MB-Kritik

Mein Freund der Pornostar 2026

Rosa Friedrich

Inhalt

Rosa Friedrich hilft ihrem Freund Timo dabei, sich den Traum zu erfüllen, die Hauptrolle in einem Erotikfilm zu spielen. Als die Dreharbeiten näher rücken, kommen bei Timo jedoch Scham und Zweifel auf. Sein Gesicht wird per KI ersetzt, während Rosa mit einer Domina, drei Transfrauen und weiteren Personen zusammenarbeitet.

Kritik

„Wir sind Timo und Rosa, wir suchen eine Frau für einen Porno.“, bastelt Rosa Friedrich (Buschow) im ausführlichen Prolog ihres semi-dokumentarischen Hybrid-Projekts an einer Anzeige für Timos Trabfum-Filmprojekt. Er möchte laut kunterbunter Texttafeln „seine Sexualität durch Kunst ausdrücken“, sie „möchte ihm dabei helfen“. Die sich aufdrängende Frage, wie Porno in diese Konstellation passt, bleibt wie viele andere unbeantwortet. Zumindest hier versucht die Regisseurin und Co-Autorin immerhin, Timos Wunsch zu ergründen, wenn auch mit begrenztem Erfolg. So überrascht kaum, dass Timo abtaucht.

Rosa steht ohne ihren Titelcharakter da und für ihren Film über seinen Filmauftritt folglich ohne Material. Doch aus Neugier oder notgedrungen dreht sie weiter über den Porno-Plan, für den es nun zwei Darstellende zu finden gilt. Spätestens diese Prämisse stellt klar, dass Friedrichs Film - sowohl die Mockumentary als auch der darin verwickelte Porno - mit der im Titel angeteaserten Sexwork-Sektion nur rudimentär zu tun haben. Hier geht es um Selbstfindung, Selbstdarstellung und Schaulust eines alternativen Akademiker-Klüngels, der Sexarbeit als „großes Abenteuer“ betrachtet. 

Das jedenfalls ist Timos Formulierungsvorschlags für Rosas Job-Annonce, die sich dezidiert an unerfahrene und befangene Kandidatinnen richtet - Typen, die „schreiend weglaufen“, wenn der sexuelle Schwerpunkt des Unternehmens deutlich angesprochen wird. Eine professionelle Darstellerin lehnt Rosa und Aaron, der mit Hilfe von AI als Stand-In für Timo agiert, erwartungsgemäß ab: kein Konzept, kein Skript, keine Crew und wohl auch kein Budget. Pragmatische, aber elementare Aspekte werden ausgeblendet zugunsten privilegierter Ego-Ergründung. Ein bisschen nackte Haut, aber garantiert jugendfrei. Bunt, beliebig und belanglos.

Fazit

Auf einer Sex-Messe fängt Rosa Friedrichs zufällig die Stimmen dreier Sexarbeiterinnen ein, hört ihnen aber nicht lange genug zu, um ein paar reelle Einblicke in die Branche zu gewinnen. Diese Oberflächlichkeit ist exemplarisch für die arrivierte Egozentrik des filmischen Porno-Toursimus. Deren verschobener Fokus auf „die Lust, sich zu zeigen“ vs. „Die Angst, dafür verurteilt zu werden“ zeugt von einer aberwitzigen Apathie gegenüber dem eigenen bürgerlichen Status und der systemischen Diskriminierung der Branche, von der sich ihr unergiebiges Experiment klar abgrenzt. 

Autor: Lida Bach
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