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Eine echte Leinwand- und TV-Legende verabschiedet sich: Mario Adorf ist tot!

Stu

Von Stu

Quelle: DW
Bildnachweis: © NFP Filmverleih | Werbemotiv zu "Es hätte schllimmer kommen können - Mario Adorf"

Der Schauspieler Mario Adorf ist tot. Einer der prägendsten und wandlungsfähigsten Darsteller des deutschen und europäischen Kinos ist am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris nach kurzer Krankheit gestorben. Über Jahrzehnte hinweg verkörperte er Figuren zwischen Abgründigkeit und Wärme, zwischen brutaler Energie und feiner Ironie – und blieb dabei stets unverwechselbar. Mit mehr als 200 Film- und Fernsehrollen hinterlässt Adorf ein Werk, das Generationen von Zuschauer*innen begleitet hat und längst Teil der deutschen Filmgeschichte geworden ist.

Der Weg auf die Bühne

Adorf wurde 1930 in Zürich geboren und wuchs unter schwierigen Umständen auf. Als uneheliches Kind eines italienischen Arztes und einer deutschen Mutter fand er früh Halt in der Kunst. Nach Schauspielstudium und ersten Theatererfahrungen führte ihn sein Weg an die Münchner Kammerspiele, wo er zwischen den 1950er- und frühen 1960er-Jahren sein handwerkliches Fundament legte. Die Bühne wurde zum Labor seines später so charakteristischen Spiels: körperlich präsent, emotional offen und stets von einer inneren Unruhe getragen.

Der filmische Durchbruch gelang ihm 1957 mit Nachts, wenn der Teufel kam. Seine Darstellung des Serienmörders Bruno Lüdke machte ihn schlagartig bekannt und legte zugleich eine Spur, die seine Karriere lange begleiten sollte: Adorf wurde zum Spezialisten für ambivalente Figuren. Schurken, Außenseiter und gebrochene Männer prägten fortan sein Image – Rollen, die er nie eindimensional spielte, sondern mit überraschender Menschlichkeit versah.

Ikonische Rollen zwischen Kino und Fernsehen

Ein Millionenpublikum erreichte Adorf in den Karl-May-Verfilmungen der 1960er-Jahre, insbesondere als skrupelloser Santer in Winnetou (1963). Die Rolle machte ihn populär, auch wenn sie ihn zunächst auf Antagonisten festlegte. Noch Jahrzehnte später berichtete er, Zuschauer*innen hätten ihm die filmische Tat an Winnetous Schwester nicht verziehen – ein Beweis dafür, wie intensiv seine Darstellungen wirkten.

Mit dem Neuen Deutschen Film wandelte sich sein Image zum großen Charakterdarsteller. In Die Verlorene Ehre der Katharina Blum (1975) und dem  Oscar-prämierten Die Blechtrommel (1979) zeigte Adorf seine ganze Bandbreite. Später folgten Publikumserfolge wie Rossini - Oder die Frage, wer mit wem schlief (1997) oder die Fernsehproduktion wie Kir Royal (1986), die ihn endgültig zu einer generationsübergreifenden Identifikationsfigur machten. Seine Figuren waren oft Patriarchen, Ganoven oder moralisch zwiespältige Autoritäten – stets geprägt von einer Mischung aus Härte und Verletzlichkeit.

Gerade diese Fähigkeit machte ihn einzigartig: Adorf ließ selbst das Unsympathische verständlich erscheinen. Sein langjähriger Manager beschrieb einmal, dass es seine Kunst gewesen sei, selbst das „Böse“ so menschlich darzustellen, dass das Publikum mitfühlte.

Ein deutscher Schauspieler im Weltkino

Schon früh überschritt Adorfs Karriere nationale Grenzen. In den 1960er- und 1970er-Jahren arbeitete er mit internationalen Regisseuren wie   (1965, Sierra Charriba),   (1969, Fahrt zur Hölle ihr Halunken) oder  (1978, Fedora) und wurde zu einem festen Bestandteil des europäischen Genrekinos – von Italowestern bis Kriminalfilm. Dabei blieb er nie auf Hollywood angewiesen, sondern entwickelte eine genuin europäische Karriere zwischen Deutschland, Italien und Frankreich.

Adorf trat in internationalen Produktionen ebenso selbstverständlich auf wie in deutschen Prestigeprojekten und arbeitete mit bedeutenden Regisseuren wie Fassbinder oder Chabrol zusammen. Diese Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Filmkulturen machte ihn zu einem seltenen Beispiel eines deutschen Schauspielers mit echter europäischer Strahlkraft.

Die späten Jahre

In seinen letzten Lebensjahren zog sich Adorf zunehmend aus dem Schauspielgeschäft zurück. Geplante Projekte scheiterten unter anderem an den Folgen der Pandemie, und der einst rastlose Darsteller lebte überwiegend mit seiner Ehefrau Monique zwischen Paris und Südfrankreich. Öffentliche Auftritte wurden seltener, Interviews nachdenklicher – geprägt von einer ruhigen Bilanz eines langen Künstlerlebens.

Noch kurz vor seinem Tod sprach Adorf offen über das Älterwerden und die Endlichkeit (via KSTA). Trotz gesundheitlicher Einschränkungen blieb er geistig wach und humorvoll, dankbar für ein Leben im Zeichen der Kunst. Bis zuletzt verstand er sich weniger als Star denn als Arbeiter seines Fachs – ein Schauspieler, der das Publikum nie aus den Augen verlor und seine Karriere stets als Privileg begriff.

Ruhe in Frieden.

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