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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

In einem Tal, das in Nebel und Stammesgesetze gehüllt ist, brechen zwei Schwestern als Opfergabe in die Nacht auf. Zwischen Blut, Erinnerungen und Schweigen versuchen sie, das Feuer einzudämmen, das sich auszubreiten droht.

Kritik

Bereits der lyrische Titel Rakan Mayasis mythischen Spielfilm-Debüts impliziert, dass die genreübergreifende Geschichte von Blutschuld und buchstäblichen Opfergängen ebenso sehr als sozialrealistische Milieustudie konzipiert ist wie als cineastische Ballade. Eine Saga schicksalhafter Zufälle, erdrückender familiärer Verpflichtung und patriarchalischer Traditionen, die jederzeit und überall die weiblichen Charaktere verfolgen. Dies geschieht wortwörtlich im prologartigen Aufbaus des zentralen Konflikts der im libanesischen Bekaa-Tal angesiedelten Story, die mit der Aufnahme eines brennenden Autos beginnt. Eine Cousine des jungen Yasser (Yasser Al Mawla) hat den Brand angeblich aus Eifersucht gelegt.

Ob es sich tatsächlich so ereignet hat, wie Yasser und sein Begleiter auf der Jagd nach dem geflohenen Mädchen es sich zu Beginn erzählen, und später Yassers Schwestern Rim (Rim Al Mawla) und Jawaher (Jawaher Al Mawla) bei ihren verliebten Träumerein wiederholen, bleibt unklar. Doch als anarchische Symbol eines in der streng konservativen Gemeinde unterdrückten weiblichen Begehrens steht das Feuer für eine befreiende Kraft, der die fundamentalistischen Strukturen nicht dauerhaft Einhalt gebieten können. Die evokative Szene verblasst, als Yasser ein Mitglied eines verfeindeten Klans überfährt.

Dem Unfall droht Blutrache zu folgen, wenn Rim und Jahawer nicht dem anderen Klan ausgeliefert werden. Während Rim hinterfragt, warum weibliche Verwandte für Verschulden der Männer büßen müssen, fügt sich ihre Schwester in ihr Schicksal. Beider Weg in die Nacht markiert den Übergang in eine mystische Sphäre, in der Realität und metaphorisches Märchen einander überlagern. Die Dualität von Realismus und Phantastik ist Teil eine fein gesponnenen Gefüges von Doppelungen und Spiegelungen. Vermeintlich vergessene Erzähl-Stränge führen sie zu einer dramaturgischen Ellipse von evokativer Komplexität.

Fazit

Inspiriert von den Memoiren seiner Großmutter entwickelte Rakan Mayasi die Handlung seines fesselnden Kino-Debüts organisch mit dem Cast, der aus nicht-professionellen Darstellenden ohne vorherige Filmerfahrung besteht. Pôl Seifs kongeniale Kamera schafft Aufnahmen gleich klassischer Gemälde, deren reglose Schönheit die auf den Frauen lastenden sozialen Zwänge heraufbeschwören. Landschaftliche Weite kontrastiert mit der erstickenden Enge der Traditionen, die unverändert die äußerlich moderne Welt des Beduinen-Klans leiten. Vertrauliche Momente schwesterlicher Verbundenheit und zärtliche Gesten vertiefen die emotionale Resonanz des filmischen Poems, das dichte Atmosphäre mit sorgsamen Sozialbeobachtungen vereint. 

Kritik: Lida Bach

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