MB-Kritik

Against Nature 2026

Jonathan Zárate
Esmeralda Gaytan
Norberto Gaytan
Demetrio Navarro Puente
Marina Ruby Reyna Corpus
Rafael Navarro Romo

Inhalt

Die Geschichte folgt Jonás, der aufs Land zurückkehrt, um als Steinmetz zu arbeiten, und sich dabei einer immateriellen Kraft öffnet, die die raue Landschaft und die Zeit selbst durchdringt.

Kritik

„Bevor wir hier waren, gab es kein Böses.“, ertönt es einmal gleich einer unterbewussten Mahnung in Axel Berthas metaphysischem Mystery-Drama. Dessen schweigsamer Protagonist sieht überall um sich herum die Zeichen einer destruktiven Dissonanz zwischen der menschlichen Zivilisation und einer urwüchsigen Landschaft. In den mexikanischen Hochlanden, in die Jonás (Jonathan Zarate) nach jahrelanger Abwesenheit zurückkehrt. Seine kleine Tochter und deren Mutter erkennen ihn nicht und in den Augen der Gemeinschaft seines entlegenen Heimatdorfs wirkt er so fremd wie sie in seinen. 

Eine Handlung im konventionellen Sinn existiert nicht in der suggestiven Studie intuitiver Ängste und psychosozialer Korrosion. Das Szenario wächst gleich eines mystischen Mosaiks aus expressionistischen Eindrücken, deren verzerrte Blickwinkel auf alltägliche Ereignisse das Vertraute gespenstisch und bedrohlich erscheinen lassen. Exemplarisch zeigt diese verunsichernde Verfremdung die spukhaften Szenen des nächtlichen Treibens einer Schafherde. Flackernde Lichte in der pechschwarzen Nacht und die Rufe der Hüter erwecke eine Ahnung von der Furcht und Desorientierung der Tiere, deren Leid die Kamera wiederholt beklemmend zentriert.

Individuelle Grausamkeit steht vor dem Hintergrund fundamentaler Eingriffe in ein Gleichgewicht, auf dessen Verschiebung Jonás wie ein Sensor reagiert. Ohne gesprochene Dialoge transportiert Jonathan Zárate die wachsende Anspannung des archetypischen Hauptcharakters mit bemerkenswerter physischer Präsenz. Gedämpfte Braun- und Grüntöne greifen die Farbpalette der rauen Naturkulisse auf und tauchen sie in fahles Licht. Eine unauflösliche Verbindung zwischen Mensch und Landschaft zieht ihn unentrinnbar in ihren Bann. Unausgesprochene Schuld und verdrängter Schmerz fordern von ihm ein Opfer, das Ruhe bringt, aber keine Erlösung. 

Fazit

Christliche Rituale und animistische Analogien überlagern einander in Axel Berthas fatalistischer Meditation über die Brutalität menschlicher Existenz und Grausamkeit als Teil eines ewigen Kreislaufs. Reduzierte Dramaturgie schafft Raum für eine hypnotische Bildsprache, die Realität und spirituelle Erfahrung verwebt. Als eine Verflechtung seelischer Zustände wird das Geschehen sinnlich erfahrbar. Andrés Silvas kongeniales Sounddesign und das naturalistische Schauspiel des überwiegend nicht-professionellen Ensembles verliehen den ausdauernden Einstellungen eine organische Kraft. Das opake Narrativ über Transzendenz und Vergänglichkeit belohnt Geduld mit bestechender atmosphärischer Dichte.

Autor: Lida Bach
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