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Quelle: themoviedb.org
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  • 108 Min Family
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Nach einem Verlust versucht eine Schwarze brasilianische Familie in Belo Horizonte, ihr Zuhause und ihr Leben neu aufzubauen. Gefangen in Erinnerungen und Albträumen und unfähig, über ihre Gefühle zu sprechen, begegnen Mutter und Kinder ihrer Trauer vor allem mit Alltagsritualen. 

Kritik

Verlust, Verdrängung und Verbundenheit innerhalb einer Familie, deren Angehörige alle ihren eigenen Weg zum Umgang mit dem Schmerz finden müssen, bilden das leise Momentum Grace Passôs (Amores 1500) tiefgreifenden Spielfilm-Debüts. Dessen symbolreiches Szenario entspringt einer umfassenden Neubearbeitung ihres 2006 uraufgeführten Theaterstücks “Amores Surdos”, in dem die brasilianische Regisseurin und Autorin die elementaren Auswirkungen von Kommunikationsunfähigkeit und emotionalem Rückzug untersucht. Mit bewusst reduzierter Dramatik und intuitivem Gespür für psychologische Zwischentöne erkundet ihre metaphysische Meditation einen Haushalt erschüttert von einem kürzlichen Todesfall. 

Jener trifft erst nach rund einer Stunde die vielköpfige Mittelstands-Familie, deren innere Strukturen und gemeinschaftliche Dynamik sorgsam beobachtete Alltagsszenen etablieren. Der kleine Tutu (Efraim Santos) wird zum individuellen Fokus des Geschehens, das sich vor allem auf der psychologischen Ebene entfaltet. Unaufgeregte, doch gewichtige Momente zeigen das seelische Ringen der Figuren. Sie kämpfen sowohl mit der eigenen Sprachlosigkeit angesichts des Schicksalsschlags, als auch dem Gefühl der Verlassenheit durch ihre Verwandten, die sich ebenfalls kaum mitteilen können. 

Am Rande der Erwachsenenwelt, deren Aufmerksamkeit er mal zufällig entgeht, mal bewusst ausweicht, verfolgt Tutu die Interaktion seiner Familie. Als eine Art offenes Kammerspiel entfaltet sich die Handlung nahezu ausschließlich im Haus, das zum eigenen Charakter wird. Angefüllt mit persönlichen Erinnerungen, die zugleich trösten und schmerzlich sind, wird die verschachtelte Wohnung zur Allegorie des titelgebenden Geheimnisses. Dieses ist keine Enthüllung im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr Synonym der bitteren Wahrheiten, die allen bewusst sind, und dennoch unausgesprochen bleiben.

Fazit

In matten Pastellfarben, die den gehemmten Gefühlsausdruck der Charaktere betonen, zeichnet Grace Passô ein zurückhaltendes Porträt der differenzierten Dimensionen von Trauer und Abwesenheit. Gleich des jungen Protagonisten schleicht die Kamera durch die offen ineinander übergehenden Räume des häuslichen Hauptschauplatzes und lässt so das Publikum die physische und emotionale Leere spüren. Geisterhafte Elemente wirken in diesem sanften Symbolismus weniger angstvoll denn märchenhaft; eine paranormale Parabel psychischer Bewältigung als kollektiver Konfrontation. Darstellerisch und formal prägnant; dramaturgisch geduldszehrend abstrakt. 

Kritik: Lida Bach

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