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Psychothriller aus dem Jahr 1962, der auf dem gleichnamigen Roman von John D. MacDonald basiert. Der Psychopath Max Cady kommt frisch aus dem Knast und hat nur eines im Sinn: Rache an seinem Anwalt Sam Bowden, dem er seine langjährige Strafe anlastet. Cady terrorisiert die Familie des Anwalts. 1991 filmte Martin Scorsese ein erfolgreiches Remake.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Ich lass mich durch Sie zu nichts hinreißen. Das war Ihr Punkt, ich schlag später zurück!“

Mit Blick auf das gängige Hollywoodkino der frühen 60er Jahre wirkt Ein Köder für die Bestie eigentlich zur völlig falschen Zeit am genau richtigen Ort. Die dunklen Jahre des Film Noir waren vorbei, der radikale Umbruch der New-Hollywood-Ära noch in halbwegs weiter Ferne. Zu diesem Zeitpunkt wollte kein US-Großstudiofilm das Risiko eingehen, sich mit einem verstörenden Inhalt die Finger zu verbrennen, dem Heile-Welt-Publikum schlaflose Nächte zu bereiten. Ausnahmen bestätigten zwar damals schon die Regel (mit Was geschah wirklich mit Baby Jane? entstand im gleichen Jahr ein weiterer Klassiker des Psychothrillers), etwas ähnlich Konsequentes, abgrundtief Böses wie dieses Monster von einem Film war trotzdem außergewöhnlich und ist es selbst heute noch.

Es beginnt mit dem unvergesslichen Score von Bernard Herrmann (Der Mann, der zuviel wusste), bei dem sich immer noch die Nackenhaare hochstellen. Robert Mitchum (Goldenes Gift) marschiert in der Rolle des gerade aus 8jähriger Haft entlassenen Vergewaltigers Max Cady schnurstracks durch die Kulisse vom damaligen Oscargewinner Wer die Nachtigall stört (ist tatsächlich so: UNIVERSAL verwendete die aufwändigen Studiobauten in mehreren Filmen), Gregory Peck (Moby Dick) darf erneut in der Rolle eines Anwalts gleich sitzen bleiben. Er – Sam Bowden – ist das Objekt der krankhaften Begierde. Daraus macht Cady auch keinen Hehl. Aufgrund seiner Aussage wurde er damals verurteilt, nun ist er wieder ein freier Mann, der Rache gerne eiskalt und geduldig genießt. Ein falscher Schritt würde ihn sofort wieder hinter schwedische Gardinen befördern, also umkreist er seine Beute. Gut sichtbar, ihr immer im Nacken und manchmal viel zu dicht dran, doch stets in einer legalen Grauzone. Er will, dass sich das potenzielle Opfer seines drohenden Schicksals bewusst ist. Will es locken, reizen, in Panik versetzen, aber immer ohne direkte Handhabe gegen ihn. Stalking in Perfektion.

Regisseur J. Lee Thompson (Die Kanonen von Navarone) wurde nach seinem bahnbrechenden Meisterwerk des Thrillergenres langsam aber sicher in die zweite bis dritte Reihe verschoben, konnte nie wieder auf diesem Niveau sein Können zeigen. Martin Scorsese (The Wolf of Wall Street) zollte ihm 1991 mit Kap der Angst – dem Remake zu diesem Film – seinen Tribut, was bei einem Remake speziell heutzutage nicht immer zwingend der Fall ist. Scorsese hielt sich dicht an die Vorlage, verwendete u.a. den Score erneut und besetzte die Stars Peck & Mitchum (sowie Martin Balsam, Mord im Orient Express) in kleinen Rollen, ergänzte nur interessante Aspekte (das sexuelle, subversive Umgarnen der Teenagertochter; die Tatsache dass der Anwalt sich damals wirklich mit Schuld belud anstatt nur Zeuge gewesen zu sein). Eine würdige Neuauflage, dessen Qualität es ohne diese Basis nie gegeben hätte. In einigen Punkte sind sie sich ebenbürtig, oft sogar, doch an manchen ist Ein Köder für die Bestie trotz seines Alters immer noch eine Klasse für sich.

Stringent, ohne die kleinste Abweichung von der Ideallinie, treibt dieses clevere, perfide und enorm bösartige Exemplar seinen Plot voran und vor sich her den bemitleidenswerten Saubermann Bowden. Stück für Stück aus seiner rechtschaffenden, an Gesetz und Justiz glaubenden Wohlfühlszene gedrängt. Nachdem er bemerkt, dass sein Gegner mit allen Wassern gewaschen ist, sich trotz seiner eindeutig psychopathischen, rachsüchtigen Natur nicht zum geringsten Fehler hinreißen lässt und jedes nur erdenkliche Mittel der legalen und halblegalen Verteidigung an ihm abprallt, bleibt ihm in letzter Konsequenz nur das Undenkbare: Seine eigene Familie als Lebendköder dem Ungeheuer zum Fraß vorwerfen in der Hoffnung, es so zu erwischen. Die endgültige Kapitulation der eigenen Werte und vor der Bestie, im wahrsten Sinne des Wortes bestialisch gut verkörpert von Robert Mitchum, ähnlich seiner brillanten Performance in Die Nacht des Jägers. Sein Max Cady ist brandgefährlich, skrupellos, prahlt mit seinen Schandtaten (der Dialog der beiden in der Bar erzeugt schauderhaftes Kopfkino, ohne dass irgendetwas visualisiert werden muss) und ist gleichzeitig so abgebrüht, bis zuletzt wie ein Gespenst immer präsent, aber nicht effektiv greifbar.

Fazit

Das Thema Stalking aber auch sexuelle Gewalt im justiziellen Schlupflochbereich (ganz aktuell ja wieder viel diskutiert), das perverse Spiel mit Angst und Scham der Opfer, greift dieser Film schonungslos auf. Verdeutlicht erschreckend, wie weit man gehen und trotzdem untouchable bleiben kann, wenn man die Spielregeln kennt. Dies verdichtet Ein Köder für die Bestie zum ausweglosen Schockszenario, das keine Hoffnung auf Hilfe übriglässt, nur noch zum verzweifelten Gegenschlag. Einem, der sich gewaschen hat. Dieses abgöttisch brillante Finale krönt einen nicht immer entsprechend gewürdigten Meilenstein, der nicht nur seiner Zeit weit voraus war, sondern unabdingbar ein Stück Filmgeschichte ist. Darüber hinaus einer der seltenen Fälle, bei dem Original und Remake wirken wie aus einer Familie und nicht wie Erbschleicherei einer verwöhnten Göre.

Autor: Jacko Kunze

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