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Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts. Die unkonventionelle Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra erhält vom obersten Gartenarchitekten des Königs André Le Nôtre den Auftrag einen Barockgarten zu bauen, denn Ludwig XIV. wünscht sich in Versailles einen Park, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Keine leichte Aufgabe für die selbstbewusste Witwe, die fortan nicht nur gegen neidische männliche Kollegen und subtile Hofintrigen zu kämpfen hat, sondern auch eine immer intensivere Leidenschaft für ihren Auftraggeber verspürt. Doch André ist verheiratet und sie selbst ist sich ihrer Gefühle nicht sicher. Während Andrés eifersüchtige Ehefrau einen hinterhältigen Sabotageakt plant, drängt der ungeduldige König auf baldige Fertigstellung seines Gartens...
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Kritik

Wir alle mögen Alan Rickman, nicht wahr? Ob nun als terroristischer Hans Gruber, als melancholischer Severus Snape oder als notgeiler Sack , Rickman ist ein begabter und sympathischer Darsteller, der die Zuschauer nicht ohne Grund nur durch seinen Namen immer wieder in die Kinos locken kann. Nach seiner langen Zeit als Darsteller und der filmischen Erfahrung, die damit einhergeht, nimmt sich Rickman nun seiner zweiten Regiearbeit an (sein erster Film „The Winter Guest“ liegt aber schon ganze 18 Jahre zurück), inklusive  dem shakespearschen Titel „A little Chaos“  (bzw. im Deutschen „Die Gärtnerin von Versailles“). Und Rickman beweist dem Zuschauer erneut unmissverständlich ein inszenatorisches Talent, was Regiearbeit numéro deux zu einer sehr hübschen Romanze im barocken Frankreich des 17. Jahrhunderts formt, die nur inhaltlich zu überraschungsarm und naiv vorgeht.

Man kann Rickman hier ohne Zweifel eine überaus narzisstische Ader vorwerfen, immerhin führt er bei „Die Gärtnerin von Versailles“ nicht nur Regie und beteiligt sich eifrig am Drehbuch, sondern setzt sich auch noch selbst in die richtende Rolle des Königs von Frankreich. Diese Art der Selbstzelebration zieht sich merklich durch den gesamten Film und manch einer mag dies nachvollziehbar als abschreckend, gar widerlich empfinden, sie wirkt in der naiven Atmosphäre des Films aber auf wundersame Weise nie deplatziert, sondern schon fast sarkastisch. Schön, dass der Film sich, neben einer diskutablen Adels- und Darstellerglorifizierung, einem leichten Augenzwinkern nicht verwehrt und sich durch und durch wie ein Spaßprojekt, gar eine selbstreflexive Arbeit des Briten anfühlt, die aus der Lust am filmischen Medium, aus einem Hobby heraus entstand und nicht wie ein mühsames und lustloses Stück Arbeit wirkt.

Diese Freude überträgt sich auch zu hundert Prozent auf die Darsteller des Films, welche allesamt einen ausgesprochen guten Job machen. Kate Winselt („Insurgent“) bekommt als Gärtnerin Sabine endlich mal wieder die Möglichkeit ihr schauspielerisches Können darzustellen, Alan Rickman spielt sich als König Ludwig der XIV. gelungen selbst und Matthias Schoenaerts kann, im Gegensatz zu seiner bedrohlichen Rolle aus „The Drop – Bargeld“, auch mal das romantische und schüchterne Gärtnergenie raushängen lassen. Highlight des Films ist aber (wie so oft) Stanley Tucci ("Die Tribute von Panem - Mockingjay Part 1") in seiner Rolle des homosexuellen Duc d'Orleans, dem die spaßigsten Szenen des Films gehören und der aus seiner (viel zu kurzen) Leinwandzeit das meiste herausholt.

Dieses Lockerleichte gelingt Rickmans Film also am ehesten, die Dialoge zwischen den Figuren wirken in ihrer (absichtlich) hölzernen Art sehr natürlich und sympathisch. Wie soll man auch einen Film ernst nehmen, der mit einem Furz beginnt? Aber genau da liegt auch das große Problem von „Die Gärtnerin von Versailles“: Im letzten Drittel wollen Rickman und Kollegen der Geschichte noch mit Gewalt einen arg melancholischen und emotional mitreißenden Touch verleihen, der, wegen seiner Vorhersehbarkeit und tonalen Unentschiedenheit, einfach Fehl am Platz wirkt. Die ausschweifenden 116 Minuten des Films hat jeder Kinogänger spätestens nach der Hälfte durchschaut, die dargebotene Romanze hat jeder schon x-Mal im Kino gesehen, auch wenn Rickman ihr hier einen leicht feministischen Anstrich verleiht, der gegen Ende aber, zusammen mit der lockeren Atmosphäre des Films, irgendwo in schwülstigen Momenten versickert. Weder sind die großen emotionalen Elemente des Films wirklich neu oder überraschend, noch fügen sie sich in den atmosphärischen Kontext des Films, was die eigentlich mächtige Auflösung von Sabines Vergangenheit schon fast unfreiwillig komisch wirken lässt.  

Gegen eine gewisse Belanglosigkeit und Trivialität kann man bei „Die Gärtnerin von Versailles“ also kaum argumentieren. Immerhin ist diese aber in ausgesprochen schönen und atmosphärisch dichten Sets verpackt, bei dessen kinematografischer Faszination Rickmans Stärken als Regisseur gänzlich offen gelegt werden. Auch die Darsteller fügen sich, wie angesprochen, in diese überzeugenden Aspekte des Films ein, der mit netten Momenten und einer wichtigen Ironie immer wieder punkten kann. Aber der Versuch des Film in seinem letzten Drittel noch so etwas wie eine gewichtige, emotional mitreißende Komponente zu evozieren, unterstreicht die inhaltliche Banalität dieser Romanze nur leidsam. Dann wird letztlich auch die fast schon grundschulhafte Naivität des Films bezüglich des französischen Adels und der damaligen Verhältnisse immer vordergründiger, was den Film in Tiefen wirft, in die er gar nicht hätte vordringen müssen. Am Ende hätte man sich fast gewünscht Rickman wäre bei a little Chaos geblieben und hätte einfach seiner Leidenschaft gefrönt, dann wären die negativen Aspekte dieser sonst netten Romanze vielleicht gar nicht so sehr aufgefallen.

Fazit

Mit seiner zweiten Regiearbeit "Die Gärtnerin von Versailles" liefert Alan Rickman dem Zuschauer eine inhaltlich durchschaubare und emotional oberflächliche Romanze im Frankreich des 17. Jahrhunderts, die mit charmanten Darstellern, einer guten Inszenierung sowie wunderschönen Sets visuell durchaus zu überzeugen weiß, sich in ihrem letzten Drittel aber in emotional unglaubwürdige Tiefen wirft, die die zeitweise Belanglosigkeit und Naivität dieser barocken Liebesgeschichte nur leidsam unterstreichen. Ein hübscher Film, im Endeffekt aber genau so aussagekräftig wie sein deutscher Titel.

Autor: Thomas Söcker

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