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Paris, 1895: Der Dichter Pierre und sein Freund Henri sind Hals über Kopf in Marie verliebt, die Tochter ihres Mentors. Obwohl sie den dandyhaften Pierre bevorzugt, entscheidet sich Marie für eine Ehe mit Henri, der ihr ein besseres Leben bieten kann. Schwer gekränkt verlässt Pierre das Land und reist nach Algerien. Dort lernt er Zohra kennen, die seine Leidenschaft für erotische Fotografie teilt. Ein Jahr später kehrt Pierre zusammen mit Zohra nach Paris zurück und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Marie. Ein verbotenes Katz und Maus-Spiel mit allen Beteiligten nimmt seinen Lauf, voller Leidenschaft, Eifersucht und unmoralischer Posen ... wie weit werden sie dabei gehen?

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Groß war die Ernüchterung im internationalen Feuilleton, als sich Frankreich dazu entschied, bei der diesjährigen Oscarverleihung das Politdrama Die Wütenden - Les misérables einzureichen, statt dem hochgelobten Historienfilm Porträt einer jungen Frau in Flammen die Chance auf die heißbegehrte Trophäe einzuräumen. Möglicherweise gab man aber auch der politischen Aktualität den Vorzug vor einem Kostümfilm über eine gleichgeschlechtliche Liebe zwischen einem unfreiwilligen Modell und seiner Malerin. Letztere wurde dort von Noémie Merlant verkörpert, die sich spätestens mit ihrer zweifachen Nominierung - schon 2016 für das Islamismus-Drama Der Himmel wird warten - für den César, den französischen Oscar, als eine der vielversprechendsten Nachwuchsschauspielerinnen Frankreichs erwies. Für Curiosa - Die Kunst der Verführung wechselt das ehemalige Model nun zwar gefühlt nicht wirklich das Setting, wohl aber die Position.

Angelehnt an die Biografie und die Werke von Pierre Louÿs, welcher bis heute als einer der einflussreichsten und prägendsten Vertreter von Erotikliteratur gilt und hier von Niels Schneider gespielt wird, handelt der Film von dessen Beziehung zu diversen seiner Mätressen im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dort wird er gleich von mehreren Frauen umgarnt, am meisten aber von Marie de Régnier, auf die wiederum sowohl er selbst als auch sein Freund Henri ein deutliches Auge geworfen haben. Aber obwohl Curiosa – Die Kunst der Verführung in vielerlei Hinsicht geradezu wie aus dem Lehrbuch ein Historiendrama ist, das mit Ausstattung, Setdesign und Kostümen die Zeit um die Jahrhundertwende wiederbelebt, gibt es doch verschiedene Elemente, bei denen man spürbar darum bemüht ist, dem Ganzen einen modernen Anstrich zu verpassen. Und bedenkt man, dass bereits der Vorspann „curiosa“ als Synonym für erotische Literatur, aber vor allem Fotografie definiert, die zu Pierre Louÿs' großen Leidenschaften zählte, ist schnell klar, worauf Regiedebütantin Lou Jeunet besonders ihren Fokus setzt.

So ist der Film in den zahlreichen Sequenzen, in denen Marie und auch andere Frauen dem sprunghaften Dandy-Künstler Fotomodel stehen, sichtlich darum bemüht, diese ästhetisch und akurat nach den tatsächlichen Motiven in Szene zu setzen. So gelingen Aufnahmen, die trotz ihrer teils sehr expliziten Nacktkeit nie Gefahr laufen, ausbeuterisch oder gar handfest pornografisch daherzukommen, sondern ausgesprochen geschmackvoll geraten. Trotzdem fehlt es hierbei am nötigen Funken, am richtigen Maß an Sinnlichkeit. Zwar agieren die Schauspieler auffallend ungezwungen und natürlich, dem wirkt allerdings die Statik der Bilder entgegen, wodurch zugleich auch immer eine gewisse Distanz vorhanden ist, sowohl zwischen den Figuren als auch Film und Zuschauer. Knistern will es hier auf beiden Seiten nicht so recht, was noch die Tatsache erschwert, dass der Film abseits von gewagten Posen den eigentlichen Geschlechtsakt ausspart. Obwohl dieser zweifellos vorhanden ist und im Verlauf auch sogar erzählerische Relevanz mit sich bringt, inszeniert der Film das stets als allenfalls angedeutete Leerstelle, weswegen dann im Anschluss die blumigen Liebesbekundungen wie bloße Behauptung anmuten. Hier prescht man genauso voran, wie man sich zaghaft geniert und damit einen seltsam paradoxen Eindruck hinterlässt. Und den notdürftigen deutschen Zusatztitel auch glatt zum Etikettenschwindel macht.

Ebenso inkonsequent verfolgt werden die zeitlosen Ansätze, die Lou Jeunet, die auch am Drehbuch mitschrieb, in die Geschichte einfließen lässt. Mit anderen Schwerpunkten abseits von Körperposen, hätte Curiosa – Die Kunst der Verführung durchaus seinen Beitrag zur aktuellen Metoo-Debatte leisten können, doch leider werden solche Anklänge bestenfalls angeschnitten. Da wird die glücklose Ehe mit Henri, den Marie heiratet, um durch ihn eine gesicherte Zukunft und Mitgift zu haben, ebenso beiläufig wegerzählt wie ihre zeitweise Schwangerschaft durch Pierre. Der wird zwar als selbstsüchtiger Frauenheld gezeichnet, aber auch als Jemand, der die spätere Bestsellerautorin Marie de Régnier maßgeblich inspiriert und prägt, vor allem auch von sich abhängig macht. Das macht Curiosa – Die Kunst der Verführung zwar einerseits zu einem feministischen Werk, zugleich aber auch zur Geschichte einer Frau, die deswegen beruflichen Erfolg erzielt, weil sie einem Mann hörig war, der Frauen vorrangig als austauschbare (Foto-)Objekte betrachtete.

Aber auch abseits von ungenutztem Potenzial, ist Curiosa – Die Kunst der Verführung rein auf Plotebene einigermaßen belanglos geraten. Die Figuren bleiben, bis auf die stark aufspielende Noémie Merlant im Zentrum, überwiegend blass und wie bei unzähligen anderen Vertretern dreht sich alles letztlich überwiegend um die Liebeleien von überaus gut betuchten Männlich und Weiblein. Diesen festgefahrenen Klischees, die auch immer einen gewissen Soap-Charakter mit sich bringen, kann der Film nicht entkommen und sie leider auch nicht mit den zeitgeistigen Anklängen abfedern, weil die Konflikte, auch im Hinblick auf den damaligen Zeitgeist, kaum ausgespielt werden. Da hilft es dann leider auch wenig, wenn Lou Jeunet ihren Komponisten Arnaud Rebotini im klassischen Setting auch gern mal mit elektronischen Klangfarben experimentieren lässt, was aber zumindest in dieser Kombination im Gedächtnis bzw. Gehör haften bleibt.

Fazit

Mit "Curiosa – Die Kunst der Verführung" versucht Regisseurin Lou Jeunet den kühnen Spagat zwischen klassischem Kostümdrama und modernem Experimentalfilm und fällt dabei leider immerzu den verpassten Chancen und den althergebrachten Klischees des Genres zum Opfer. So ist ihr Debüt zwar kein wirklich misslungener Film, aber auch einer, der abseits der künstlerischen Kerndisziplin und Ambition leider sehr unentschlossen darin wirkt, was er genau eigentlich sein und erzählen will.

Autor: Dominik König

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