6.4

MB-Kritik

James Bond 007 - Diamantenfieber 1971

Action, Adventure, Crime, Thriller – UK

6.4

Sean Connery
Jill St. John
Charles Gray
Lana Wood
Jimmy Dean
Bruce Cabot
Putter Smith
Bruce Glover
Norman Burton
Joseph Fürst
Bernard Lee
Desmond Llewelyn
Leonard Barr
Lois Maxwell
Margaret Lacey
Joe Robinson

Inhalt

Große Mengen Diamanten verschwinden, ohne auf dem internationalen Markt wieder aufzutauchen. James Bond wird in einen Schmugglerring infiltriert, um der Sache nachzugehen. Die Spur führt nach Las Vegas und zu keinem Geringeren als Bonds Erzfeind Ernst Stavro Blofeld. Siebter Film der legendären James Bond – Reihe, wieder mit Sean Connery in der Rolle des britischen Superagenten

Kritik

„Und wieder auf ein Neues…“

…sagt ein Croupier während der Casino-Szene im nunmehr siebten (offiziellen) James Bond-Leinwandabenteuer, tatsächlich ist aber eher die Rückkehr zum Altbewehrten, mit eingekniffenem Schwanz. Obwohl Im Geheimdienst ihrer Majestät unter Fans heutzutage zu den besten Bond-Filmen seiner Zeit gezählt wird, galt er damals im allgemeinen Kanon als Enttäuschung und so ließ man das Experiment mit George Lazanby in der Hauptrolle wieder fallen. Für Diamantenfieber wurde Sean Connery wieder zurückgeholt, dass hätte man aber lieber an anderer Stelle machen sollen.

Denn auch bei seinem dritten (Onscreen-)Auftritt wurde Dauerrivale Blofeld wieder umbesetzt. Schon der Wechsel von der ikonischen Performance eines Donald Pleasence (Die Klapperschlange) in Man lebt nur zweimal hin zu Telly Savalas (Ein Köder für die Bestie) bei Im Geheimdienst ihrer Majestät war ein dezentes Upgrade, wobei das gar nicht mal an Savalas selbst lag. Als Standalone-Villain hätte er sich einen Platz in der ewigen Bestenliste locker erspielt, als Zweitbesetzung hat dies leider immer einen gewissen Makel. Was man an ihm hatte, wird einem schmerzhaft bewusst, wenn man nun mit Charles Gray (Theater des Grauens) vorliebnehmen muss, der beim besten Willen nicht mal ansatzweise an das Charisma seiner beiden Vorgänger heranreicht. Aber selbst das wäre sicherlich noch zu verschmerzen gewesen, wenn der siebte Teil der Reihe nicht auch in allen anderen Belangen sang- und klanglos den Bach heruntergehen würde. Bis auf den mal wieder sehr eindringlichen Titelsong von Shirley Bassey (natürlich „Diamonds are forever“) ist das hier eine absolute Vollkrise, die nicht mal die erfahrene Hand von (ebenfalls) Franchise-Rückkehrer Guy Hamilton noch retten kann, der mit Goldfinger einen der besten Bond-Filme bis dahin inszenierte.

Schon die ersten fünf Minuten sind das reine Chaos, stimmen aber einen somit schon mal passend auf die restlichen zwei Stunden ein. Endete Im Geheimdienst ihrer Majestät noch mit einem echten Paukenschlag, wird auf diesen praktisch gar kein Bezug mehr genommen. Ja, Bond ist stinkig und immer noch auf der Jagd nach Blofeld, wäre er aber auch so gewesen, so gesehen hätte dieser Film auch nach jedem anderen Teil kommen können. Die Story um irgendein groß angelegtes Diamanten-Schmuggel-Komplott ist ziemlich uninteressant, zwischenzeitlich leicht verwirrend und eindeutig nur Mittel zu Zweck, um am Ende wieder auf den „spektakulären“ Showdown hinzusteuern, der als einziges wohl schon von Anfang an so im Drehbuch stand. Bis wir da hinkommen, ist aber sehr viel Durchhaltevermögen erforderlich und es schwankt öfter zwischen lächerlich (Bond tarnt sich, indem er sich selbst liebkost), längst ziemlich peinlich und nun noch unangenehmer als schon in den Vorgängern – und das bestimmt nicht nur aus einer heute natürlich sensibleren Sichtweise.

