Bildnachweis: © Weltkino | Szene aus "Taxi Teheran"

Preisgekrönter Regisseur Jafar Panahi vor Haft: Iran bestätigt Urteil wegen "Propaganda gegen das Regime"

von Sebastian Groß

Ein iranisches Gericht hat die bereits verhängte einjährige Haftstrafe gegen den Regisseur bestätigt. Zusätzlich gilt weiterhin ein zweijähriges Ausreiseverbot sowie Einschränkungen seiner gesellschaftlichen und politischen Betätigung. Grundlage des Verfahrens ist unter anderem der Vorwurf „Propaganda gegen das Regime“ im Zusammenhang mit seinem Film Ein einfacher Unfall.

Gerichtsurteil und Hintergründe der Vorwürfe

Die Justiz wirft dem Filmemacher vor, mit seiner Arbeit staatliche Institutionen zu kritisieren. Der Film wurde ohne offizielle Genehmigung im Iran gedreht und international aufgeführt, unter anderem letztes Jahr im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes. Laut Berichten aus dem Umfeld der Produktion kam es während der Dreharbeiten zu mehrfachen Eingriffen durch Sicherheitsbehörden, darunter kurzfristige Festnahmen und Verhöre von Beteiligten. Auch im Vorfeld der Festivalpremiere sollen Personen aus dem Produktionsumfeld von staatlichen Stellen vorgeladen worden sein.

Die aktuelle Entscheidung wurde in Abwesenheit des Regisseurs getroffen, da er sich zeitweise im Ausland aufhielt. Medienberichten zufolge wurde das Verfahren bereits im Zusammenhang mit seiner internationalen Präsenz und den politischen Aussagen des Films weiter verschärft. Panahi selbst hat wiederholt betont, dass er trotz früherer Haft und Einschränkungen weiterhin im Iran arbeitet und seine Filme unter schwierigen Bedingungen realisiert.

Künstlerische Laufbahn und Konflikt mit den Behörden

Jafar Panahi zählt seit den 1990er-Jahren zu den bekanntesten Stimmen des iranischen Kinos. Werke wie Der weiße Ballon, Offside. Dies ist kein Film oder Taxi Teheran machten ihn international bekannt und wurden vielfach ausgezeichnet. Gleichzeitig wurden mehrere seiner Filme im Iran verboten, da sie gesellschaftliche und politische Zustände kritisch beleuchten. Immer wieder arbeitete er ohne offizielle Drehgenehmigung und entwickelte dabei unkonventionelle Produktionsformen, etwa Drehs im Verborgenen oder mit stark reduzierter Crew.

Das Verhältnis zwischen Panahi und den iranischen Behörden gilt seit Jahren als angespannt. Bereits 2010 wurde er mit einem umfassenden Berufsverbot belegt, später folgten Haftstrafen, Ausreisebeschränkungen und wiederholte Festnahmen und ein Hungerstreik. Trotz dieser Maßnahmen setzte er seine Arbeit fort und blieb im Land, auch wenn er zeitweise im Ausland hätte bleiben können. Seine Filme werden international als Ausdruck eines anhaltenden Konflikts zwischen unabhängiger Kunst und staatlicher Kontrolle verstanden.

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