7.0

MB-Kritik

The Punisher: One Last Kill 2026

7.0

Jon Bernthal
Jason R. Moore
Roe Rancell
Mila Jaymes

Inhalt

Als Frank Castle nach einer Bedeutung sucht, die über Rache hinausgeht, zieht ihn eine unerwartete Kraft zurück in den Kampf.

Ab 13. Mai 2026 exklusiv bei Disney+

Kritik

Mit The Punisher: One Last Kill bekommt Frank Castle endlich wieder genau das Format, das der Figur deutlich besser steht als aufgeblähte Superheld*innen-Erzählungen mit Weltuntergangsbedrohung. Statt multiversaler Eskalation oder überladener Mythologie setzt das knapp 45-minütige Special auf eine konzentrierte, bewusst reduzierte Geschichte. Das funktioniert nicht immer, sorgt aber dennoch dafür, dass One Last Kill zu den angenehmeren Marvel-Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit gehört.

Es braucht Geduld bei "One Last Kill" - doch das Warten lohnt sich

Allerdings braucht der Kurzfilm eine ganze Weile, bis er tatsächlich dort ankommt, wo die meisten Zuschauer*innen ihn sehen wollen. Über weite Strecken dominieren Gespräche, düstere Milieuschilderungen und ein Frank Castle, der sich gewohnt wortkarg durch eine trostlose Umgebung bewegt. Problematisch ist dabei weniger die Entschleunigung selbst, sondern eher die Tatsache, dass weder die Nebenfiguren noch das erzählerische Umfeld sonderlich viel Profil entwickeln. Das Geschehen wirkt häufig wie ein langes Vorspiel für den eigentlichen Höhepunkt. Atmosphärisch bleibt das zwar solide, echte Spannung oder emotionale Fallhöhe entstehen jedoch nur selten.

Sobald One Last Kill allerdings in sein letztes Viertel übergeht, erinnert die Produktion daran, warum die Figur des Punishers seit Jahrzehnten eine der faszinierendsten Antiheld*innen der Comicwelt ist. Die Actionsequenzen sind hart, kompromisslos und erfreulich direkt inszeniert. Regisseur  (Bob Marley: One Love) verzichtet dabei auf übermäßig hektische Schnittgewitter und lässt die Gewalt roh und körperlich wirken. Zwar erreicht das Special nie die choreografische Präzision eines John Wick, die Wucht von The Raid oder die gnadenlose Energie von The Furious, dennoch besitzen die Kämpfe genug Intensität, um Genrefans zufriedenzustellen. Gerade weil Marvel zuletzt oft auffallend glatt und risikolos wirkte, fühlt sich diese ungefilterte Härte beinahe erfrischend an.

Besonders stark ist erneut Jon Bernthal, der hier vermutlich seine bislang beste Interpretation von Frank Castle liefert. Bereits in früheren Serienauftritten überzeugte er durch physische Präsenz und eine permanente Aggression, doch One Last Kill reduziert die Figur konsequent auf ihren Kern. Castle spricht wenig (und wenn mit sich selbst) und trägt eine permanente Erschöpfung mit sich herum, die Bernthal mit beeindruckender Selbstverständlichkeit transportiert.

Keine Sorge, dieser Punisher ist knallhart

Dabei geht das Special stellenweise überraschend weit. Frank Castle agiert mit einer Brutalität, die gelegentlich fast sadistische Züge annimmt. Wer allerdings auf den extremen Splattergrad von Punisher: War Zone oder dem Kurzfilm Dirty Laundry hofft, sollte seine Erwartungen etwas anpassen. One Last Kill ist eindeutig ein klarer FSK-18-Kandidat, bewegt sich aber deutlich kontrollierter und weniger exzessiv als manche Vorgänger. 

Auch Comicfans bekommen einige reizvolle Elemente geboten. Besonders Judith Light (The Menu) hinterlässt als Ma Gnucci Eindruck. Zwar orientiert sich ihre Darstellung nicht vollständig an der Vorlage und erreicht auch nicht deren groteske Eskalationsstufe, dennoch wirkt ihre Einführung wie ein bewusster Teaser für mögliche zukünftige Projekte rund um den Punisher.

The Punisher: One Last Kill hinterlässt sehr guten aber auch zwiespältigen. Inhaltlich bleibt vieles eher funktional und erzählerisch wirkt das Special häufig wie der Auftakt zu einer neuen Staffel statt wie eine komplett eigenständige Geschichte. Doch dank der kompromisslosen Action, der düsteren Atmosphäre und vor allem Bernthals starker Performance liefert Marvel hier endlich wieder ein Projekt ab, das sich angenehm von der restlichen Fließbandproduktion des Studios abhebt. Für Fans der Figur sind diese 45 Minuten deshalb definitiv einen Blick wert. Hoffen wir nur, dass sich Castle bis Spider-Man: Brand New Day wieder abgregt hat, ansonsten hat Peter Parker ein großes Problem.

Fazit

"The Punisher: One Last Kill" mag erzählerisch kaum neue Wege beschreiten, entfaltet dank konsequenter und kompromissloser Action, gelungener Atmosphäre und Jon Bernthals intensiver Präsenz dennoch eine bemerkenswerte Wucht, die sich jedoch erst im letzten Viertel vollständig entfaltet.

Autor: Sebastian Groß
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