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Gomorrha - Die Serie - Staffel 2 - Kritik

Stu

Von Stu in Gomorrha - Die Serie - Staffel 2 - Kritik

Gomorrha - Die Serie - Staffel 2 - Kritik Bildnachweis: © Polyband

Der Journalist Robert Saviano ließ die Welt der Mafia von Neapel, die sogenannte Camorra, mit seinem Enthüllungsbuch Gomorrha erzittern. Seit dem lebt Saviano und seine Familie unter ständigem Polizeischutz. Aufhalten ließ sich der Journalist davon nicht und arbeitete nicht nur am Kinofilm zu seinem Buch mit, sondern auch an der gleichnamigen TV-Serie, zu der nun die zweite Staffel auf DVD und Blu-ray erschienen ist.

Story

Ciro (Marco D’Amore, Love Is All You Need) ist vom ehemaligen Handlanger des großen alten Camorra-Dons Pietro Savastano (Fortunato Cerlino, Auf kurze Distanz) zu einer der wichtigsten Figuren im neapolitanischen Drogengeschäft aufgestiegen. Seine Widersacher können ihn nicht stoppen: Don Pietro wurde zwar von seinen Getreuen aus dem Gefängnis befreit, muss aber das Land verlassen, um nicht gleich wieder festgenommen zu werden. Er beschwört seine Männer, ihm treu zu bleiben, bis er eines Tages zurückkommt, um die alten Machtverhältnisse wiederherzustellen.© Polyband

Kritik

Die Straßen sind voller Unrat, der Beton der Sozialbausiedlung bröckelt an jeder Ecke und auch wenn die Sonne zu scheinen vermag, wirkt die Szenerie dennoch wie in ein dumpfes Licht gehüllt. Willkommen in Neapel der Gegenwart, dem Thronsitz der italienischen Mafia, die hier unverfroren ihre Drogengeschäfte abwickelt. Wie ein Uhrwerk verkaufen die Dealer ihre Drogen durch gesicherte Verstecke an ihre Kunden, während dutzende junge Männer, eigentlich noch Kinder, mit ihren Mopeds auf dem unebenen Asphalt ihre Kreise ziehen, wie Geier über Aas.

Nein, es ist keine romantische Gangsterwelt, die uns die Gomorrha- Die Serie präsentiert. Das war bei der ersten Staffel nicht der Fall und das ändert sich auch in der zweiten nicht. Es ist ein Blick durch ein Vergrößerungsglas und  enthüllt wird das System, mit der die Mafia nun schon seit Jahrzehnten Teile von Neapel an sich reißt. Dabei geht es hier nicht darum, wie man diese Halbwelt auflösen kann. Nein, es geht hier einzig und alleine um die stille Beobachtung eines so erfolgreichen wie aber auch mörderischen Geschäftsmodell, welches im Grunde eine Miniaturform des heutigen Kapitalismus ist: Während die Bürger von Neapel unter der Mafia letztlich zu leiden haben, folgt sie ihr dennoch aus Angst, Tradition und falschem Ehrgefühl.

Die wenigen, die aus dem Drogenhandel profitieren, versuchen sich - angeführt vom Aufsteiger Ciro- zusammenzuschließen, um so Diskrepanzen, die zu tödlichen Kriegen führen können, zu vermeiden und eine Gewinnmaximierung zu erreichen. Gleichzeitig planen alte Gegner ihre Rückkehr. Am Ende, so viel sei verraten, stolpern sie alle über ihre größten Schwächen: Gier, Neid und Überheblichkeit. Und dennoch sind es die Unschuldigen, die am meisten darunter leiden, wenn sich die großen Bosse erst hinterrücks und dann ganz offensichtlich beharken. Hier gilt: Alle gegen alle, auch wenn dafür Allianzen geschmiedet werden müssen, deren blutiger Ausgang  bereits von Beginn an klar ist.© Polyband

Es ist ein zutiefst pessimistisches Weltbild, welches Gomorrha zeichnet. In Staffel 2 finden sich dazu so gut wie keine Heldenfiguren. Alles ist durchzogen von einer rohen  Zwielichtigkeit, die uns Zuschauer mehr als einmal in eine Empathiefalle lockt. Dieser Mangel an durchgehenden  Sympathieträgern und Projektionsflächen macht Gomorrha zu einer nicht immer einfach goutierbaren Serie, aber sie bleibt auch in der zweiten Staffel ein wild pochendes und unterschwellig rasendes Erlebnis.

Das liegt an der Rücksichtslosigkeit mit der Showrunner Stefano Sollima (er wird demnächst die Sicario-Fortsetzung Soldado inszenieren - gute Wahl!) die Geschichten erzählt. Alles fokussiert sich auf das System. Es gibt kein Platz für Heroik, kriminalistische Lösungsversuche oder den rettenden Deus Ex Machina-Moment der alles bereinigt. Bei Gomorrha ist alles grau, trostlos, bitter. Besser wurde die Unterwelt Neapels, die eigentlich längst zur wahren Oberfläche geworden ist, nicht dargestellt. Die Serie ist pure Authentizität. Schlicht und ergreifend grandios und unglaublich fesselnd.

Im Gegensatz zur ebenfalls phantastischen ersten Staffel (hier geht’s zur Kritik) entgleiten den Machern hier zwei-, dreimal die dramaturgischen Zügel, was die Qualität von Gomorrha aber nicht wirklich schmälert. Es wäre nur schön gewesen, wenn einige Situationen narrativ noch etwas genauer behandelt wären. Vor allem beim Mafiasohn Gennaro (Salvatore Esposito, They call me Jeeg Robot), der mittlerweile in Rom Karriere im ebenfalls nicht sonderlich legalen Immobiliengeschäft macht, wäre ein wenig mehr Präzision schön gewesen. Dennoch ist auch dieser Handlungsstrang packend, weil auch dieser vollkommen umhüllt ist von Ambivalenz, der treibenden Kraft der Serie.© Polyband

Die Blu-ray

© Polyband

Staffel 2 erscheint auf 3 Blu-rays-Discs in einer Box mit Pappschuber. Bild und Ton geben keinerlei Anlass zur Klage und natürlich gibt es neben der deutschen Sprachfassung auch die italienische, mitsamt deutschen  Untertiteln. Die Extras umfassen rund 45 Minuten. Diese bestehen aus kurzen Interviews von Cast & Crew, Trailern sowie einem nicht kommentierten Blick hinter die Kulissen. Da wäre durchaus noch mehr drin gewesen. Sehr schade auch, dass sich Roberto Saviano bei den Extras nicht mehr zu Wort meldet. Das war bei Staffel 1 noch anders. Staffel 2 ist ab dem 30. September im Handel erhältlich, auch auf DVD. Vertrieben wird die Serie von Polyband.

Fazit

Lasst alle Hoffnung fahren. Wie auch bei Staffel 1 porträtiert auch Staffel 2 von Gomorrha das gegenwärtige System der Mafia in Neapel. Das ist unglaublich authentisch erzählt sowie inszeniert und dabei teils so brachial pessimistisch, dass sich der Himmel verdunkelt. Genau dies ist die Stärke der Serie, dass sie ihre Zuschauer nicht mit Wohlfühl-Momenten füttert, sondern ohne Scham und Filter eine Welt präsentiert, die im Prinzip direkt vor unserer Haustür liegt und von der auch wir ein Teil sein könnten, ohne es zu bemerken. Gomorrha bleibt auch in der zweiten Staffel ein Meisterwerk, was einen packt, rüttelt und teils fassungslos zurücklässt.

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