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Inhalt

2008 und 2009 fuhr Clarissa Thieme durch Bosnien-Herzegowina und stellte ihre Kamera an Orten auf, an denen in den neunziger Jahren Kriegsverbrechen stattfanden. Nun fährt sie erneut an diese Orte, stellt die Kamera an genau denselben Stellen auf, und zwei Frauen tragen in einem performativen Akt ein Still aus dem ersten Film ins Bild. Ein Verfahren, das Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen 2009 und 2019 erkennbar werden lässt.

Kritik

Ist es ein Umzug? Ist es Street Art? Ist es eine Protestaktion? Nein, es ist Clarissa Thiemes neues Filmprojekt. Dafür reiste die Regisseurin nach Bosnien und Herzegovina, wo sie die Schauplätze von Kriegsverbrechen filmte, um dadurch wichtige Fragen aufzuwerfen über … Stop! Es hieß doch „neues Filmprojekt“! Das ist doch ihr altes Projekt von vor zehn Jahren. Gleicher Titel, gleiche Orte, gleiches Thema, gleiche Umsetzung. Wer den filmischen Katalog damals im Berlinale Forum gesehen hat, erinnert sich.

Dass die traumatische Erinnerung dieses erschöpfende Erlebnis wieder hochkommt, ist offenbar gewollt. Verschüttete Schrecken sind angeblich Motiv des dokumentarischen Landschaftsrundgangs, obwohl keiner der vor der Kamera auftauchenden Passanten sonderlich verstört wirkt. Ihre Aufmerksamkeit gilt schlicht dem Riesenposter, das die Crew durch die Gegend schleppt. Entsprechend spannend sind die Dialoge: „Was haben Sie denn da?“ - „Das ist ein Plakat.“ Die überdimensionalen Standbilder aus dem ersten What remains sind eine treffende Allegorie für das Ausmaß an Selbstreferenz. 

Eine wortwörtlich plakative Idee doppelt zu verwerten, macht die Idee nicht besser. Es ist einfach faul. Zumindest denkfaul, denn die XXL-Poster zu schleppen ist sicher kein Urlaub. Den machen dafür einige der Vorbeigehenden in der idyllischen Natur. So viel zum Schlagwort Trauma. Andere erbitten sich das Poster als Wanddeko, womöglich, weil sie ein paar Minuten Kinoprominenz wittern. Zur 80. Berlinale braucht Thieme ja wieder eine Einreichung. Nicht nur Geschichte wiederholt sich, auch schlechte Filme.

Fazit

Die Rückkehr an Schauplätze ihres gleichnamigen Kurzfilms ist für Clarissa Thieme zugleich die Rückbesinnung auf ein ambitionsarmes Konzept: "Tatsächlich sind das alles hier Schauplätze von Kriegsverbrechen, über die in Den Haag Gerichtsfälle waren.“ Damit die Wiederholung weniger redundant wirkt, werden nun Standaufnahmen Spazieren getragen. Reaktionen des Umfelds beschränken sich auf „Guck mal, da steht Oma.“ und „Wir hätten gern das Poster!“. Die tiefgründige Frage dahinter: Kann man Abwesenheit sehen? Ja - die Abwesenheit einer soliden Idee.

Autor: Lida Bach

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