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Eine jugendliche Wüstenbande gräbt nach Überresten einer vergangenen Zivilisation. Das streng hierarchisch organisierte Gefüge gerät mit dem Auftauchen des Mädchens Billie, in das sich Victor verliebt, auseinander.

Kritik

Man muss nicht erst auf die Filme von Michelangelo Antonioni zurück gehen um leere Landschaften, bevorzugt die Wüste, entweder als Sinnbilder oder als Verlängerung der Psyche der Charaktere, die sie bewohnen, interpretiert zu sehen. In den meisten Fällen geht von der Wüste ein verstörender Aspekt der menschlichen Kondition aus, da es sich hier zum einen um die unberührte Natur handelt, aber gleichzeitig hier fast alles zum Sterben verurteilt ist. Einen ähnlichen Ansatz scheint Anna Falguères und John Shanks Film Pompei zu verfolgen, wenn hier die endlose Weite der Prärie das Aufwachsen einer Gruppe Jugendlicher rahmt. Zwischen fehlgeleiteten Rollenbildern, aggressiven Männlichkeitsidealen und jede Menge angestauter sexueller Energie driften sie durch die Einöde, auf der suche nach dem richtigen Pfad, den sie genauso wenig finden werden, wie der Film selbst seinen roten Faden. 

Pompei ist eine ziemliche Geduldprobe. Der Film lässt jede psychologische Nähe zu den Figuren in den weiten der Wüste verbrennen. Protagonist Victor (Aliocha Schneider, Closet Monster) etwa wird durch seine James Dean-ähnelnden Klamotten ausreichend als der Rebell charakterisiert, mehr gibt der Film nicht von ihm preis. Dieses Unwissen schlägt sich in der Zeichnung jeder Figur nieder. Auch Billie (Garance Marillier, Raw) das, für Ärger sorgende, frühreife Mädchen zieht hinter der Erweckung der Sexualität einen großen Schleier der Ahnungslosigkeit bezüglich ihrer charakterlichen Motivation. Dadurch hängt Pompei einen Großteil in einer Schwebe zwischen Vorahnung und Stillstand. Doch statt profunden Beobachtungen finden Falguères und Shanks in dieser Schwebe nur die ungreifbare Leere, welche sich spätestens im Finale des Filmes als solche offenbart. So interessant es auch ist alle charakterlichen Motivationen im Unklaren zu lassen, der Film sollte dies nicht als Anlass sehen, seine Figuren konsequent zu vernachlässigen. 

Denn über weite Strecken tut Pompei genau das. Weder die Kinder noch die Jugendlichen, dürfen aus ihren aufgezwungenen Rollenbildern ausbrechen. „They eat, they sleep, they fuck“ fasst es einer von ihnen schließlich zusammen und mehr bietet Pompei leider auch nicht. Körper erfühlen und ertasten sich, wollen eins mit der Landschaft werden. Das ist auf den ersten Blick noch ansprechend und sinnlich, geht aber in der erzählerischen Armut und der Monotonie der Ereignisse irgendwann völlig unter. Man bekommt auch nicht das Gefühl, hier einer Gruppe, auf die schiefe Bahn geratener, Kinder näher zu kommen, da der Film ihnen kaum nennenswerte Eigenschaften hinzufügt, außer dass sie allesamt triebgesteuert sind. Zugegeben, als Mood-Piece kann der Film über weite Strecken überzeugen. Die hypnotisierende Gitarrenmusik sowie die eindrucksvoll fotografierten Bilder laden zumindest teilweise zur Betörung ein, in den besten Fällen gelingt es ihnen sogar, die eigene Leere  zu kaschieren.

Fazit

„Pompei“ ist als Coming of Age-Drama zu oberflächlich und als Gangsterfilm zu einfallslos. In den beachtlichen Wüstenaufnahmen klafft eine schwer übersehbare Leere.

Autor: Jakob Jurisch

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