6.5

MB-Kritik

Elisa y Marcela 2019

Romance, Drama, Biography

6.5

Jorge Suquet
Lluís Homar
Manolo Solo
Francesc Orella
Amparo Moreno
Luisa Merelas
Bella Agossou

Inhalt

Als Marcela an ihrem ersten Tag im Gymnasium auf Elisa trifft, beginnt eine tiefe Freundschaft, die schon bald zu einer romantischen Beziehung wird. Nichts kommt gegen die Gefühle der beiden Mädchen an, auch nicht das Misstrauen von Marcelas Eltern, die ihre Tochter schließlich auf ein Internat schicken. Jahre später begegnen sich die beiden Frauen wieder und beschließen, miteinander zu leben. Beide sind Lehrerinnen und werden geachtet, aber ihre Partnerschaft müssen sie vor der skeptischen katholischen Bevölkerung geheim halten. Daher entschließt sich Elisa, sich als Mann auszugeben und Marcela zu heiraten. Doch ihre Liebe bleibt großen Gefahren ausgesetzt.

Kritik

Eine Scharade, so durchschaubar, dreist und aberwitzig, dass es direkt beleidigend anmutet: Das liefert Isabel Coixets (The Bookshop) melodramatischer Kostümfilm gleich dreifach. Zum einen ist da die naive Maskerade, mittels derer die Titelheldinnen als Hetero-Paar durchgehen wollen: angemaltes Bärtchen und neuer Haarschnitt - echt jetzt? Ja, echt, aber alles andere ist falsch. Der Arthouse-Chic der dekorativen Schwarz-Weiß-Bilder von Cottage-Style-Interiors, lockenumrahmter Frauengesichter genauso wie die wohlfeile Toleranzbotschaft, die der schwülstigen Romanze den Nimbus sozialen Engagements geben sollen. Schließlich die Suggestion, der Wettbewerbsfilm sei eine emanzipatorische Geschichte und positiver Beitrag zur Festival-Parität.

Die schüchterne Marcela (Greta Fernández, Embers) und ihre ältere Kommilitonin Elisa (Natalia de Molina, You Shall Not Sleep) agieren unbedacht, motivlos und schlicht widersinnig in einem absurden Ausmaß, als beabsichtigte die Regisseurin und Drehbuchautorin eine Komödie. Dazu verkommt die von wahren Begebenheiten inspirierte Geschichte öfters. Dabei passt die Unbedachtheit der Frauen weder zu Marcelas Zurückhaltung noch Elisas Gerissenheit. Obwohl in einer Ära und ländlichen Umgebung sozialisiert, wo Homosexualität tabuisiert und verdammt wird, haben beide weder Aufklärungsdefizite noch Berührungsängste. Das betonen ausgedehnte Sexszenen mit Seetang und Oktopus als Toys. Porno-Paradigmen gewinnen auf der Berlinale durchaus Goldene Bären. 

Das bewies zuletzt Touch Me Not und einst Intimacy. Statt deren realistischer Hässlichkeit regiert hier kuscheliger Softporno-Schwulst. Den wenigstens versteht Coixet, wenn auch sonst nicht viel. Nicht, dass allen Widrigkeiten trotzende Liebe mehr ist als gesäuselte Briefprosa oder diametral entgegengesetzte öffentliche Reaktionen auf die Ehe mehr Begründung erfordern als: Spanier = grausam, Portugiesen = mitfühlend. Außerdem, dass Vorurteile nicht mit anderen Vorurteilen auszuräumen sind und dass Lochblenden und Schwarz-Weiß-Optik noch kein Kunstwerk machen und „starke Frauen“, die ständig heulen, kindische Pläne aushecken und von einem „guten Mann“ gerettet werden, keine sind.

Fazit

Als Meisterin pseudo-anspruchsvollen Kitschs mit einer satten Prise „Emanuelle“-Sex kreiert Isabel Coixet eine ästhetisierte Vergangenheitsphantasie, die mehr von historischen Schmachtfetzen und Werbeoptik inspiriert ist als historischen Personen. Deren realen Kampf verrät das zwischen verklemmtem Voyeurismus und gekünstelter Sentimentalität schwankende Liebesdrama, dessen tragische Dynamik weder Plot noch Darstellerinnen vermitteln können. Die weit von den Fakten entrückte Handlung fällt eher in die Kategorie kunsthandwerklich verbrämter Softpornos. Das ist nicht weiter dramatisch - im doppelten Sinne - stattdessen reichlich abgeschmackt, redundant und inspirationsarm, selbst mit Algen und Oktopus.

Autor: Lida Bach
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