MB-Kritik

The House on the Moon 2026

Lim Shi-An
Dominick Rustam-Chartrand
Akira Huang
Harry Chang
Lee Kang-sheng
Doreen Toh
Edward Tan
Lim Chin Huat

Inhalt

Im Haus auf dem Mond leben Chang Er, ein Feenwesen, und ihr Geliebter Hou Yi, der grosse Bogenschütze, der die Sonnen vom Himmel schoss. Als Hou Yi auf seiner Mission, die sterbende Sonne zu retten, verschwindet, reist Chang Er mit einem Astronauten von der Erde zur dunklen Seite des Mondes, um ihren Geliebten zu suchen.

Kritik

Grandeur und Bombast sind beabsichtigt in Nelson Yeos (Dreaming & Dying) wuchtiger Saga um unendliche Sehnsucht, Schmerz und Schönheit der Unsterblichkeit, die es als Singapurs erster Wuxia Kinofilm mit der mythischen Epik einer Chinas ältester Legenden aufnehmen will. Paradoxerweise untergräbt gerade dieser megalomanische Manierismus Dramatik und Ästhetik des Leinwand-Märchens, das in der inspirationslosen Optik eines PC-Games erstickt. Science-Fiction, Action-Abenteuer, Fantasy-Parabel und Romanze verschmelzen zu einem exaltierten Interpretation, deren ästhetische und formale Experimentierfreude in stilistischen Spielereien und atmosphärischer Austauschbarkeit mündet.

Gegenwärtige und pseudo-avantgardistische Motive sollen die Legende der Mondgöttin Chang Er (Lim Shi-An) und ihre ewige Liebe zu dem Bogenschützen Hou Yi (Dominick Rustam) mit zeitgenössischen Konflikten verbinden. Dabei bedarf die universelle Geschichte keiner Simplifizierung, die ihre allegorische Ausdrucksstärke untergräbt. Während die auf dem Mond lebende Chang Er vergebens die Rückkehr ihres zu einer Heldentat ausgezogenen Geliebten Hou Yi erwartet, verirrt sich ein irdischer Bandit (Guan-Zhi Huang, Floating Flowers in the Wind) in ihr Reich. Ihre Wege überkreuzen sich mit tragischen Folgen. 

Die 99-minütige Laufzeit dehnt sich ins Unendliche während die sperrige Handlung sich in unzähligen Nebenepisoden verliert. Jedes davon arrangiert neue archetypische Figuren in emblematischen Szenarien, deren pompöser Pathos den Mangel emotionalen Eindrucks unfreiwillig betont. Sehnsucht und Verlust bleiben hohle Behauptung, ein dramaturgisches Dekorum zwischen theatralischen Tableaus. Jene besitzen die schale Synthetik eines auf Prompts generierten CGI-Infernos. Lincoln Yeos Kameraaufnahmen atmen die ironiefreie Melodramatik eines Computerspiels. Statt Kunst regiert Künstlichkeit den von Primärfarben dominierten Kommerz-Kosmos.

Fazit

Mit ihrer historisch inspirierten Eleganz wirken Meredith Lees kongeniale Kostüme wie Fremdkörper in Nelson Yeos pompöser Adaption des titelgebenden Mythos. Dessen zeitlose Motive und poetische Anklänge erschlägt der seelenlose Schwulst der holprigen Inszenierung, die Charaktere und Konflikte lediglich als Vorwand für steriles Spektakel. Die Farbdramaturgie, die zwischen gleißendem Orange-Rot, Anthrazit und Weiß-Grau changiert, bleibt plakativer kunsthandwerklichen Gestus. Die eindimensionalen Figuren grenzen  mit ihren manierierten Dialogen bisweilen an Karikaturen. Ein ermüdender Reigen aus PC- und Pappmaché-Look. 

Autor: Lida Bach
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