{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

"Ghul" - Staffel 1 - Kritik

siBBe

Von siBBe in "Ghul" - Staffel 1 - Kritik

"Ghul" - Staffel 1 - Kritik Bildnachweis: © Netflix

Story

In einem geheimen Militärgefängnis trifft ein neuer Gefangener ein, der Terrorist Ali Saeed (Mahesh Balraj), der sich von Beginn an äußerst merkwürdig verhält.  Auch die Vernehmungsbeamten können aus dem schweigsamen Mann durch eingesetzte Foltermethoden keine Informationen gewinnen. Doch ist er überhaupt der, für den er gehalten wird? In der unterirdischen Anlage bricht schließlich die Hölle aus. 

Kritik

Gerade erst überzeugte Netflix sowohl Kritiker als auch Zuschauer mit Der Pate von Bombay (OT: Sacred Games), der ersten selbstproduzierten indischen Serie des Streamingdienstes, nun kommt mit Ghul (OT: Ghoul) Nachschub in Form einer Horror-Serie. Ghul war ursprünglich als Film geplant, wurde von Netflix dann aber zu einer dreiteiligen Mini-Serie umstrukturiert. Mit einer Laufzeit von insgesamt rund 130 Minuten kommen die drei Episoden einem Film aber auch weiterhin gleich, für den Zuschauer macht das neue Gewand im Grunde keinen Unterschied.  Unterstützung gab es bei der Umsetzung von Blumhouse Productions, die den Markt mit Horrorhits wie Get Out, Split oder Insidious schon länger erfolgreich aufmischen. 

Image title

Ghul ist in einer nahen dystopischen Zukunft angesiedelt und thematisiert zunächst seinen totalitären Staat, der gegen jeden vorgeht, der politisch oder religiös anderer Überzeugung ist. Letzteres greift erneut die Anfeindungen gegen Muslime auf, was in Indien stets ein aktuelles Thema ist und auch schon in Der Pate von Bombay ein wichtiger Teil der Handlung war. Mit der Beschlagnahmung von staatsfeindlichen Schriften, was in Anlehnung an Ray BradburyFahrenheit 451 geschieht, erhält Ghul so ein für das Horrorgenre doch sehr ungewöhnliches, dafür aber interessantes Setting, das dem Ganzen mit zusätzlichen Themen wie der Bekämpfung von Terror, religiösem Fanatismus und auch Nationalismus ein wenig Substanz verleiht.

Mit seiner dystopischen Umwelt hält sich die Serie nicht lange auf, sondern verlagert seine Handlung schnell in ein abgeschottetes Militärgefängnis, in dessen klaustrophobischer Umgebung Politik keine große Rolle mehr spielt. Stattdessen widmet sich die Serie zusehends der Psyche seiner Akteure und wie diese unter schwerer Last zu zerbrechen droht. Gefangene werden gefoltert bis man sie geknackt hat, die Vernehmungsbeamten versuchen sich all den Schrecken nicht nahekommen zu lassen, was bei den entsetzlichen Ereignissen mal besser, mal schlechter klappt. Bis es zum eigentlichen Horror kommt lässt sich Ghul reichlich Zeit, genaugenommen die Hälfte seiner Spielzeit, die trotz der oben angesprochenen spannenden Themen durch das unbalancierte Pacing doch ein wenig anstrengend ausfallen kann. 

Image title

Dass damit ein unangenehmes Gefühl einhergeht, ist sicherlich gewollt, allein der bedrückende Schauplatz, die brutalen Folterszenen sowie das Denunzieren von Familienmitgliedern durch eine regimetreue Tochter (gut gespielt von Radhika Apte, Der Pate von Bombay) sind alles Elemente, die dazu beitragen.  Ab der Hälfte der Zeit bricht in der Militäranlage erwartungsgemäß die Hölle aus, das Grauen lauert nun nicht mehr nur in jedem Einzelnen, es tritt in Form eines bösartigen Ghuls, der in der persisch-arabischen Mythologie seinen Ursprung hat, nun auch offen in Erscheinung, um jeden zu töten, den er an diesem trostlosen Ort erwischen kann. Sicherlich kein Zufall, dass er hier von unterdrückten Muslimen beschwört und in einer muslimischen Figur erstmals in Erscheinung tritt und damit als Kommentar auf die Spannungen im Land verstanden werden kann.  Ähnlich wie in John Carpenters The Thing besetzt dieser Dämon nach und nach die Beteiligten, ohne preiszugeben um wen es sich gerade handelt. Teils mit Jump Scares garniert, teils auch einfach durch die bedrohliche Stimmung, entsteht so ein durchaus spannender Schlussakt für Genrefans, der mit reichlich Blut und Terror zu fesseln weiß, auch wenn er in dieser Hinsicht im Grunde nichts Neues erschafft, was bei Genrekollegen nicht schon zu sehen war.   


Fazit

Eigentlich handelt es sich bei "Ghul" ja um einen Horrorfilm, doch Netflix möchte diesen lieber in kleinen Häppchen servieren und nennt das Ganze eine Mini-Serie. So oder so, die indische Produktion kommt mit einigen guten Ideen hinsichtlich spannender politischer und gesellschaftskritischer Themen daher, die die Serie durchaus interessant machen. Seinen Horrorpart selbst inszeniert "Ghul" insgesamt zwar routiniert und weiß damit zu packen, geht dabei aber nicht über Genrestandards hinaus. 

Wird geladen...