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Martin und Nikolaj leben für ihre Autos. Tagsüber tauschen sie Öl und Bremsen in einer Werkstatt, nachts fahren sie illegale Rennen in den Straßen von Kopenhagen. Als sie eine Corvette stehlen und Martin damit versehentlich eine Passantin tötet, sehen sie sich plötzlich mit den Konsequenzen ihres rasanten Lebensstils konfrontiert. Was hier als wilde Mischung aus getunten Volvos, nackten Brüsten, Kokain und Dosenbier beginnt, entwickelt sich zu einem nachdrücklichen Psychothriller über Schuld und Verantwortung.

Kritik

Trailer und Poster können manchmal ganz schön in die Irre führen. Da macht sich der Zuschauer schon vorher ein abschätziges Bild des Films, von dem er gerade mal 2 Minuten gesehen hat und meidet den Film am Ende vielleicht sogar noch komplett. Aber daran sind die Beteiligten des Films natürlich selbst Schuld. Christian E. Christiansens „On the Edge“ sah im ersten Moment noch nach einem müden Abklatsch á la „Fast and Furious - Dänemark“ aus, mit möchtegern coolen Typen, lauter Hip-Hop Musik und leicht bekleideten Statistinnen. Am Ende muss man aber beinahe jeden bemitleiden, der sich „On the Edge“ aufgrund seines schwachen Trailers entgehen lässt. Denn Christiansen bietet dem Zuschauer hier nicht nur ein paar schicke Rasersequenzen, sondern dem gegenüber eine sehr persönliche und eindringliche Geschichte zweier Freunde, die Fehler begannen haben und versuchen mit ihrer Schuld umzugehen.

Dabei könnten die ersten zwanzig Minuten des Films noch jeden schlechten Eindruck bestätigen. Da wummert der Beat, kreiseln die Autos und tanzen die Mädels ganz im Stil eines low-budget „Fast and Furious“-Films. Doch schon kurz danach wird deutlich, dass sich „On the Edge“ gar nicht so sehr ums Rasen kümmern will, sondern mehr auf seine Figuren und ihre Beziehungen eingehen möchte. Denn nachdem Martin (gut: Jakob Oftebro) im Adrenalin- und Alkoholrausch eine Passantin überfährt, kippt der Film vom oberflächlichen Ritt zum eindringlichen Drama über Schuld und Verantwortung. Gelobt werden soll an dieser Stelle Christiansens ruhige, aber dennoch sehr aussagekräftige Inszenierung, die in ihren besten Momenten sogar an Nicolas Winding Refns „Drive“ erinnert und der damit in Verbindung stehende Einsatz hypnotischer Klänge, sowie verschiedener Popsongs, die sich größtenteils gelungen in das Geschehen einfügen und Bild und Ton ein ums andere mal untrennbar von einander verbinden. An die extremem Close-Up-Szenen und die Shaky Cam muss man sich dabei zwar  gewöhnen, im Laufe des Films fallen diese Stilmittel aber kaum negativ auf.

Da der Film über weite Strecken ein Charakterdrama ist, steht und fällt der Film natürlich mit seinen Hauptdarstellern. Jakob Oftebro ("When Animals Dream") macht seine Sache wie erwähnt gut und schafft es überzeugend seine inneren Zweifel und den Selbsthass nur mit Mimik glaubhaft darzustellen. Auch Danica Curcic übernimmt den Part der von beiden Freunden Begehrten mit überzeugendem Charme und gibt der Figur in den richtigen Szenen eine Mischung aus Leichtigkeit und Strenge. Hervorheben muss man hier aber Cyron Melville ("Nymphomaniac 1"). Dieser bringt seinen Nikolaj nicht nur unfassbar sympathisch herüber, sondern findet genau den richtigen Zwischenweg zwischen Zweifel und Treue zu seinem Kumpel Martin, sowie Faszination, als auch Abneigung am Rennsport. Melville übernimmt den Part der Identifikationsfigur des Zuschauers mit Bravour.

Im Endeffekt muss man aber zugeben, dass „On the Edge“ seine Geschichte in gerade Mal 86 Minuten relativ schnell abspulen muss, wodurch manche Charaktere und Momente auf der Strecke bleiben. So gehen einige Storyverläufe auch etwas zu schnell. Ebenso will das Ende nicht hundertprozentig funktionieren, da man die finalen Auseinandersetzungen zum Einen von Anfang an hat kommen sehen und sie zum Anderen, wegen eines eher kurzen Aufbaus, nicht rundum mitnehmen können. Und dennoch: „On the Edge“ befasst sich weniger mit schnellen Autos und hübschen Mädchen und mehr mit dem Innenleben seiner Figuren und der Frage nach Schuld und Vergebung. Und das tut er überzeugend.

Fazit

Mit „On the Edge“ steht uns überraschenderweise kein „Fast and Furious“-Clon aus Dänemark ins Haus, sondern ein eindringliches Charakterdrama mit tollen Schauspielern, einer guten audiovisuellen Inszenierung, sowie netten Autorennen. Da kann man auch über das nicht immer gelungene Pacing und die voraussehbare Geschichte hinwegsehen. „On the Edge“ ist so schon eine der ersten positiven Überraschungen des Fantasy Filmfests.

Autor: Thomas Söcker

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