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Inspektor Barth vom Yard untersucht einen Mord an einer Schülerin eines Mädcheninternats. Das einzige Indiz am Tatort ist eine grüne Stecknadel. War der Liebhaber der Täter? Der bestreitet alles und will sich selbst entlasten. Was haben die Girls, die Sexpartys veranstalten und die Nadel als Erkennungszeichen benutzen, damit zu tun. Insp. Barth muß dieses Geheimnis lüften.
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Kritik

„Hallo, hier spricht Edgar Wallace!“

Oder eben nicht. Das seit den späten 50ern lukrative Franchise von lose auf Erzählungen des englischen Krimiautoren Edgar Wallace beruhenden, oft pulpigen Grusel-Krimis made in Germany ging gut zehn Jahre und über 30 (!) Filme (aus heutiger Sicht eine unglaubliche Zahl, dagegen wirkt MARVEL bald faul) später seinem Ende entgegen. Dauerproduzent Horst Wendlandt suchte Anfang der 70er Anschluss ans internationale Kino, koproduzierte mit seiner Firma Rialto später u.a. einige Bud Spencer/Terence Hill-Filme, darunter Klassiker wie Mein Name ist Nobody oder Sie nannten ihn Mücke. Die letzten beiden Edgar-Wallace-„Adaptionen“ (wenn man es denn noch so nennen will) waren im Grunde genommen nur noch die deutschen Vermarktungsrechte für italienische Produktionen eines dort zu dieser Zeit gerade aufblühenden Sub-Genre: Dem des Giallo.

Mit grob an Wallace-Geschichten orientierten Titeln und für das heimische Publikum entscheidend entschärft konnten immerhin noch bekannte Gesichter eingebaut werden. In dem in einem Atemzug zu nennenden Das Rätsel des silbernen Halbmonds von Mondo-Veteran Umberto Lenzi war Uschi Glas (Der Gorilla von Soho) mit an Bord, in Das Geheimnis der grünen Stecknadel kam es zu den letzten Serien-Auftritten des ewigen Ermittlers Joachim Fuchsberger (Der Frosch mit der Maske), Karin Baal (Die toten Augen von London) und Günther Stoll (Der Bucklige von Soho). Sonst sind Zusammenhänge mit der ursprünglichen Reihe nur angedichtet und am Schneidetisch notdürftige hinzugefügt (das klassische Wallace-Intro ist Deutschland-exklusiv), diese beiden Filme sind Gialli durch und durch. Und besonders dieses Exemplar konnte selbst in der um mehr als 10 Minuten gekürzten Fassung seine eigentliche Identität kaum verschleiern, weshalb die übliche Kundschaft wohl sehr irritiert aus dem Kinosaal geschubst wurde.

-„Ist unser kleines Mädchen vergewaltigt worden?“

-„Man könnte es Vergewaltigung nennen…“

Weit weg von skurrilen Ganovengimmicks, Falltüren und sonstigem Kirmes-Krimskrams der alten Wallace-Filme wird hier ein untreuer und nie um ein heimliches Schäferstündchen mit seinen Schutzbefohlenen verlegene Lehrer (Fabio Testi, Nachtblende) in einer äußerst viehische Mordserie verwickelt. Eine junge Frau, ebenfalls Schülerin seiner Einrichtung, wird an einem idyllischen Ufer der Themse ermordet, durch eine Klinge in ihre Vagina. Er und seine Geliebte, eine Klassenkameradin des Opfers, sind im Liebesrausch zufällig anwesend, was dem gewitzten Schnüffler Barth vom Yard (Blacky Fuchsberger) nicht lange verborgen bleibt. Schnell wird der Filou durch seine Anwesenheit, die darum gebastelte Geheimniskrämerei und seinen generell nicht unbedingt seriösen Lebensstil vom Zeugen zum Verdächtigen, was dieser durch Eigeninitiative widerlegen will. Mehr als die eigentliche Spürnase (Fuchsberger wirkt tatsächlich eher wie das Maskottchen, die Show gehört eindeutig dem mal wieder bestechend-charismatischen Testi) kommt er einem verstrickten Netz aus Lügen, sexuellen Ausschweifungen und letztlich einer verdrängten Tragödie auf die Spur, die Ursache für die ganze Schweinerei ist.

