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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Alec, ein ruhgier, introvertierter Teenager, hat das Leben immer durch die Brille des kleinen Pornounternehmens seines Vaters gesehen, dem ihr Zuhause als Drehort dient. Seit dem Tod seiner Mutter ist er immer tiefer in das Familienunternehmen eingestiegen: Er dreht und schneidet die Filme, in denen sein raubeiniger Vater Dylan selbst mitspielt. Dieser kämpft gegen das Alter und darum, das Geschäft am Laufen zu halten. Dabei verlässt er sich auf Mädchen wie die freigeistige Erotikdarstellerin Lizzie, mit der Alec eine Art Schwester-Bruder-Beziehung verbindet. Als es finanziell eng wird, bröckelt Dylans Selbstbewusstsein und Alec wird zunehmend in das Chaos um ihn herum hineingezogen.

Kritik

Bereits der Titel Muriel d’Ansembourgs spekulativen Spielfilm-Debüts, das auf der 76. Berlinale in der Perspectives Sektion Premiere hat, signalisiert als Verweis auf emotionale Entblößung im Gegensatz zu physischer Nacktheit die moralistische Tendenz der pseudo-toleranten Porno-Debatte. Als solche entfaltet sich ein Großteil der hypothetischen Handlung, der es weniger um die Abbildung glaubwürdiger Charaktere oder narrativer Dynamik geht als um die apodiktische Beantwortung rhetorischer Fragen zum kontroversen Kernthema Pornographie. Eine konfrontative Darstellung deren vermeintlicher Routine im Independent Ultra-Low-Budget Sektor eröffnet den belehrenden Plot mit einer in mehrfacher Hinsicht enthüllenden Szene. 

Die mit Goldfarbe angemalten Porno-Darstellenden Dylan (Andrew Howard, The Odyssey) und Lizzie (Alessa Savage) drehen mit Dyans jugendlichem Sohn Alec (Caolán O’Gorman) hinter der Kamera. Das Set ist ein Raum in Alecs und Dlyans Wohnung, die einer bizarren Mischung aus Männer-WG und heruntergekommenem Love Hotel gleicht. Als Produzent, Vertreiber und Hauptdarsteller seiner Filme, die sein Sohn augenscheinlicher seit längerem filmt, sind Arbeit und Privatleben für Dylan praktisch unauflöslich vermischt. Mit seiner introvertierten Zurückhaltung ist Alec das Gegenbild seines selbstherrlichen Macho-Vaters, der in Satin-Baderobe und mit Joint wie Hugh-Hefner-Karikatur rumläuft. 

Die private Omnipräsenz der Porno-Industrie, in der auch seine verstorbene Mutter tätig war, wird für Alec zunehmend zur psychischen Belastung. Als er in der Schule Postergirl-Feministin Nina (Safiya Benaddi) kennenlernt, eröffnet sie ihm eine unvertraute Welt emotionaler Nähe und gegenseitiger Zärtlichkeit ohne den Blick der Kamera. Dass diese schließlich demonstrativ abgeschaltet wird, ist das vorhersehbarste Statement der hypokritischen Inszenierung. Deren vorurteilsfreie Fassade bröckelt schon mit der ersten Szene. Darin zeigen eine Penis-Attrappe und Fake-Sperma die ungelenke Mutlosigkeit der Regisseurin und Drehbuchautorin, die von echtem Porno-Produktionen physisch und figurativ offenbar weit weg ist. 


Fazit

Entsprechend klischeehaft ist deren Darstellung als inhärent ausbeuterisch, gewaltvoll und frauenverachtend. Ähnlich stereotyp sind die eindimensionalen Figuren, die vorrangig Wertkonzepte verkörpern. Ninas Mutter betreibt Coaching von Frauen für Frauen und ist als engagierte Feministin die Antithese Dylans. Dass der schließlich seine Schattenseiten enthüllt, ist ebenso klar wie die Reaktion seines mit dem immer gleichen Softie-Blick in die Kamera schauenden Sohnes. Er ist gemäß des selbstgerechten Szenarios eines der Opfer einer Porno-Industrie, derer sich d’Ansembourg Selbst mit voyeuristischem Blick und ästhetischer Appropriation bedient. 

Kritik: Lida Bach

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