MB-Kritik

While the Green Grass Grows: A Diary in Seven Parts 2025

Inhalt

Peter Mettlers über drei Jahre hinweg gefilmtes Tagebuch erkundet die Wunder, die in alltäglichen Dingen und Begebenheiten verborgen liegen, und verwandelt dabei das Persönliche in visionäres Kino. Abwechselnd tragisch und komisch, poetisch und philosophisch, verbindet der Film Memoiren, Familiengeschichte, Gespräche, Hommage und Liebe zu einer grossherzigen, meditativen Reflexion über das Menschsein und unsere Umwelt.

Kritik

Bei Mammut-Projekten wie Peter Mettlers episodischer Exkursion, deren titelgebende sieben Teile zusammengefasst fast acht Stunden Laufzeit verschlingen, weckt augenscheinlich bereits das schiere Ausmaß eine Überzeugung von filmischer Größe und inhaltlicher Bedeutung. Doch die dokumentarischen Dimensionen der mäandernden Meditation, die den kanadischen Regisseur in sieben lose verbundenen Kapiteln auf eine Reise durch seine eigenen Erinnerungen führt, ist ungleich kleiner als die des darin ausgestellten Egos. Dessen wechselnde Konstitution ist der eigentliche Fokus der repetitiven Revue.

Jene kehrt immer wieder zu der titelgebenden Phrase zurück: The Grass is always greener on the other side. Der wie eine tiefgreifende Erkenntnis behandelte Spruch ist mehr eine Platitüde, die dennoch in jedem der tagebuchartigen Kapitel mit Titeln wie “My Grandma Was a Tree”, “Gambling, Gods and LSD” und “Becoming Animal” aufs neue interpretiert wird. Diese Auslegung erfolgt durch die unterschiedlichen Charaktere, denen Mettler in der zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und herspringenden Handlung begegnet. 

Deren relevanteste sind seine Eltern; die kurze Zeit später verstorbene Mutter und der Vater, dessen Gesundheit ebenfalls spürbar abbaut. Die Themen Abschied, Verlust und Trauer gibt der seriellen Selbstausstellung streckenweise einen gravitätischen Ernst, der den narzisstischen Nimbus indes nicht dauerhaft überdecken kann. Ein gefälliges Gedankenarchiv von Naturaufnahmen, Unterhaltungen, Reiseeindrücken und Familienmomenten fügt sich zu einer formal und qualitativ uneinheitlichen Collage. Weder visuell beeindruckend noch inhaltlich konkret, wird das selbstbezogene Sammelsurium zur idealen Folie pseudo-philosophischer Publikums-Projektion. 

Fazit

Das autobiographisch gefärbte Potpourri an Tonaufnahmen, Landschaftspanoramen, Fotos und altem Filmmaterial, das Peter Mettler mit einem gewissen Gespür für Allgemeingültigkeit und akademistische Anknüpfungspunkte aufbereitet, bleibt trotz mehr zufällig wirkender interessanter Randelemente ernüchternd trivial. Narrative Inkohärenz wird zum stilistischen Prinzip erhoben während intellektueller und emotionaler Tiefgang Behauptung bleiben. Die filmische Fingerübung in exorbitanter Egozentrik dokumentiert letztlich vor allem das Bedürfnis eines privilegierten Bildungsbürgertums alter weißer Männer nach Selbstdarstellung, getragen vom Glauben an die Universalität eigener Empfindung. 

Autor: Lida Bach
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