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Quelle: themoviedb.org
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  • 92 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Rosa steigt hinab in ihre Kindheit, zu jenen verstörenden Momenten, als ihre Mutter inhaftiert wurde, beschuldigt, den Mann ihrer Nachbarin getötet zu haben. Jahrzehnte später begibt sie sich mit der Mutter, die sie nie wirklich hatte, auf eine magisch-realistische Reise, um endlich schöne Erinnerungen wiederzufinden – durch die Landschaften Nordbrasiliens und jene ihres Seelenlebens. Auf schimmernden Hügeln, im gleißenden Wüstenlicht, im klapprigen Hot Dog Van und im farbkräftigen Motel- und Barambiente verläuft ein fantastischer Roadtrip. 

Kritik

Traum, Erinnerung und herbe Realität überlagern einander in Janaína Marques‘ impressionistischen Kino-Debüt, das im Forum der 76. Berlinale seine Premiere feiert. Formal eigenwillig und mit experimentellen Ansätzen konstruiert die brasilianische Regisseurin ein persönliches Palimpsest, das Zeit nicht als gerade Linie, sondern elliptische Verschlingung interpretiert. Der aus dem dramaturgischen Parallelisieren subjektiver Zeitebenen entstehende fragmentierte Ansatz spiegelt den emotionalen Kosmos der Protagonistin. Rosa (Verônica Cavalcanti) konfrontiert eine beunruhigende medizinische Nachricht mit der Verletzlichkeit ihres Körpers und der Flüchtigkeit der menschlichen Existenz.  

Angewiesen, während der Untersuchung an eine “glückliche Erinnerung” zu denken, beliebt sich die Mitfünfzigerin auf eine innere Reise. Begleitet von der Figur ihrer Mutter Dalva (Luciana Souza, Redbelt) die ihr mal as ältere, mal als jüngere Frau erscheint, wandert sie durch surreale Landschaften und erlebt mystische Momente. In beiden verraten sich innere Sehnsüchte der Hauptfigur, die sich zugleich mit dem Versterben ihrer Mutter und dem eigenen möglichen Tod auseinandersetzen muss. Trauer und Verlustschmerz manifestieren sich in der magisch-realistischen Fabel langsam und stetig über Jahre hinweg.

Dieser untypische Gegenentwurf deutet Trauer als eine in Intensität wechselhafte Konstante. An diese Grundkonstellation knüpfen sich eine Vielzahl an Themen von sozialstrukturellen  bis zu ökonomischen Aspekten. Das Drehbuchautoren-Quartett Xenia Rivery, Pablo Arellano, Taís Monteiro und Pedro hat jede*r augenscheinlich eine eigene dramatische und formale Vision. Das bereits assoziativ angelegte Szenario wird durch diese stimmliche Vielfalt noch verschwommener, doch findet immer wieder zurück zum Kernmotiv der nostalgischen Sehnsucht. Klare Handlungsebenen weichen einem kinematischen Kaleidoskop, das zwischen individuellen Interpretationsflächen und esoterischem Eskapismus mäandert. 

Fazit

Ohne narrative Verankerung driftet Janaína Marques poetisches Experiment zu oft in Selbstreferenz und Sentiment. Magisch-realistische Elemente verwischen die Grenze zwischen tatsächlichen Ereignissen und Wunschdenken, dessen psychologischen Hintergründe vage bleiben. Überzeugend sind dafür die darstellerischen Leistungen, insbesondere Luciana Souzas ruhige Präsenz. Satte Farben geben den schwelgerischen Landschaftsbildern des nordöstlichen Brasiliens und den intimen Interieurs, die zugleich psychische Zustände abbilden, eine organische Haptik. Dezenter Humor und eine unbefangene Annäherung an Vergänglichkeit, auch die des eigenen Körpers, geben der zentralen Mutter-Tochter-Beziehung dennoch milden emotionalen Nachhall.

Kritik: Lida Bach

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