MB-Kritik

Rumaragasa 2026

Drama

Elijah Canlas
Ron Angeles
Reynald Santos
Glenn Sevilla Mas
Nathan J. Sotto
Raf Rivera Rey
Nonong Reyes
Mely Merez
Piolo Arib
Keith Fejer
Robert Simon Rosas
Rodne Galicha

Inhalt

Mitte der 1990er-Jahre in der üppigen, aber bedrohten Landschaft der philippinischen Insel Sibuyan: Eli, ein zurückhaltender junger Mann, trägt die Last eines Traumas, das seine Community nicht anerkennen will. Der sexuelle Übergriff durch einen Gleichaltrigen, den Eli überlebt hat, ist sowohl von den Behörden als auch von Freund*innen als Rauferei abgetan worden. In der Folge hat sich Eli in eine Welt der Stille und Isolation zurückgezogen. Als er in den dicht bewachsenen Bergen der Insel Zeuge eines mysteriösen Flugzeugabsturzes wird und versucht, andere zu alarmieren, begegnet ihm sein Umfeld erneut mit Unglaube. In seiner Einsamkeit klammert sich Eli an Bruchstücke von Geräuschen und Erinnerungen – oft mithilfe der Kassetten, die er bei sich trägt – und sucht nach Mitteln des Ausdrucks und nach der Wahrheit. 

Kritik

Anders als der hiesige Verleih-Titel vermuten lässt, bezeichnet der Originaltitel Ryan Machados mystischen Melodramas nicht Zorn, sondern das Geräusch eines reißenden Flusses. Jener Flusslauf, Schlamm und Regen zählen zu den eindrücklichen Naturmetaphern, mit denen der philippinische Regisseur den psychischen Zustand seines traumatisierten Protagonisten verdeutlicht. Während sein letzter Film Huling Palabas 2023 in der Berlinale Sektion Generation einen nostalgischen Blick auf die abenteuerliche Ära der 80er warf, beschwört sein Jungtier Berlinale Beitrag nun im Panorama ein ungleich harscheres Bild der 90er. 

In der provinziellen Gegend von Sibuyan verfällt der junge Erwachsene Eli (Elijah Canlas, Sunshine) nach einer sexuellen Gewalterfahrung in tief verstörtes Schweigen. Während in seinem Heimatort langsam Gerüchte über sein seltsames Verhalten entstehen, wird er unvermittelt Zeuge eines Flugzeugabsturzes auf dem Guiting-Guiting Berg. Doch die örtliche Polizei will ihm genauso wenig glauben wie wenige Tage zuvor seine Anzeige des sexuellen Übergriffs. Das Desaster wird zum Auslöser einer umfassenden Wahrheitssuche, in der die Grenze zwischen Projektion und Wirklichkeit langsam verschwimmt. 

Inhaltlich dringlich und in seiner filmischen Sprache teils berauschend, teils verworren, ist das symbolistische Szenario in seiner Suche nach psychosozialer Aufarbeitung mitunter schwer zugänglich. Institutionskritik, Naturmystik und Seelenstudie verschmelzen zu einem filmischen Hybrid, der mehr durch dichte Atmosphäre und suggestive Bildsprache besticht als erzählerische Klarheit. Lange Takes des dichten Dschungels, der Nachts eine geisterhafte Aura annimmt, etabliert die üppige Landschaft als suggestive Kraft Elis psychischen Pfades. Das Ungeheure des Ungesagten manifestiert sich in spirituellen Schemen, deren visuelle Ausdruckskraft sich nur bedingt narrativ überträgt. 

Fazit

Wenn die Kamera in Ryan Machados parabolischem Psychogramm über verwitterte Pfade und durch morastiges Dickicht gleitet, überträgt sich in den unterschwellig bedrohlichen Bildern die Last des Schweigens und dumpfe Gewalt sozialpsychologischer Zwänge. Der elegische Rhythmus setzt mehr auf eine Stimmung schwelender Angst als narrative Kohärenz. Figuren sind in dieser optisch und perspektivisch gleichsam dunklen Dekonstruktion patriarchalischer Gender-Rollen und heteronormativer Heuchelei weniger Individuen als Personifikationen institutionalisierter Verdrängung und marginalisierter Verwundbarkeit. Das intuitive Schauspiel fügt sich nahtlos in die metaphysische Aufarbeitung eines fortbestehenden Tabu-Themas. 

Autor: Lida Bach
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