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Kritik

Das Schaffenswerk des japanischen Regisseurs Nagisa Oshima (Merry Christmas, Mr Lawrence) ist für Kontroversen jeglicher Art zu haben. Am explizitesten wurde dies in seinem vieldiskutierten Im Reich der Sinne, doch auch seine anderen Filme greifen offensiv wunde Punkte der japanischen Kultur auf. Die Zeremonie gehört zu seinen, im deutschsprachigen Raum, eher weniger diskutiertesten Filmen, jedoch zu unrecht. Oshima verhandelt hier geschickt und auf engem Raum beschränkt den Niedergang der japanischen Traditionen und die Bürde, welche die auf die jüngere Generation zu tragen hat. Sein, mehrere Jahre umspannendes, Familiendrama ist ein unangenehmes Erlebnis, das durch seine Vielschichtigkeit und schmerzhafte Offenheit verstört wie betört.

 Zeremonien rahmen den Film. Zu Beginn erklärt der Protagonist Masuo (Kenzo Karawasaki) seiner Cousine Ritsuko (Atsuko Kaku), dass sie sich generell nur noch auf Familienfeiern zu Gesicht bekommen. Beide verbindet eine Kindheit im wohlhabenden Haus der Familie Sakurada. In sehr langen Rückblickend wird die Dynamik innerhalb des, auf strengen patriarchalen Strukturen aufgebauten, Familienhauses deutlich und entblößt sich irgendwann als Hort von Ausgrenzungen, Machtkämpfen, Missbrauch und potenzieller Inzucht. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse bleiben dabei im Dunkeln, der Schmerz dieser Kindheit bleibt unauflösbar. In strikt komponierten Bildeinstellungen vermittelt Oshima die, im Herzen des Hauses Sakurada fest verankerten, Traditionen, welche die Kinder der Famile paradoxerweise entwurzelt. 

Es ist schwer den familiären Dynamiken zu folgen und Oshima macht es dem Publikum alles andere als leicht, dennoch aber generiert er ein, den Film durchziehendes, Unbehagen ohne zu explizit in der Darstellung zu werden. Durch seine sarkastische Linse verkommen die zeremoniellen Traditionen der Familie zum behaupteten Selbstzweck. Darunter gehört eine Hochzeit, welche ohne Braut stattfindet und statt Festigung nur noch die klaffende Lücke der Traditionen offenbart. Es breitet sich ein Familienbild aus, welches nur noch sich selbst erhalten will und dass die Kinder in eine zwiespältige Position drängt. Zum einen will Masuo sich von seiner Erziehung lösen und deren Einfluss auf sein Leben zerstören, ist sich aber gleichzeitig bewusst, für immer an ihr zu hängen. Die Erinnerungen an sein Aufwachsen übertragen sich konsequent auf das Publikum, denn sie geben keine klaren Antworten. Demzufolge entblößt sich Die Zeremonie als alles andere als angenehm und über weite Strecken auch als sehr verwirrend, gleichzeitig aber rahmt Oshima seinen Film mit einer Anmut die schwer zu ignorieren ist.

Fazit

Nagisa Oshima hat mit „Die Zeremonie“ einen Film geschaffen, der sich formell betrachtet in seine Riege an Klassikern einreiht. Inhaltlich bietet der Film erst auf den zweiten Blick wirkliche Schauwerte, denn den Familienbeziehungen untereinander zu folgen gestaltet sich als verwirrend und befremdlich. Jedoch verfehlt der Film seine Wirkung und seine thematische Ebene, die Entwurzlung der japanischen Traditionen, zu keiner Sekunde und verbleibt als verstörendes wie nachwirkendes Erlebnis haften.

Autor: Jakob Jurisch

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