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Der Film verlässt in seinen 77 Minuten kein einziges Mal die kleine Mailänder Wohnung von Bianca Dolce Miele. Ein dunkler Safe Space, vom warmen Kerzenlicht nur punktuell erleuchtet, Gegenstände sind in ritueller Absicht angeordnet, eine schwarze Katze streift umher. Der Himmel hängt als Karte über dem Bett, die Außenwelt ist per Telefon zugeschaltet.

Kritik

Das Angenehmste an Luca Ferris filmisch festgehaltenen Hausbesuch ist noch die Beleuchtung. Die ist gnädig dezent, so dezent, dass die wesentlichen Elemente der Räume und deren Einrichtung im Dunkeln bleiben. Nicht anders verhält es sich mit der Bewohnerin. Bianca Dolce Miele zeigt sich fast ausnahmslos umhüllt von schummerigem Kerzenlicht. Ist die Elektrik in ihrem Mailänder Quartier ausgefallen? Hat die Hauptfigur der stilisierten Verbindung bizarrer Sex-Rituale und verstiegenem Geschwafel eine Kunstlichtaversion? Findet niemand den Lichtschalter?

Den Regisseur interessieren solche Fragen nicht. Dabei brächten sie wenigstens etwas Dynamik in die einschläfernde Selbstdarstellung einer gealterten italienischen - ja, wer ist Bianca Dolce Miele eigentlich? Niemand erfährt es. Ferri sind Lebensgeschichte und persönlicher Hintergrund seiner Protagonistin noch gleichgültiger als Sinn, Struktur und Kontext seiner manierierten Wohnungsbegehung. Sucht Miele vielleicht einen Nachmieter? Immerhin führt sie durch sämtliche Räume ihres unspektakulären Heims, das sie nach eigener Aussage kaum je verlässt. Schwere Agoraphobie oder eine East-17-Hommage? 

Auch das bleibt im Dunkeln, wie die konkrete Architektur des einzigen Schauplatzes. Dort vertreibt sich die transsexuelle Miele die Zeit mit meist männlichen Gästen. Einer setzt sie als menschlichen Tisch ein und plaudert über seine Vorliebe für Dosenfleisch in Aspik. Andere sind nur indirekt am Telefon präsent. Telefoniert wird viel, auf der Leinwand. Die Restzeit legt Miele Kleidung und Make-up an und ab. Irgendwie müssen 77 Minuten ja herumgebracht werden. Selbstvermarktung als stilisiertes Zeittotschlagen.

Fazit

Für die Dauer eines Spielfilms wandert Luca Ferri mit der Kamera durch die Wohnung einer gealterten Mailänder Prostituierten. Die plaudert am Telefon oder mit Kunden über sexuelle Vorlieben, ihre Besuchszeiten und Fleisch in Aspik. Letztes verspeist einer der Gäste mit Vorliebe, weil es ihn an sein eigenes „labberiges Fleisch“ erinnere. Danke für diese weltbewegende Einsicht! Der Umgang einer christlich geprägten Gesellschaft mit Transsexualität und Sexarbeit wird ebensowenig ergründet wie sonst irgendwas. Jede Wohnungsbesichtigung ist spannender.

Autor: Lida Bach

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