Speziell die Connery-Ära zeichnete sich ja durch heftigen Sexismus aus und ja, das ist irgendwo ein Kind seiner Zeit, aber spätestens bei Diamantenfieber wird das Ganze endgültig sehr befremdlich. Ein inzwischen deutlich eingefärbter Connery wirkt nun mehr wie ein grummelig-ekelhafter Suger-Daddy, der das (leider auch sehr farblose) Bond-Girl Tiffany Case (Jill St. John, The Player) extrem mies behandelt. Die wird in einer Tour nur mürrisch angepflaumt, erniedrig, beleidigt und als vollkommen unfähig dargestellt, wenn sie nicht zum Wohle der Nation begrabbelt werden muss. Selbst in einer Bond-Welt kommt das sehr uncharmant rüber. Dazu kommt diesmal noch eine sehr kräftige Portion Rassismus („Klopfer? Na, da kann ich bei Gelegenheit mal auf den Busch klopfen!“) und eine noch deftigere Prise Homophobie. Hier wird ein bewusst hässliches Tunten-Cartoon-Schergen-Pärchen aufgefahren, dass am Ende quasi mit „seinen eigenen Waffen“ geschlagen wird, nicht ohne sich auch noch sehr abfällig darüber zu äußern. Ganz hervorragend.

Politisch somit unter aller Sau, in seinem Casting an praktisch jeder entscheidenden Stelle mit der falschen Entscheidung und vom Plot über weite Strecken komplett austauschbar und irrelevant, kann Diamantenfieber selbst im großen Finale kaum überzeugen. Für seine Zeit ist das natürlich nicht ernsthaft schlecht, dafür ist das Produktionsvolumen einfach auch zu hoch und ein Guy Hamilton handwerklich schlicht zu gut, aber jeder Bond-Film hatte bisher wenigstens dieses eine Set Piece zu bieten, was nachhaltig im Gedächtnis blieb und irgendwie deutlich herausstach. In dem Verhältnis – und da wir uns nun schon im siebten Anlauf befinden -, ist das schlicht zu wenig. Außerdem: warum darf Q (Desmond Llewelyn) Bond nicht mit coolen Gimmicks versorgen und stattdessen nur selbst einen Spielautomaten damit bescheißen? Selbst da ist einem nichts Besseres eingefallen? Erbärmlich. Ach so, was ist denn mit den exotischen Locations, wohin geht es diesmal? Für ein paar Minuten nach Amsterdam (cool, aber die Außenaufnahmen beschränken sich auf einen Bruchteil), dann nach Las Vegas (nur Innenräume) und dann halt auf diese Bohrinsel im Finale. Wow. Also dieses Comeback haben sich wohl alle Beteiligten ganz anders vorgestellt. Hoffentlich…

Fazit

Die alten Bond-Filme müssen alle mit einer gewissen Sportlichkeit betrachtet werden und auch dann sind nicht alle wirklich gut, aber das hier ist schon eine ziemlich peinliche Nummer. „Diamantenfieber“ sollte eine Art Kurskorrektur darstellen und verkommt dabei zu krachenden Bruchlandung, die sich wohl nur von echten Bond-Hardlinern noch schöngeredet werden kann. Zumindest schlug man danach einen etwas anderen Kurs ein, wenigstens mit der (längerfristigen) Neubesetzung von Bond. Speziell aus heutiger Sicht ist das hier teilweise nicht mehr zu ertragen. 

Autor: Jacko Kunze
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