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Inhalt

Vor den Türen eines Krankenhauses wird die völlig verwahrloste Darlin’ bewusstlos aufgefunden. Als das junge Mädchen in der Klinik wieder zu Bewusstsein kommt, wird schnell klar, dass sie alles andere als normal ist. Sie beißt, schlägt um sich und scheint nicht einmal richtig sprechen zu können. Während die Ärzte und Pfleger noch über ihre Herkunft rätseln, hat der örtliche Bischof schon einen Plan. Er will Darlin' zu einem respektablen Mitglied der Gesellschaft machen und nimmt sie in sein Heim für Mädchen auf. Was er nicht weiß: Die blutrünstige Frau, von der Darlin’ aufgezogen wurde, ist schon auf der Suche nach ihr …

Kritik

Manchmal ist es gar nicht so leicht, das Richtige zu tun.

Es war Stephen King (Doctor Sleeps Erwachen), der Master of Horror höchstpersönlich, der sich einst zu der Äußerung hinreißen ließ und verkündete, dass Jack Ketchum (Die zwei Schwestern) der wohl furchteinflößendste Horrorschriftsteller der Vereinigten Staaten ist. Im literarischen Bereich stellt der 2018 verstorbene Autor zweifelsohne eine Kapazität dar, die Adaptionen seiner Romane allerdings sind – im besten Fall – gedämpfte Genre-Empfehlungen. Mit einer Ausnahme, denn der 2011 erschienene The Woman ist eine unbedingt sehenswerte Abrechnung mit dem Patriarchat. Mag Jack Ketchum die Vorlage, die in Deutschland unter dem Titel Beuterausch veröffentlicht wurde, auch zusammen mit Lucky McKee – dem Regisseur des Films – verfasst haben, so ist sein Einfluss doch exorbitant. Nicht zuletzt, weil hier nach Beutezeit und Beutegier seine bisweilen kontrovers diskutierte und teilweise radikal zensierte Kannibalen-Trilogie abgeschlossen wurde.

Darlin' von Pollyanna McIntosh (Let Us Prey), die hier nicht nur die Regie übernommen hat, sondern sich auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeigt und ihre Rolle der wilden Frau erneut aufgenommen hat, versteht sich nun als direkte Fortsetzung zu The Woman. Es gibt keine Romanvorlage, auf die sich der The Walking Dead-Star rekurrieren könnte, stattdessen wird das Kannibalen-Universum aus Ketchums Feder nun gezielt filmisch weitergesponnen. Nach den Vorkommnissen des Vorgängers treffen wir also erneut auf die inzwischen pubertierende Darlin' (Lauryn Canny, Die Trapp Familie), die von ihrer archaischen Ziehmutter zu einem katholischen Krankenhaus gebracht wird und über Umwege schließlich in einer christlichen Mädchenschule landet, wo sie resozialisiert und domestiziert werden soll. Natürlich steckt hinter diesem Vorhaben des Bischofs (Bryan Batt, 12 Years a Slave) kein ehrenhaftes Anliegen, sondern schmutziges Kalkül.

Der Grund, warum die Frau Darlin' vor die Türen des Hospitals geführt hat, wird im Verlauf der Handlung nach und nach deutlich gemacht. Dass diese allerdings überhaupt nicht erfreut darüber ist, dass man ihr ihre (Schein-)Tochter kurzerhand entrissen hat, generiert dann auch für den Gewaltfaktor, der zwar letztlich in einem überschaubaren Rahmen bleibt, die gnadenlosen Pfade purer Mütterlichkeit aber sehr eindeutig zum Ausdruck bringen. Dass Pollyanna McIntoshs (Solo-)Regiedebüt aber weitestgehend unterwältigt, liegt daran, dass man sich hier ausschließlich damit beschäftigt, altbekannte Allgemeinplätze maskuliner Unterdrückungsstrukturen, pervertierter Zustände innerhalb katholischen Kirchenmauern und einer dem Coming-of-Age-Kino entlehnten Identitätssuche abzuklopfen. Darlin' ist so halbgar wie klischiert und lässt den widerborstigen Charakter des Vorläufers nahezu vollständig vermissen. Immerhin darf Hauptdarstellerin Lauryn Canny wahrlich glänzen.

Fazit

Während "The Woman" noch die Übermacht der Frau dem männlichen Geschlecht gegenüber offenbarte und so garstig wie schwarzhumorig tradierte Geschlechterrollen zu hinterfragen verstand, setzt "Darlin'" diese erzählerische Marschroute nun insofern fort, dass weiterhin maskuline Machtstellungen auf dem garstigen Prüfstand stehen. Pollyanna McIntosh tritt hier indes nicht mehr nur als kannibalistische Wilde in Erscheinung, sondern verdingt sich hier auch als Autorin und zum ersten Mal als Solo-Regisseurin. Das Ergebnis ist durchwachsen und klischiert: Den inhaltlichen Allgemeinplätzen über die vererbten Unterdrückungsstrukturen innerhalb der katholischen Kirche fehlt die groteske Durchschlagskraft und der polarisierende Mut, den Zuschauer kalt zu erwischen. Gut gespielt ist "Darlin'" vor allem in der Hauptrolle durchaus, dem unangenehm-widerborstige Wesen des perversen Menschendramas in "The Woman" aber hinkt der Film unentwegt hinterher.

Autor: Pascal Reis

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