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Inhalt

Als die Nachbarschaft von Bushwick Ziel einer scheinbar militärischen Invasion wird, schließen sich die Studentin Lucy und der Hausmeister sowie Ex-Marine Stupe zusammen, um in dem vom Chaos beherrschten Treiben zu überleben. 

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Keine 10 Minuten dauert es, bis in Bushwick die Hölle losbricht. Eben erst sind Lucy und ihr Freund in der U-Bahn-Station des New Yorker Stadtviertels Bushwick angekommen, um Lucys Großmutter zu besuchen, da rennt ihnen plötzlich ein in Flammen stehender Mann schreiend entgegen. Als das Pärchen durch beunruhigenden Lärm und Schussgeräusche zusätzlich in hellen Aufruhr versetzt wird, will Lucys Freund nachsehen, was auf den Straßen von Bushwick vor sich geht. Wenige Sekunden ist auch er tot, nachdem er von einer Explosion erfasst wird. Zurück bleibt eine völlig perplexe Lucy, die sich fortan panisch einen Weg durch die Straßen von Bushwick bahnen muss, auf denen unbekannte, schwer bewaffnete Angreifer auf alles schießen, was sich bewegt. Unterstützung findet die junge Frau wenig später in dem Hausmeister und Ex-Marine Stupe, der aufgrund seiner bulligen Statur und der stoischen Mimik zunächst einen abschreckenden Eindruck macht, sich dann aber doch hilfsbereit zeigt.

In ihrem Film setzt das Regie-Duo Jonathan Milott und Cary Murnion (Cooties) von Anfang an auf schwindelerregende Desorientierung und chaotische Hektik. Um diesen atmosphärischen Zustand auch auf den Zuschauer zu übertragen, bedienen sich die beiden einem inszenatorischen Kniff, der an Alejandro González Iñárritus Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) erinnert. Ähnlich wie das oscarprämierte Drama erweckt der Film den Eindruck, als sei er fast vollständig in nur einer einzigen, konstanten Einstellung gedreht worden. So lassen sich über den Verlauf des Films, abgesehen vom Vorspann und einer kurzen Sequenz im Mittelteil, lediglich zwei bis drei deutlich platzierte Schnitte ausmachen, die der Illusion einer ansonsten auf Spielfilmlänge ausgedehnten Plansequenz entgegenwirken. 

Bushwick ist somit in erster Linie ein Konzeptfilm, der aufgrund des technisch ausgefeilten, äußerst komplex zu bewältigenden Stils maximale Immersion erzeugen will. Die von rhythmisierender Montage befreiten Passagen wirken allerdings frühzeitig wie Szenen aus einem Videospiel, deren choreographierte Geradlinigkeit auch aufgrund der gelegentlich eingefügten, misslungenen CGI-Effekte einen artifiziellen Eindruck hinterlassen. Obwohl Milott und Murnion sicherlich ein möglichst authentisches, unverfälschtes Abbild der Realität erzeugen wollten, tritt aufgrund der oftmals sichtbaren Mühe, mit der Bewegungsabläufe im Voraus exakt durchgeplant wurden, viel mehr ein gegenteiliger Effekt auf.

Der aufwändigen Form, die zumindest in manchen Szenen ein beklemmendes Mittendrin-Gefühl suggeriert, steht ein Drehbuch gegenüber, das sich an schlichten B-Movie-Impulsen orientiert. Auch wenn der Film durch die außergewöhnliche Drehtechnik nicht direkt so aussieht, handelt es sich bei Bushwick letztendlich nur um einen generischen Action-Reißer, der sich hinter einer konstruierten Sozialkritik versteckt. Nachdem Lucy und Stupe einen der Angreifer überwältigen können und diesen unter Druck setzen, wird das Motiv der gewalttätigen Invasion innerhalb eines Dialogs abgehandelt. Der politische Bezug, um den sich die Drehbuchautoren Nick Damici (Cold in July) und Graham Reznick (Trigger Man) hierbei bemühen, rückt im Verlauf des simpel gestrickten Szenarios jedoch schnell in den Hintergrund und dient weiterhin nur dazu, die Einwohner von Bushwick und die Angreifer aufeinander loszulassen. 

Eher unfreiwillig gewinnt Milotts und Murnions Werk viel mehr durch das aktuelle Weltgeschehen an eindringlicher Brisanz. Mit den Impressionen von aufgewühlten Menschen, die sich in brennenden Straßen mit Waffengewalt gegen einen ebenfalls gewalttätigen Mob zur Wehr setzen müssen, fügt sich Bushwick auf unbequeme Weise in die Stimmung eines unter der Regierung von Donald Trump zutiefst gespaltenen Amerikas ein. Die regelmäßig eskalierenden Konflikte, die momentan immer wieder ihren Weg in die Medien finden, treibt der Streifen in apokalyptische Dimensionen und löst auch durch den konsequent grimmigen Umgang mit seinen Figuren treffendes Unbehagen aus. 

Dieser Stimmungspegel alleine reicht jedoch nicht aus, um den Gesamteindruck des Films entscheidend anzuheben. Zu oft irritieren einige unlogische, kaum nachvollziehbare Entscheidungen mancher Figuren, zu oberflächlich bleiben die beiden Protagonisten, von denen zumindest Dave Bautista (Guardians of the Galaxy) in einem tragischen Monolog gegen Ende Züge eines überzeugenden Charakterdarstellers durchblitzen lässt, und zu unambitioniert zeigt sich der Film gegenüber seiner eigenen zeitgemäßen Sprengkraft, wenn sich die Regisseure lieber in stumpfe Genre-Mechanismen flüchten.

Fazit

Jonathan Milotts und Cary Murnions „Bushwick“ präsentiert sich formal in einem interessanten Konzept, das den Eindruck einer kontinuierlichen Plansequenz nachahmt, dabei aber zu oft an eine geradlinige, choreographierte Videospielsequenz erinnert. In der Praxis scheitert der recht simpel gestrickte B-Movie-Actioner aber an seinem Drehbuch, in dem stumpfe Genre-Mechanismen und platte Sozialkritik das eigentliche Potential des atmosphärischen Geschehens überschatten, das aufgrund der derzeitigen politischen Lage in Amerika unangenehm aktuelle Bezüge aufweist.

Autor: Patrick Reinbott

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