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CRO fordert Fans und Profis auf, in einem offenen Pitch-Wettbewerb Ideen zum geplanten Kinofilm vorzustellen. Drei völlig gegensatzliche Konzepte überzeugen CRO und sein Team: Eine Dokumentation und der Blick hinter die Kulissen des erfolgreichsten deutschen Rappers, ein Animationsfilm über CROs Vergangenheit und ein Film über CROs Zukunft. Ein verrückter Stilmix, der das Leben aller Beteiligten durch die unvergessliche Filmerfahrung nachhaltig verändert.

Kritik

Den regulären Pressevorführungen seiner neuen Filme hat Til Schweiger (Kokowääh) schon seit Jahren einen Riegel vorgeschoben, handelt es sich bei den Kritikern dieses Landes doch nach der Meinung des wohl größten Stars Deutschlands ohnehin nur um „Trottel“. Auch Matthias Schweighöfer (Der Nanny) beklagte zum Start von You Are Wanted kürzlich noch die fehlende Objektivität des Feuilletons wenn es um ihn und seinen künstlerischen Output geht. Inwiefern sich die inländische Rezensentenlandschaft aber tatsächlich ostentativ gegen die Namen Til Schweiger und Matthias Schweighöfer stemmt, muss an anderer Stelle ausdiskutiert werden. Fakt ist nur, dass die Filme tatsächlich oftmals nicht nur wenig gelungen, sondern vollkommen verwerflich sind, was den kritischen Gegenwind immerhin erklärt. Aus der Luft gerissen ist der allseitige Unmut jedenfalls nicht.

Mit Unsere Zeit ist jetzt bekommt man es indes mit einem neuen Film von Til Schweiger zu tun, obgleich der Freiburger den Regieposten dem bis dato eher unbekannten Martin Schreier überlassen hat. Schweiger fungierte als Produzent und Schauspieler in Personalunion und bemüht sich in seinem hiesigen Auftritt als er selbst auch redlich darum, seine selbstironische Kompetenz unter Beweis zu stellen, wenn er dem in die Jahre gekommenen Cro ein Gesicht verleiht. Und genau an diesem Umstand, die obligatorischen Tonalitäten, für die Til Schweiger bekannt und vermögend geworden ist, zu unterwandert respektive auszubauen, macht sich auch das rigorose Scheitern von Unsere Zeit ist jetzt deutlich: Tatsächlich ist der Film dahingehend ambitioniert, kein neuer Zeiten ändern Dich zu sein – aber er ist schlichtweg nicht kunstfertig.

Dafür, dass Unsere Zeit ist jetzt kommerziell eine gnadenlose Bruchlandung hinlegte, machte Til Schweiger letztlich kurzerhand den Stuttgarter Rapper Cro verantwortlich, da er kein neues Album anlässlich des Kinostarts veröffentlich hat. Natürlich ist das Debakel, welches Unsere Zeit ist jetzt darstellt, nicht mit dem fehlenden Popularitätsschub von Cro zu beantworten, letztlich ist der Film eine umfassende Verfehlung. Ganz nett gestaltet sich immerhin noch die Idee, das Leben von Cro sagt immanenter Sinnes- und Existenzfragen auf verschiedenen erzählerischen Ebenen anzugehen: Da hat man das klassische Gangster-Setting in den 1930er Jahren, ein augenzwinkerndes Portrait des alternden Rappers und einen Zeichentrickbilderbogen, der vor sich allem als Mythenmaschine definiert. Die Installation der Film-in-Film-Sequenzen in den eigentlichen Handlungsverlauf allerdings erweist sich über die 120 minütige Laufzeit als dramaturgisch ineffizient.

Der Wettbewerb, den Cro mit seiner Produktionsfirma auf den Plan ruft, bleibt letztlich rein funktionaler Katalysator, um das mit Sorgen belastete Figurenarsenal auftreten zu lassen und Cro ins rechte Licht zu setzen. Comiczeichner Ludwig (Marc Benjamin) und Drehbuchautor Dawid (David Schütter) sehnen sich nach Nähe und Konstanz im Leben, während Vanessa (Peri Baumeister) als Asperger-Patienten allein den Zweck erfüllen soll, die männliche Belegschaft um sie herum von ihren Nöten zu befreien: Traurig nämlich sollte kein Mann sein. Besonders geschmacklos gestaltet sich dabei, wie seltendämlich Unsere Zeit ist jetzt mit dem Asperger-Syndrom seiner Hauptdarstellerin umspringt und dem Zuschauer letztlich die Erkenntnis unterbreitet, dass Autismus doch eigentlich nur eine Frage der Einstellung ist: Mach' Dich mal locker, dann klappt es auch mit den Jungs!

Wir befinden uns hier also auch den pietätlosen Regionen, in denen sich Til Schweiger zuletzt mit seinem Megaerfolg Honig im Kopf einnistete. Selbstverständlich interessiert sich Unsere Zeit ist jetzt aber keinesfalls für seine (als solche verkauften) Otto-Normal-Charaktere, im Endeffekt geht es hier nämlich nur um eine Sache: Die in Sepia getränkte Bauchpinselei von Cro. Dem wird hier nämlich ein echtes Denkmal in Form eines tumben Imagefilms verliehen, bis auch der letzte Zuschauer verstanden hat: Wow, die Musik vom Pandamaskenträger, der total auf dem Boden geblieben ist und immer eine konfliktlösende Glückskeksweisheit auf den Lippen parat hält, macht einfach glücklich! Da erscheint es letztendlich nur logisch, dass sich Unsere Zeit ist jetzt allein über Allgemeinplätze, über Phrasendrescherei und über verkitsche Banalitäten definiert. Schön, dass das Publikum auf diese Bauernfängerei ebenfalls keinen Bock hatte.

Fazit

Ein totaler Reinfall. Til Schweiger hat produziert (und spielt in einer Nebenrolle sich selbst) und Cro soll die Leute locken. Hat ja wunderbar geklappt: Nicht einmal 40.000 Besucher wollten "Unsere Zeit ist jetzt" sehen. Diesen Kassentiefflug hat sich das fragwürdige Cro-Denkmal auch allemal verdient. Wie man sich über Allgemeinplätze müht, Phrasendreschereien anstimmt und Banalitäten plattwälzt, ist schon allerhand. Eigentlich alles wie immer, wenn Til Schweiger zu Werke schreitet. Hier steht nun allerdings auch eine Frau mit Asperger-Syndrom im Zentrum, die die Männer um sie herum glücklich machen darf und selbst durch Cro aufgezeigt bekommt, dass ihr Autismus nur eine Frage der Einstellung ist. Auweia.

Autor: Pascal Reis

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