MB-Kritik

Low Expectations 2026

Marie Ringheim
Anders Danielsen Lie
Tone Beate Mostraum
Embla Berntsen
Snorre Kind Monsson
Clara Dessau

Inhalt

Die Karriere einer erfolgreichen jungen Künstlerin gerät aus der Bahn und zwingt sie zur Rückkehr in ihre Heimatstadt. Während sie als Lehrerin an einer Highschool ihren Lebensunterhalt bestreitet, kämpft sie gegen Depressionen an und entdeckt sich selbst auf unerwartete Weise neu.

Kritik

Wenn das antifeministische Romanzen-Trope der erfolgreichen Großstadt-Businessfrau, die in ihr wahres Glück in ihrem provinziellen Heimatort an der Seite eines Mannes findet, mit dem Trend schauspielernder Pop-Stars kombiniert und dazu noch ein paar angesagte Problemthemen wie Depression und Leistungsgesellschaft einstreut, was kommt dabei heraus? Nichts Gutes. Das zeigt Eivind Landsviks Spielfilm-Debüt, dessen Premiere in Cannes Directors Fortnight den für das Festival programmatischen Patriarchalismus auch in der Parallel-Sektion für Independent-Film verankert. Der Titel wirkt unfreiwillig ironisch für ein Werk, dessen konservativer Konformismus bedrückend zeitgeistig ist.

Die Besetzung von Norwegens Pop-Sternchen Marie Ulven in der Hauptrolle der erfolgreichen Musikerin Maja, die auf eine private Krise zusteuert, unterstreicht diese regressive Synergie reaktionärer Narrative und eines profitablen alternativen Image. Offenbart überfordert davon, dass alles für sie wunderbar läuft, verliert sich Maja in Alkoholexzessen, deren körperliche Folgen Landsvik voyeuristisch zelebriert. Der miserable Zustand der Protagonistin erscheint als psychosomatische Reaktion auf eine materielle, strukturelle und familiäre Unabhängigkeit, der sie als junge Frau vermeintlich nicht gewachsen ist. Was sie braucht, ist häusliche Wärme, Provinzmief und einen Partner.

So jedenfalls sieht es die schablonenhafte Story. Majas Rückkehr in ihr altes Familienheim behebt automatisch sämtliche ihrer Probleme, die ohnehin nie glaubhaft waren. Mama (Tone Beate Mostraum, Oslo, 31. August) verschafft ihr eine Aushilfsstelle an der örtlichen Schule, wo sie in einer Art Vorstufe mütterlicher Betreuungspflichten gedeiht. Wie zur Belohnung für diese Assimilation an konservative Normen deutet sich eine aufkeimende Liaison mit Aufseher Johannes (Anders Danielsen Lie, Everybody Digs Bill Evans) an. Der Substanzentzug hingegen erscheint als Strafe für unmoralische Dekadenz. Ein didaktisches Ende besiegelt die larmoyante Lektion in regressivem Formalismus. 

Fazit

Matte, melancholische Kameraaufnahmen von Andreas Bjørseth und ein aufgesetzter Naturalismus, der sich gestellter anfühlt als Hochglanz-Optik, verpacken Eivind Landsviks paternalistisches Persönlichkeitsporträt in einen generischen Indie-Look. Marie Ulvens unsicheres Schauspiel gibt der Zerbrechlichkeit ihrer Figur eine paradoxe Substanz, doch auch diese kann die Wehleidigkeit nicht vollends glaubhaft machen. Gelenkt von rigidem Moralismus folgt jedes Ereignis vorhersehbaren Bahnen. Das musikalische Motiv bleibt ein opportunistisches Gimmick, das weder die Psychologie noch Drama vertieft. Ein dramaturgisch und visuell entsättigter Abklatsch The Moment, ohne dessen Selbstironie und Biss. 

Autor: Lida Bach
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