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Bandenchef Pinkie Brown ermordet einen unliebsamen Journalisten, mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Eines seiner Gangmitglieder soll ihm das perfekte Alibi verschaffen, könnte jedoch von der Kellnerin Rose identifiziert werden. Pinkie umgarnt die unwissende Zeugin, um eine Aussage zu verhindern. Doch es gibt noch eine neugierige Schnüfflerin und die Konkurrenz im Gangstermilieu, die ihm das Leben schwer machen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Brighton in den 30ern, am Tag ein Urlaubsparadies an der britischen Südküste für zahllose Touristen. Doch spätestens in der Dämmerung zeigt es sein wahres Gesicht. Eine Brutstätte für skrupellose Gangster, die sich hinter der sonnigen Kulisse verstecken. Der jüngste und vermutlich schlimmste von ihnen: Der gerade mal 17jährige Pinkie Brown (Richard Attenborough; Jurassic Park). In frühen Jahren durch den Tod seines Ziehvaters und besten Freundes blutjung an die Spitze dessen kleiner Organisation gespült, die er nun mit unbarmherziger Hand führt. Mit dem Vergeltungsmord an dem damals ausschlaggebenden Journalisten genießt er seine Rache schnell und nicht mal richtig abgekühlt, schickt ihn symbolträchtig durch Dante's Inferno. Allerdings hat er die Rechnung ohne den Wirt bzw. die naive Kellnerin Rose (Carol Marsh; Dracula) gemacht. Diese kann sein wasserdichtes Alibi gewaltig absaufen lassen, ohne dass sie sich ihres heiklen Wissens eigentlich bewusst ist. Anstatt sie einfach über die Klinge springen zu lassen und dadurch noch größeres Aufsehen zu erregen, lässt der gerissene Psychopath seinen unheimlichen Charme spielen, um die sanfte Rose gefügig zu machen und durch ein Ehegelübde ganz offiziell zum Schweigen zu bringen.

Als Regisseur wurde Sir Richard Attenborough mit dem aufwändigen Kriegsepos Die Brücke von Arnheim und spätestens durch sein riesiges Biopic Gandhi weltberühmt, das mit sämtlichen Filmpreisen überschüttet wurde. In seinen letzten Jahren als Darsteller dürfte er den meistens als kuscheliger Großvater-Typ in Erinnerung geblieben sein, besonders in der wohl ungefährlichsten Rolle der Welt als Weihnachtsmann in Das Wunder von Manhattan. Diese eventuell als warm und gutmütig abgespeicherte Assoziation werden durch Brighton Rock auf eine harte Probe gestellt. Der damals 24jährige liefert als Babyface-Gangster Pinkie Brown eine übermenschlich-schaurige Vorstellung ab, bei der es einem mehrfach eiskalt vom Nacken bis zum Steiß kribbelt. Wie eine Kreuzung aus Peter Lorre und Alain Delon, mit einem Hauch von Steve Buscemi. Eine hagere, von seiner Physiognomie nicht unbedingt bedrohliche Gestalt mit schiefem Hut, dem der diabolische Charakter wie der Wahnsinn aus den Augen quillt und ihm gespenstischer auftreten lässt als jeden Zwei-Meter-Hünen. Was für eine unheimliche Erscheinung und Figur, die durch extreme Schattengebung noch deutlicher glänzt bzw. dunkler erscheint, das Böse seiner Seele eindrucksvoll ins expressionistische Schaufenster gestellt wird. Wann immer Pinkie im Mittelpunkt steht, scheint sich die ganze Szenerie in noch tiefere Schatten zu tauchen. Die personifizierte Mondfinsternis.

Brighton Rock erzählt die perfide Geschichte von dem Mädchen und dem Monster, das aus der Dunkelheit steigt. Eine kleine, zarte Rose pflückt und sie zum Verwelken in die Nacht zieht, während sie immer noch an Märchen und ihren Prinz glaubt, der selbst seinen Untergebenen bald über den – schon geringen – moralischen Kopf wächst. Ungebremst und Unerzogen fliegt der frühe Vogel etwas zu hoch, stößt an die Grenzen seiner Macht und behält trotzdem bedingungslos seinen Kurs bei, was Opfer fordert. In erster Linie links und rechts neben ihm, die er ohne mit der Wimper zu zucken selbst auserwählt. Sich den Weg freimacht, um seinen Ego-Trip bis zum bitteren Ende durchzuziehen, was selbst den engsten Verbündeten irgendwann zu viel wird. Eine anti-romantische Gangstergeschichte, die auf grausamste Weise mit dehnbaren Begriffen wie Moral, Ethik und „Liebe“ spielt, als wäre es das einfachste von der Welt. Zynisch wird am Ende selbst die Tragödie von Romeo & Julia hinterhältig-grausam instrumentalisiert. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen gipfelnd in eine trotzdem so niemals vorhersehbare Pointe, die in ihrer Wirkung kaum zu überbieten ist. Sahen sich auch Filme der schwarzen Serie zu dieser Zeit oft noch zu einem Happy-End genötigt gibt es hier einen Rausschmeißer, der dieses vorgaukelt und dadurch verlogener und böser kaum sein könnte. Großartig!

Fazit

Ein hinterlistiger, fantastisch konstruierter, britischer Bastard des Film noir, dem erst spät die nötige Ehrerbietung erfuhr. Heute gilt er zu den wichtigsten Filmen seine Zeit und des Genres. Und das mit Recht. Nicht unbedingt elegant, dafür so roh, ungeschliffen und waghalsig mit der Wohlfühlzone des damaligen Publikums spielend, das erfordert Mut und Können. Beides hat Brighton Rock zuhauf. Und einen Richard Attenborough auf beängstigendem Niveau.

Autor: Jacko Kunze

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