Recht heftiger Tobak, den Regisseur Massimo Dallamano zwei Jahre mit seinem (Nicht-Giallo) Der Tod trägt schwarzes Leder anderweitig, aber eindeutig artverwandt neu interpretierte. Für den Abschluss seiner inoffiziellen Trilogie, Orgie des Todes von 1978, war er nur noch mit der geistigen Vorlage in der Verantwortung, er verstarb bereits 1976. Der aufgrund seines Ur-Scripts realisierte Film wirkt wie ein ultra-sleaziges, grobschlächtiges Remake von diesem hier. Thematisch bald identisch, von der Herangehensweise wie Tag und Nacht, würde – was den Giallo als Genre im Idealfall so frivol-spannend machte – wohl eine gesunde Schnittmenge von beiden für einen eindeutigen Top-Ten-Kandidaten dieser Gattung sorgen. Die Mängel des einen sind in den  übertriebenen, primitiven Methoden des anderen über Gebühr kompensiert, ohne auf die vorherigen Qualitäten zurückzugreifen. Wenn man sich einen Film aus Essenzen zusammenmischen könnte, dürfte es eine Prise hiervon und davon sein, fertig wäre der uneingeschränkte Genre-Tipp.

Massimo Dallamano ist eindeutig kein morbider Ästhet wie Dario Argento, Mario Bava, Sergio Martino oder Lucio Fulci, die den Giallo durch ihren prägnanten Inszenierungsstil erst richtig in die Spur brachten. Ohne diese Herren wären es nur Krimis, die optimal durch eine gute Geschichte überzeugen könnten. Während die Großen darauf sogar bewusst verzichteten, sich und ihre visuellen Ideen lieber ins Schaufenster stellten, ist Dallamano da eher der Handwerker, der auf ein solides Fundament baut. Das Geheimnis der grünen Stecknadel wagt sich trotz seiner bestialischen, phallisch motivierten Tötungspraxis (die diesmal sogar sehr logisch ist) nie zu weit aus dem Fenster, setzt nicht auf die ganz krassen Schocker, anstatt die lüstern auszuleben. In der deutschen Fassung wird sogar das noch enthemmt, Gewalt und Erotik (was im Giallo in der Regel heißt: Es sind nackte Frauen zu sehen) finden fast ausschließlich im Kopf als vor dem Auge statt, sicher ist sicher. Aber auch in der Ursprungsversion liegt der Fokus klar auf dem Plot, explizite Momente sind eher ein notwendiges Mittel zum Zweck. Das ist deutlich über Genre-Durchschnitt und in Anbetracht der äußerst fiesen, effizienten Pointe sogar lobenswert.

In seinen Optionen schlummert leider auch die Schwäche des Films. Er will (oder kann) nicht seine Prämisse als Showeffekt aufblasen (wodurch Argento größtenteils seinen Maestro-Ruf aufbaute), ist aber auch nicht auf konservativer Ebene spannend und straff genug, um als seltener Giallo-Erzähler (wie z.B. Blutspur im Park) über die gesamte Laufzeit zu überzeugen. Längen sind unvermeidlich, was kurioserweise sogar die eigentlich deutlich bessere, internationale Version zusätzlich angreifbar macht. Die ist keine Mogelpackung, ein klassischer Giallo ohne Wenn und Aber, die im Gengenzug in der eh schon etwas schleppenden Phase des Films mit noch mehr und nicht weiter notwenigen Dialogsequenzen gestreckt wird. Die mehr als zehn zusätzlichen Minuten könnten gut und gerne auch nur drei bis maximal vier sein. Beide Fassungen enden mit dem selben, starken Finale, auf dem Weg dahin gibt es Vor- und Nachteile. Das Geheimnis der grünen Stecknadel ist in jeder Variante ein interessanter Film. Giallo-Liebhaber greifen natürlich zum internationalen Schnitt und müssen sich durch ein paar Minuten zu viel kämpfen, wer lieber Eddi Arent (Der Zinker) als komischen Sidekick sehen will, dem wurde eh der falsche Film untergeschummelt.

Fazit

Beinharte Edgar-Wallace-Fans müssen „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ eigentlich gar nicht sehen, denn bis auf einige bekannte Stars hat dies hier rein gar nichts mit den „echten“ Filmen der Serie zu tun. Das war alles nur Wendlandt-Marketing. Für Giallo-Fans ist er dafür sicher eine Empfehlung, auch wenn er nicht an die besten Genrebeiträge herankommt, stilistisch nicht der große Rausch für die Sinne ist und für seine Möglichkeiten eine Spur zu brav bleibt. Dafür gibt es ausnahmsweise mal eine wirklich interessante Geschichte, deren Pointe nicht nur ein notwendiges Übel ist. Und Fabio Testi macht einen Film fast schon im Alleingang sehenswert.

Autor: Jacko Kunze

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