich umstrittenes Genre, welches gerne der Einfachheit halber als Antikriegsfilm deklariert wird, um einem moralischen Diskurs aus dem Weg zu gehen. Und tatsächlich scheint diese Strategie zu glücken, wenn man sich mal die verschiedenen Kritiken aus dem deutschsprachigen Raum ansieht. Da wird immer wieder davon gesprochen, dass das Leid authentisch dargestellt werde, dass die Härte einem höheren Zweck dient. Eine kriegfreundliche Ideologie wird zumeist nur Regisseuren wie Michael Bay (13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi), Uwe Boll  (1968 Tunnel Rats) und Mel Gibson (Hacksaw Ridge- Die Entscheidung) unterstellt, einfach weil es der Ruf hergibt. Richtig wäre es jedoch, sich bei jedem Film dieses Genres erneut die Frage zu stellen, ob es sich hier um einen Antikriegsfilm handelt und auch, ob wir diesem Begriff überhaupt Glauben schenken sollten, ob es überhaupt etwas wie einen Antikriegsfilm gibt. Schließlich ist eine akkurate Darstellung kaum möglich, man kann diese Grausamkeiten nicht in voller Gänze transferieren.

Ein guter Antikriegsfilm fragt nach dem Warum. Und nicht nur das, er hinterfragt nicht nur gesellschaftlich und politische Prozesse, sondern er hinterfragt ebenso die Gewalt, was nur durch eine gewisse Ästhetisierung dieser möglich gemacht werden kann. Ayla: The Daughter of War von Can Ulkay stellt sich nun der Herausforderung, eine Geschichte zu erzählen, die den Krieg eher als Schauplatz wählt und weniger als zentrales Element. Genau dadurch gelingt es ihm jedoch, auf subtile Art und Weise die verschiedenen Auswirkungen eines Krieges zu erläutern. Im Zentrum stehen dabei interessanterweise nicht mal zwingend die unzähligen Toten, sondern eher Einzelschicksale: Hier geht es um Fürsorge, hier geht es um Liebe, um Zusammengehörigkeit und wie diese durch den aufbrausenden Sturm des Krieges in Bedrohung geraten kann. Das kleine koreanische Mädchen Ayla, wunderbar facettenreich dargestellt von Kim Seol, steht hier für die Unschuld, die auf die brachiale Schuld des Krieges trifft.

Ayla: The Daughter of War lässt sich ziemlich gut in drei zentrale Plot- Elemente unterteilen. Als erstes wäre dort die „Heimat“ zu benennen, die der Rekrut Süyleman, der hier nicht weniger gut von Ismail Hacioglu (Kafes) dargestellt wird,  zurücklassen muss, die er schweren Herzens verlassen muss. Der Film zeigt hier eindrucksvoll, was Krieg mit dem Umfeld eines Rekruten anstellen kann, wie er ins Chaos stürzen kann. Sigmund Freud schrieb in seiner Schrift „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“ dazu Folgendes: „Unter den Momenten, welche das seelische Elend der Daheimgebliebenen verschuldet haben, auf deren Bewältigung ihnen so schwere Aufgaben stellt, möchte ich zwei hervorheben (…): Die Enttäuschung, dieser Krieg hervorgerufen hat, und die veränderte Einstellung zum Tode, zu der er uns- wie alle Kriege- nötigt“. Es werden hier also zwei Paradigma aufgegriffen, zum Einen die Enttäuschung, die jeder Krieg aufgrund der durch Politik zuvor geschaffenen Hoffnung mit sich bringt, und das Bild vom Tod, mit dem man früher oder später auch als Außenstehender konfrontiert wird. Ayla verarbeitet das hervorragend in rührseligen Bildern.

Als zweites wäre die Beziehung zwischen Ayla und Süyleman zu betrachten. Wir sehen hier auf der einen Seite Süyleman, der väterliche Gefühle für die verwaiste Ayla entwickelt. Und auf der anderen Seite Ayla, die als Sinnbild der Unschuld gefangen in einem Meer der Schuld zu sein scheint. Der Krieg wird hier in dem Sinne thematisiert, dass er dieses scheinbar perfekte Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten, die in einer gegenseitigen Abhängigkeit zueinander stehen,  zerstören will. Wir sehen hier immer wieder Bilder, wie Süyleman Ayla ganz fest an sich drückt, während ihr gemeinsames Umfeld im Chaos zu versinken scheint. Hier wird klar, dass beide heimatlosen Protagonisten einen Ersatz für eben diese heimatliche Sicherheit suchen und ineinander finden. Die Beziehung zwischen Ayla und Süyleman wird teils ein wenig zu kitschig inszeniert, wodurch sie ein wenig an ihrem melancholischen Ton verliert, der die Handlung eben trägt, aber dennoch lässt sich auch das zweite zentrale Plot- Element des Filmes als gelungen bezeichnen.

Das dritte zentrale Element stellt der Krieg mit seiner Grausamkeit dar. Und hier kommen wir wieder zur anfänglichen moralischen Bedrängnis der Gewaltdarstellung in Antikriegsfilmen. Ayla kann sich in dieser Hinsicht nicht so recht entscheiden, ob er die Gewalt derartig ästhetisieren soll, dass er sie im Anschluss hinterfragen kann, oder ob er versucht sie möglichst realistisch darzustellen. Ersteres funktioniert mal mehr und mal weniger, bringt aber einige nachdenkliche und kritische Momente hervor, während die realistische Darstellung zumeist scheitert. Während wir hier sehr symbolische Szenen haben, in denen wir sehen wie ein Kinder- Fahrrad von einem Panzer überfahren wird oder Blut auf ein Foto von Marilyn Monroe spritzt, nach dem sich der Erschossene all die Jahre gesehnt hat, haben wir eben leider auch sehr viele Szenen, die einfach nur darstellen wie Menschen leiden und sterben. Dies funktioniert jedoch nicht als Abschreckung, sondern macht sich die Gewalt selbst zweckhaft zu Nutze, um den Zuschauer emotional zu fordern. Die Darstellung des Krieges lässt sich also als durchwachsen bezeichnen.

Diese drei, in ihrer Qualität recht gemischt ausfallenden, Ebenen des Filmes sind verpackt in einem manchmal etwas wirren, aber im Schnitt doch recht gelungenen Drehbuch, das in der Konzeption dieser wahren Begebenheit gerecht wird. Manche Zeitsprünge wirken ein wenig abstrakt und hin und wieder wirkt eine Szene unpassend gesetzt, doch darüber kann man hinweg sehen, wenn man die saubere konzeptionelle Differenzierung der drei Ebenen des Filmes hervorhebt. Hier ist ein hochwertig aussehender und sehr weitreichender Antikriegsfilm gelungen, dessen größte Stärke es eigentlich ist, dass der Krieg nicht Thema, sondern Schauplatz ist und dadurch subtiler aufgearbeitet werden kann. Hinzu kommt das teils großartige Schauspiel, ein paar ästhetisch sehr nachdenklich stimmende Momente und eine gewisse technische Wertigkeit, die man dem Film an jeder einzelnen Szene ansieht.

Fazit

Sieht man von ein paar kitschigen Momenten, manchen Ungereimtheiten in der Erzählung und einigen emotional selbst zweckhaften Szenen ab, so kann man in "Ayla: The Daughter of War" einen durchaus zufriedenstellenden Antikriegsfilm entdecken, der ästhetisch teils sehr schön anzusehen ist und dem es glückt, die emotionalen wie physischen Grausamkeiten eines Krieges ansprechend herauszuarbeiten.

Autor: Maximilian K

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