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1962. Der Amerikaner Rydal hält sich in Athen als Stadtführer über Wasser und trifft eines Tages auf Colette und Chester MacFarland. Er ist sofort fasziniert von den beiden, von ihrer kultivierten Art und der scheinbaren Leichtigkeit ihres Lebens. Doch der Eindruck trügt. Als Rydal die MacFarlands in ihrem Luxushotel besucht, bedrängt ihn Chester, einen offenbar bewusstlosen Mann mit ihm fortzuschaffen. Rydal stimmt zu und begibt sich damit in ein dunkles Netz aus Mord, Eifersucht und Intrigen.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Das Narrativ muss ja nicht immer auf Hochtouren brodeln, sich also nahezu überschlagen, um ein Szenario mit der nötigen Spannung auszukleiden. In Zeiten, in denen Filmeoftmals auch an ihrer Geschwindigkeit gemessen werden, in der das Tempo niemals zum Erliegen kommen darf und dem Zuschauer jedwede Denk- und Verschnaufpause verweigert wird, kommt es nicht mehr darauf an, Wahrgenommenes zu reflektieren, sondern nur noch darauf, jenes stillschweigend und zu konsumieren - Am besten noch mit zähen Sabberfäden, die sich langsam ihrem Weg aus dem Mundwinkel bahnen, damit die Abstumpfung auch endlich äußerlich Früchte tragen darf. Wer dieser Art von Unterhaltungskino abschwören möchte und mal wieder richtig Lust auf einen – im besten Sinne - klassischen Kriminalfilm hat, bei dem es der Erzählung nicht auf die Drehzahl und Pferdestärken ankommt, der es aber dennoch versteht, den Zuschauer zu fesseln, der darf sich guten Gewissens an Hossein Aminis diesjährigen Berlinale-Beitrag „Die zwei Gesichter des Januars“ heranwagen.

Hossein Amini hat sich in erster Linie als Drehbuchautor in Hollywood etabliert: Zu seinen prominentesten Arbeiten zählen „Snow White and the Huntsman“, „47 Ronin“ und natürlich Nicolas Winding Refns Neo-Noir „Drive“, für den er James Sallis Romanvorlage kongenial adaptierte. Mit „Die zwei Gesichter des Januars“ nahm der Iraner nun auch zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz, während er das Drehbuch, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Patricia Highsmith, natürlich ebenfalls höchstselbst verfasste. Und Patricia Highsmith ist auch in der Filmwelt kein unbeschriebenes Blatt, hat sich der große Alfred Hitchcock ihr doch schon mit „Der Fremde im Zug“ angenommen, während ihre legendäre Ripley-Reihe mit „Nur die Sonne war Zeuge“ und „Der talentierte Mr. Ripley“ bereits zweimal ziemlich hochwertigen Einzug in die Lichtspielhäuser erhalten haben. Mit „Die zwei Gesichter des Januars“ bestätigt Amini, dass er nicht nur gut in die Tasten hauen kann; er beherrscht es auch, ein Film unter seine Ägide zu führen und ein äußerst positives Endergebnis daraus zu extrahieren.

Man merkt „Die zwei Gesichter des Januars“ schon deutlich an, dass eine Vorlage von Patricia Highsmith als Fundament genutzt wurde, lassen sich einzelne Werke ihres Schaffens motivisch doch immer wieder verknüpfen. In „Die zwei Gesichter des Januars“, der nicht umsonst klare Anleihen zum Film Noir pflegt, steht ein Dreiecksgespann im Zentrum, das sich im Laufe der Geschichte immer deutlicher eingestehen muss, in irgendeiner Form abhängig voneinander zu sein. Chester (Viggo Mortensen) und Colette MacFarland (Kirsten Dunst) scheinen auf den ersten Blick ein gut situiertes Paar aus Amerika abzugeben, die ihren Urlaub in Griechenland in vollen Zügen genießen, bis der hilfsbereite Touristenführer Rydal (Oscar Isaac) ihre Wege kreuzt. Interessant ist an dieser Konstellation, deren innere Dynamik graduell gesteigert wird, dass es dem Film nicht darum geht, die Charaktere einer dezidierten Schuldzuweisung unterzuordnen, sondern versucht wird, ihnen psychologisch auf den Zahn zu fühlen, Motivationen und Verhaltensweisen zu grundieren.

Rydal ist einst nach Griechenland geflohen, um sich der herrischen Hand seines didaktischen Vaters zu entreißen, um der Selbstbestimmung Platz zu schaffen, anstatt ein Leben zu führen, welches ihm als eine Art Bürde auferlegt wird. Als er Chester an der Akropolis erblickt, fühlt er sich schlagartig an seinen Vater erinnert und kann seine Augen einfach nicht mehr abwenden. Es ist der Startschuss für ein Geflecht, in dem unnötige Schwanzvergleiche, eine nervöse Beklommenheit und letztlich auch Gier die größte Rollen spielen. Im Großen und Ganzen aber thematisiert „Die zwei Gesichter des Januars“ die Dualität im menschlichen Gebaren, was ihm erlaubt, Ösen in seinen Ambivalenzen zu bilden, in denen er immer ganz geschickt seine Sympathie einfädelt und verrückt. Letztlich ist es auch Alberto Iglesias Score zu verdanken, der sich stark an Bernard Herrmann orientiert und die hitzige Atmosphäre zunehmend intensiviert. Und was Marcel Zyskind uns hier für von Eleganz internalisierte Aufnahmen der antiken Mittelmeerkulisse liefert, ist von einer bezirzende Visualität signiert, die man so zuletzt vielleicht in Giuseppe Tornatores „The Best Offer“ bestaunen konnte.

Fazit

Wer klassisches Kriminal- respektive Thriller-Kino präferiert, wird mit Hassein Aminis Spielfilmdebüt „Die zwei Gesichter des Januars“ voll auf seine Kosten kommen. In einem hitzigen Geflecht um Abhängigkeit, spielen nicht nur Viggo Mortensen und Oscar Isaac toll auf, Amini serviert auch einen Film, der von einer bezirzenden Visualität und einem formidablen Soundtrack unterstützt wird. Toll.

Autor: Pascal Reis

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