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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Während sich die menschliche Spezies an eine synthetische Umgebung anpasst, erfährt der Körper neue Transformationen und Mutationen. Mit seiner Partnerin Caprice (Léa Seydoux) zeigt Saul Tenser (Viggo Mortensen), prominenter Performancekünstler, öffentlich die Metamorphose seiner Organe in avantgardistischen Performances. Timlin (Kristen Stewart), eine Ermittlerin des National Organ Registry, verfolgt obsessiv ihre Bewegungen, als eine mysteriöse Gruppe aufgedeckt wird … Ihre Mission – Sauls Bekanntheit zu nutzen, um Licht in die nächste Phase der menschlichen Evolution zu bringen.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

„Surgery is the new sex“, lautete das verführerische Versprechen, das David Cronenbergs (Maps to the Stars) im wortwörtlichsten Sinne fleischliche Filmphantasie sinnlicher Skalpelle, erregender Eingriffe und orgasmischer Operationen mehr als einlöst. Mit einem Wettbewerbsbeitrag, der die auf skiletale Strukturen kondensierte Handlung mit systemkritischer Symbolik auflädt, reanimiert der kanadische Regisseur nach langjähriger Abstinenz den Body-Horror mit einem schillernden chirurgischen Salonstück. Physische Verfremdung medizinischer und biologischer Natur und dadurch verursachte Sensationen - Schmerz, Lust und beider Verbindung - werden zu moralphilosophischen Metaphern. 

Deren Kontemplation und Diskussion sind der eigentliche Schwerpunkt des gesellschaftspsychologischen Grand Guignols, überreich an visuellen und narrativen Analogien. Die furiose Ausstattung kontrastiert die monumentalen Verfallsbauten der griechischen Schauplätze mit fossilen Knochenkonstruktionen. Organische Ornamente, die H. R. Gigers biomechanische Bildwelten beschwören, dienen der neurasthenischen Menschheit der Zukunft als Memento einer fast vergessenen Mortalität. Die evolutionsbiologisch Anästhesierten hungern nach Wunden, die sie an die Lebendigkeit ihrer unempfindlichen Körper erinnert. Amateurmedizinische Publikumsunterhaltung und Darbietungen physischer Anomalien sind (wieder) en vogue.

Auf der Bühne dieses hyperästhetischen Horror-Theaters, dessen subtile Schocks als futuristischer Spiegel der Vergangenheit und Gegenwart fungieren, stehen der in seinem Körper neue Organe brütenden Saul Tenser (Viggo Mortensen, Dreizehn Leben) und seine Performance-Partnerin Caprice (Léa Seydoux, The French Dispatch). Ihre invasiven Vorführungen überwinden konventionelle Konstrukte von Schönheit und Sexualität, deren staatliche Aufrechterhaltung die Gesellschaft nicht nur intellektuell verstümmelt. Mit schneidendem Sarkasmus seziert Cronenberg eine politische Psyche, die sich im Streben nach institutionalisierter Körperkontrolle ins eigene Fleisch schneidet.

Fazit

Die Fragilität körperlicher Autonomie ist das pulsierende Herz David Cronenbergs ebenso progressiver wie provokanter Schaueroper voll barocker Blutrünstigkeit und exaltierte Erotik. Mittels makaberer Metaphorik verweist die kondensierte Story auf die unscharfe Grenze zwischen Normalität und Normierung. Der Subtext des jeden Sensationalismus vermeidenden Science-Fiction-Thrillers steht in Kontrast zu einer reaktionären Kultur- und Körperpolitik. Deren Zwänge erscheinen auf der Leinwand in warnender Symbolen als Folter-Mobiliar und Organpolizei, die selbst das Innerste registriert und korrigiert.

Autor: Lida Bach

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