Inhalt
In ihrer Jugend war Sumiati eine beliebte Jatilan-Tänzerin, doch heute lebt sie als Witwe allein. Nachdem ihr Mann durch seine Spielsucht ruiniert wurde und sich das Leben nahm – wobei er ihr nichts als Schulden hinterließ –, sieht sich Sumiati gezwungen, ihre einzige Tochter Sri zu verheiraten, um die Schulden begleichen zu können. Sie kann Sri jedoch nicht vor einem gewalttätigen, alkoholabhängigen Schwiegersohn schützen, und so flieht Sri ins Ausland, um dort als Arbeitsmigrantin zu leben.
Kritik
Christine Hakims (The Sea Speaks His Name) eindringliche Verkörperung der zwiespältigen Titelheldin Eddie Cahyonos (Siti) Beitrags zum Wettbewerb des 31. Busan International Film Festivals wird zum fesselnden Ankerpunkt einer filmischen Fabel struktureller Ausbeutung und systemischer Unterdrückung. Dieses äußere Gefängnis sozialökonomischer Repression findet sein psychisches Pendant in internalisierter Härte. Abgestumpft durch die alltägliche Erfahrung existenzieller Marginalisierung wird die Familie Teil jenes unerbittlichen Kreislaufs, als heimischer Nährboden generationsübergreifender Gewalt. So auch die Sumiati (Hakim), die vor dem Leid ihrer einzigen Tochter so lange die Augen verschließt, bis es fast zu spät ist.
Ein experimenteller Prolog gibt Sri (eindringlich: Ayushita Nugraha) eine Stimme, die aus dem Off erklingt, während sie die traditionellen Tanzaufführungen ihrer Mutter mit den älteren Frauen des entlegenen Schauplatzes beobachtet. Kulturelle Bräuche ästhetisieren gleichsam das patriarchale Grundgerüst, dem sich die junge Frau entgegenstellt. Die Tanzaufführung besingt die sagenhafte Gestalt Shinta, die sich als Verkörperung ehelicher Treue und Tugend bei lebendigem Leib verbrennt. „Für was?“, fragt Sri, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigem Gatten Sum in ihrem brutalen Arbeitgeber dem nächsten Täter begegnet.
Sumiati erfährt erst zwei Jahre später von den fatalen Konsequenzen ihrer Abweisung gegenüber ihre Tochter, die sich hilfesuchend an sie wendete. Im Todes-Trakt erwarte Sri in Saudi Arabien ihre Hinrichtung für den Mord an ihrem Arbeitgeber. Überwältigt von Schuldgefühlen will Sumiati sie retten, doch Sri will ihren Beistand nicht mehr. Während ihre Mutter mit allen Mittel das Reisegeld aufzutreiben versucht, verschwimmen vor ihrem inneren Auge Vergangenheit, Phantasie Gegenwart. Cahyonos kunsthandwerkliche Abstraktion häuslicher Gewalt macht als stilistische Entsprechung deren mythischer Überhöhung die Inszenierung so ambivalent wie ihre Titelfigur.
Fazit
Stummfilm-Szenen ähnelnde Schwarz-Weiß-Aufnahmen der des Mordes angeklagten Tochter der Protagonistin umtanzen die junge Frau, die ihre Mutter und das Publikum mit anklagendem Blick fixiert. Die stilisierte Eröffnungsszene Eddie Cahyonos symbollastigen Sozialdramas bündelt neben deren gewichtigen Themen auch die manierierte Herangehensweise. Jene stellt expressive Optik und visuelle Verfremdung über eine analytische Auseinandersetzung mit den diffizilen Themen. Die Verschlingung von Traditionalismus, Spiritualität und ökonomischen Zwängen zeigt sich nur schemenhaft in der ambitionierten Allegorie. Narrative Fragmentierung verkompliziert zusätzlich das chronologische Verständnis der schauspielerisch starken, inhaltlich ungleich schwachen Projektionsfläche männlicher Emanzipationsideen.