6.2

MB-Kritik

Der Honiggarten - Das Geheimnis der Bienen 2018

Romance, Drama

6.2

Inhalt

Schottland, 1952: Die junge Ärztin und Bienenzüchterin Dr. Jean Markham (Anna Paquin) kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück, um die Praxis ihres Vaters zu übernehmen. Als der in der Schule drangsalierte Charlie (Gregor Selkirk) als Patient zu ihr kommt, freundet sie sich mit ihm an und weiht ihn in die Kunst des Bienenzüchtens ein. Den Bienen kann der Junge seine Geheimnisse anvertrauen, wie es Jean bereits als Kind getan hat. Durch Charlie lernt die Ärztin auch dessen alleinerziehende Mutter Lydia (Holliday Grainger) kennen, die es seit dem Scheitern ihrer Ehe nicht leicht im Leben hat. Als Lydia die Miete für sich und ihren Sohn nicht mehr bezahlen kann, nimmt Jean die beiden bei sich auf. Bei ihrem Einzug ahnt Charlie noch nicht, welches große Geheimnis es in der kleinen Stadt bald zu hüten gilt: Jean und Lydia kommen sich näher und aus Freundschaft wird mehr. Doch das spießbürgerliche Umfeld ist noch nicht bereit für eine Liebe zwischen zwei Frauen …

Kritik

Die Karriere von Regisseurin Annabel Jankel war durchaus Anfang der 90er mit Musikvideos sowie dem Mystery-Thriller D.O.A. - Bei Ankunft Mord verheißungsvoll, fand dann aber je ein Ende, als schließlich Super Mario Bros. die Kinos erreichte. Mit Der Honiggarten - Das Geheimnis der Bienen scheint gewissermaßen ein Comeback anzustehen, welches vor allem auf leise und subtile sowie gefühlvolle Momente setzt. Und ja, die Chemie zwischen Holliday Grainger und Anna Paquin funktioniert hervorragend und kann vor allem im ersten Akt für wunderbar unbeschwerte Momente voller Sehnsucht und Glück sorgen. Sogar die erzählerische Perspektive, die aus den Augen des noch sehr jungen Charlie Weekes (Gregor Selkirk) im hohen Alter nacherzählt wird, schafft eine authentische Atmosphäre, die einen Sommer voller Liebe und Unbeschwertheit liefert. Und dennoch: Der Honiggarten - Das Geheimnis der Bienen schafft es trotz seiner Ambitionen und Darstellerinnen nicht, gewohnte Klischees und Konventionen zu verlassen. Im Gegenteil, im fantasievollen Finale zerfällt das Konstrukt wie ein Kartenhaus bzw. Bienenhaus.

Der Honiggarten ist vor allem ein leises Drama voller Gefühl: Während Lydia (Holliday Grainger) gegen ihren Mann, Sexismus, die Dorfgemeinschaft und Armut kämpft, muss sich Dr. Jean Markham (Anna Paquin) ihren Dämonen aus der Vergangenheit stellen, die immer wieder ihre Lebensart bestimmen und vernichten wollen. Es geht um Liebe, Sehnsucht und Verlangen. Genau hier kann indes Annabel Jankel, basierend auf dem Roman Fiona Shaw und dem Drehbuch von Henrietta und Jessica Ashworth, die wohl stärksten Momente des Films erzählen und immer wieder kleine Nuancen setzen, die gerade zwischen Holliday Grainger und Anna Paquin perfekt harmonieren. Leider verlässt sich der Film dann aber doch zu sehr auf seiner Prämisse und umbaut diese mit – vor allem in der zweiten Hälfte – mit dramatischen Schicksalsschlägen, die nicht nur reichlich bekannt daherkommen, sondern auch sehr klischeehaft präsentiert werden. Gerade Ehemann Robert (Emun Elliott) verkommt zum Stereotyp, der nur das Finale einläuten soll.

Dieses wiederrum entpuppt sich unterdessen als größter Schwachpunkt des Films: Wo zuvor stille Momente im Vordergrund standen und vor allem Charlie und der Tanz der Bienen durchaus philosophische Einschübe bekommen haben, wird es schließlich reichlich überzogen. Der bislang fürsorgliche Charlie wirft seine eigenen Wertevorstellungen über Bord, während alles auf einen dramatischen Climax hinausläuft, der ins Reich der Fantasie abrutscht. Aus gefühlvoll authentisch und ruhig, wird laut und überdreht pompös. Die Geheimnisse werden vom Film selbst verraten, was schlussendlich auf ein Ende hinausläuft, welches weder nachvollziehbar noch befriedigend wirkt. Die Erzählung eines Sommers bleibt so vor allem eines: Eine vertane Chance. Zumindest schauspielerisch bleibt aber Der Honiggarten - Das Geheimnis der Bienen eine Wohltat. Für mehr reicht es am Ende aber nicht.

Fazit

Das Liebesdrama von Annabel Jankel ist ruhig, gefühlvoll und entführt in eine Zeit, in der Vorurteile eine Liebe im Keim ersticken konnten. Leider kann "Der Honiggarten - Das Geheimnis der Bienen" sein Geheimnis nicht kraftvoll bis zum Ende durcherzählen und verrennt sich in Fantasie, Klischees und viel zu dramatischen Sequenzen.

Autor: Thomas Repenning
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