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Inhalt

Philip, ein in den USA gescheiterter junger deutscher Journalist, beschließt mit seinem letzten Geld zurück nach Deutschland zu fliegen. Am Flughafenschalter in New York trifft er Lisa und ihre neunjährige Tochter Alice, die ebenfalls zurück nach Deutschland wollen. Felix verbringt die Nacht mit der Mutter. Am nächsten Morgen ist diese verschwunden. Auf einem Zettel bittet sie Philip, das Mädchen mit nach Deutschland zu nehmen, sie würde einen Tag später nachkommen. Dort warten Philip und Alice jedoch vergeblich auf sie. So machen sich beide auf die Suche nach Alices Großmutter, von der es nichts gibt als das Bild eines Wohnhauses. Eine traurig-komische Odyssee durch das Ruhrgebiet beginnt.

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Kritik

Innerhalb dieser Collection, die sich mit Wim Wenders’ Frühwerk beschäftigt, ist auch dessen Roadmovie-Trilogie zu finden, die er in den Jahren 1974 bis 1976 realisierte. Die Trilogie zeichnet sich vor allem durch seine puristische Machart aus und hat mit Rüdiger Vogler eine Konstante, die diesen Begriff auch wahrlich verdient; sein Spiel variiert nur in Bezug auf die Aktivität seiner Figur. Alice in den Städten ist dabei ein überaus menschlicher Vertreter der Trilogie, ein Film, der sich wahrlich für seine Charaktere interessiert, der zudem etwas gesellschaftlich Relevantes zu erzählen hat und in Momenten eine nahezu prophetische Genialität erreicht. Auch deshalb entwickelt Alice in den Städten sich zu einem Werk, das eine besänftigende Ruhe versprüht und niemals an Aktualität verlieren wird.

Mit der Reise fängt es an. Ein Flugzeug fliegt lange Zeit ins Nichts. Der Himmel ist konturlos grau und obwohl die Kamera auf dem Boden steht, kommt lange Zeit kein Gegenstand, keine Vegetation ins Bild, die dem Zuschauer einen Anhaltspunkt geben würde. Keine direkte Information wird dem Publikum gegeben, sehr wenig direkte Information über den Ort der Szenerie. Ein verlassener Strand, das kalte Meer, die Schwelle zur Welt. Das Meer, das stets einladend aussieht, obwohl die Wellen in Richtung des Betrachters donnern. Hier ist der erfolglose und desillusionierte da inspirationslose Reporter Philip (Rüdiger Vogler, Im Lauf der Zeit), der immer gleiche Fotos macht. Es scheint ganz so, als würde er nachsehen wollen, ob die Realität und die Wahrheit seiner Bilder sich irgendwann ändern würden. Die kleine Alice beschreibt seine Fotos später als „leer“.

Und tatsächlich sind sie das. Auf den von ihm geschossenen Fotos fehlen manchmal plötzlich Teile, Menschen, Ob- und Subjekte. Wenders spielt hier natürlich mit der Realität und der vertrauensvollen Wahrnehmung des Zuschauers, indem er vorhin Gesehenes als Täuschung anreißt - und die Entscheidung, was nun wahr ist, dem Zuschauer überlässt. Philip ist in einer Schaffenskrise, er hält wenig von der Aufgabe seines Jobs, führt ihn nicht aus und verliert schließlich die Perspektive und Orientierung in seinem Leben. Schließlich gelangt Philip nach New York. Eigentlich die Stadt der Freiheit, für ihn die Stadt des Zwangs und der unangenehmen Verantwortung. Eine letzte Station vor der Freiheit. Er will fliehen und begibt sich noch einmal in die Höhle des Löwen, um das Handtuch zu werfen.

Die Fotografie ist offensichtlich ein wichtiger Bestandteil des Films, ebenso aber wie der Fernsehapparat. Philip schaut beständig in die Tiefe des Geräts, wo auch immer er ist; manchmal läuft das Teil, obwohl er gar nicht wirklich aufpasst. Es ist zur Gewohnheit geworden, die unzähligen Bilder ziehen an ihm vorbei, ebenso der Lärm, die Tragik, die Action und das Leid, das dem Film seinen modernen Inhalt gibt. Die fiktive Gefahr erfährt von Philip keinerlei Beachtung. Er ist so sehr abgestumpft, dass selbst reale Gewalt keinerlei Empathie von ihm erfährt. Bis er auf Klein-Alice trifft und zwangsweise mit ihr weiterreisen muss. Es zeugt von einer wunderbaren, menschlichen Wärme, wenn Alice und Philip sich gegenseitig abtasten, kennenlernen und zum Lachen bringen. Alice zeigt Philip schließlich seine Identität, stellt ihm sein Ich vor und tut all das mit einer kindlichen Unschuld, die wahrlich herzerwärmend ist.

Wim Wenders versteht es meisterhaft, seinen Schauspielern zur richtigen Zeit freie Hand zu lassen und ihnen hier und da mit seiner Direktion die beste Richtung vorzugeben. Dazu finden er und sein Kameramann Robby Müller immer wieder interessante Wege, um mit den Örtlichkeiten zu spielen, das spezifische Licht zu nutzen und damit eine weitere Geschichte über die Sehnsüchte der Figuren zu erzählen. Sehnsüchte, die sich unterscheiden und doch irgendwie gleich bleiben, egal ob die Figuren nun in den riesigen Metropolen Amerikas sind oder in den Landschaften des Ruhrgebiets, wo selbst Häuser wie Gräber aussehen und das Leben der Endlichkeit unterworfen ist. Mit der Reise hört es auf. Diesmal beobachten wir aus der Luft, sehen, wohin Alice und Philip fahren. Ins Unbestimmte zwar, aber in eines, das geprägt ist von Persönlichkeit, Profil und Charakter.

Fazit

Mit „Alice in den Städten“ hat Wim Wenders nicht nur einen zeitlosen Klassiker geschaffen, sondern auch einen zutiefst erwärmenden Film. Als Einstieg ins Wenders-Werk überaus geeignet, besticht der erste Teil der Roadmovie-Trilogie durch große Details und kleine bewegenden Gesten. Und mit einem besonderen Moment sichert Wenders seinem Film Unsterblichkeit. Auf dem Empire State Building schaut Alice durch ein Fernrohr zum World Trade Center und verfolgt dann eine weiße Taube in der Luft. Damals mit anderer Wirkung behaftet, wirkt dieser Moment heute wahrlich überwältigend, ehr-erweisend, groß.

Autor: Levin Günther

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