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MB-Kritik

Border 2026

Drama

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Zheyan Li
Han Sanming

Inhalt

In einer vergessenen Stadt, in der die Männer gelernt haben, durch das Unterdrücken ihrer Gefühle und Sparsamkeit mit Worten zu überleben, treibt ein mittelloser junger Bergarbeiter still durch ein Leben, das er kaum noch spürt. Seine emotionslose Routine gerät ins Wanken, als eine geheimnisvolle junge Frau auftaucht und eine schlummernde Neugier sowie die Verheißung von etwas Neuem in ihm weckt. Er folgt ihr auf einen dunklen Pfad und lässt die stille Sicherheit der einzigen Welt hinter sich, die er kennt – ohne zu ahnen, dass die Fremde nicht die ist, die sie zu sein scheint.

Kritik

Gleich eines sozialrealistischen Neo-Noir entfaltet sich Ah Biaos fatalistisches Spielfilm-Debüt in einer surrealen Stadtlandschaft, in deren karger Industrie-Kulisse die vereinzelten Menschen buchstäblich und figürlich wie Fremdkörper wirken. Der junge Minenarbeiter Luo Jia (Zheyan Li) ist einer jener scheinbar ausschließlich männlichen Bewohner des entlegenen Bergbau-Orts im nord-chinesischen Grenzgebiet zur Mongolei. Seine dumpfe Routine aus Arbeit und Abstumpfung unterbricht die Begegnung mit der mysteriösen Su Qing (Feng Qi), deren enigmatische Präsenz ihn wortlos in ihren Bann zieht. 

Die unvertraute Nähe der Fremden verspricht einen Ausweg aus der seelischen und sozialen Isolation, in der zwischenmenschliche Nähe noch kälter wirkt als die schneebedeckte Szenerie. Biao, der neben Regie und Drehbuch auch Kamera und Schnitt übernahm, kleidet seine minimalistische Handlung in triste Tableaus, deren unwirkliche Aura die surrealistische Suggestivität von Magritte und Chirico beschwören. Einziger anderer Kontakt in diesem klaustrophobischen Konstrukt ist ein älterer Wachmann (Samming Han), mit dem Luo eine mechanische sexuelle Beziehung führt. 

Was diesen nahezu wortlosen Austausch motiviert, bleibt ebenso rätselhaft wie die Absichten und Gefühle der Figuren. Ihre psychische und physische Passivität erscheint zugleich als Symptom und Ursache der systemischen Starre. Innerhalb der kontrollierten Konstellation ist jede Form von Zuneigung und Zärtlichkeit ein Störfaktor, der in der einzig denkbaren Form von Ordnung keinen Platz hat. Das seine letzten Reste an Individualität sukzessive einbüßende Ensemble hat längst verlernt, Liebe zu kommunizieren, falls es deren Ausdruck je beherrschte. 

Fazit

Das einzige Ereignis, das in Ah Biaos deprimierendem Debüt-Werk einen Ausweg aus dem rigiden Regelwerk verspricht, führt noch tiefer in einen Abgrund aus Selbstverlust und Sinnlosigkeit. Dieser totale Nihilismus macht die existenzialistische Parabel inhaltlich so düster wie visuell. Die industrielle Peripherie, in der die technologische Hyper-Entwicklung des modernen China nie angekommen ist, erstreckt sich als soziales Niemandsland, in dem absolute Assimilation zum einzigen Daseinsprinzip geworden ist. Atmosphärisch eindringlich, doch dramatisch opak, ringt die spukhafte Systemkritik mit ihrer apodiktischen Allegorik. 

Autor: Lida Bach